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Noch sinkt die Zahl der Teststellen nur leicht

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Von: Sebastian Semrau

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Noch gibt es die grundsätzlich kostenfreien Bürgertests. Dies endet am Freitag. Die Teststelle am Limburger Neumarkt soll aber weiter betrieben werden, wenn auch wahrscheinlich mit reduzierten Öffnungszeiten.
Noch gibt es die grundsätzlich kostenfreien Bürgertests. Dies endet am Freitag. Die Teststelle am Limburger Neumarkt soll aber weiter betrieben werden, wenn auch wahrscheinlich mit reduzierten Öffnungszeiten. © Sebastian Semrau

Nachfrage geht zwar zurück und neue Regeln erschweren Arbeit zusätzlich.

Limburg-Weilburg -Der ganz große Wildwuchs an Corona-Teststellen scheint auch im Landkreis Limburg-Weilburg vorbei. Und doch gibt es in allen Kommunen noch zahlreiche Angebote. Und dass wird wohl auch über den 1. Juli so bleiben, obwohl eine neue Testverordnung dann für das Ende der kostenlosen Tests für alle sorgt. "Die Ankündigung der neuen Corona-Testverordnung hatte bislang keine signifikanten Auswirkungen auf die Anzahl der Testzentren im Landkreis Limburg-Weilburg", teilt Jan Kieserg, Sprecher des Landkreises mit. Beim dortigen Gesundheitsamt müssen Teststellen an- und abgemeldet werden.

Wie Kieserg weiter mitteilt, habe das Gesundheitsamt vor dem Hintergrund ausreichend bestehender Testkapazitäten im Landkreis und analog mehrerer anderer hessischer Landkreise entschieden, keine Neueröffnungen von Teststellen mehr zu genehmigen. Ausnahmen bildeten Neueröffnungen von Testzentren in unmittelbarer Nähe von Einrichtungen, wo bislang keine vorhanden waren, aber die für den Arbeitsablauf benötigt werden, beispielsweise inzwischen vor dem St.-Vincenz-Krankenhaus.

Über die aktuelle Situation herrscht bei den Betreibern weitgehend Einigkeit: Die Zahl der Tests nimmt immer weiter ab, die neue Verordnung und vor allem deren Kurzfristigkeit verärgern sie, und die meisten sind nicht sicher, wie lange sie überhaupt noch Tests anbieten werden. Für die Weitergabe der Testverordnungen an die Betreiber ist laut Kieserg das Hessische Ministerium für Soziales und Integration zuständig. Allerdings seien diese "aber natürlich grundsätzlich verpflichtet, sich selbst über die aktuellen Verordnungen auf dem Laufenden zu halten".

Wiedereröffnung wegen

steigender Zahlen?

Einige Teststellen sind auch in den vergangenen Wochen geschlossen worden. Dazu gehören alle von Eric Schröder, der in Frickhofen, Ennerich, Elz, Elbtal und Oberbrechen mit seiner Firma Diamond Health aktiv war. "Es gab zu wenig Nachfrage", sagt er. Nun aber gingen die Zahlen wieder hoch. Da sein Standort in Elz noch stehe, überlege er nun, diesen am morgigen Freitag wieder zu öffnen.

Den entgegengesetzten Weg gehen die Correctly-Testcenter. Dort werden die Ableger in Bad Camberg, Hundsangen und Niederzeuzheim "wegen mangelnder Nachfrage", wie Mitarbeiterin Rina Smajli berichtet, geschlossen. "Dort lohnt es sich nicht mehr." Die Standorte Limburg, Ahlbach, Lindenholzhausen und Fussingen blieben aber bestehen.

Geöffnet bleiben auch die beiden Testzentren des Schlemmerteams in der eigenen Event-Location sowie auf dem Neumarkt in Limburg. "Wir werden aber die Öffnungszeiten reduzieren", sagt Geschäftsführerin Kerstin Schäfer. Der Andrang sei zwar zurückgegangen, noch könne das Personal aber bezahlt werden. Und auch der Bedarf sei noch da. "Ich erwarte, dass im Herbst wieder mehr getestet wird", sagt sie.

Das erwartet auch Benjamin Komander, der seit Ende Januar ein Drive-in-Testzentrum in Bad Camberg betreibt. Bisher sei es gut verdientes Geld gewesen, für die nächsten Wochen rechnet aber auch er "mit einem Minusgeschäft". Er wolle aber "für die Bad Camberger Bürger da bleiben". Zudem eröffnet er sogar noch einen zweiten Standort in Idstein, der sich bis zum Herbst etablieren soll.

Die Kurzfristigkeit der neuen Verordnung empfindet Komander als "Unverschämtheit". Schließlich habe er ja auch Angestellte und die auch einen Kündigungsschutz. Die 3 Euro an seine Kunden weitergeben möchte er übrigens nicht. "Wenn wir nicht dazu verpflichtet werden, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich darauf verzichte.

Der Eigenanteil

wird übernommen

Ähnlich will die Neue-Amts-Apotheke Aposanum in Bad Camberg in ihrem Testzentrum verfahren. Diesen Eigenteil (die 3 Euro) übernehme die Apotheke, heißt es auf der Homepage.

Linda Hoffmann, die in Waldbrunn-Hausen ein Testzentrum betreibt, sagt, dass sie nur auflassen könne, weil es auf dem eigenen Grundstück liege und daher keine Miete fällig sei. Besonders in den vergangenen beiden Wochen habe die Nachfrage bereits nachgelassen. "Das ist scheinbar so gewollt", sagt sie auch mit Blick auf die neue Verordnung, zu der sie nur die Info bekommen haben, dass man diese der Presse entnehmen sollte. Auch sie überlegt, auf die 3 Euro zu verzichten. "Wie soll ich die einer älteren Frau aus der Nachbarschaft abnehmen, die drei Mal pro Woche kommt, um zu erfahren, ob sie sich angesteckt hat?"

Der Kreisverband Limburg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wird seine Teststelle an seinem Standort in Dietkirchen weiter betreiben, wie Michael Tetens vom DRK ankündigt. Die Angebote an verschiedenen Tagen in verschiedenen Orten würden aber ab dem 1. Juli zumindest vorerst eingestellt. Die Testungen in Kindergärten dagegen sollen weitergehen, auch wenn selbst dies noch offen sei. "Wir warten noch auf den Schriftsatz aus Berlin. Bisher gab es nur lose Ankündigungen", sagt Tetens, der sowieso von einem gesunkenen Zulauf in den vergangenen Wochen berichtet.

Das ist auch einer der Gründe, warum der Zusammenschluss "Limburg testet", dem unter anderem mehrere Apotheken angehören, das Testzentrum auf dem Marktplatz, das man auch mit dem Auto benutzen konnte, geschlossen hat. Zudem wurde die Fläche für andere Dinge benötigt, teilt Adolf Wuth, Leiter der Hubertus-Apotheke, mit. Auch das Angebot im Limpark werde künftig entfallen. "Die Zahlen sind doch relativ gering", sagt er. Vor dem Limburger Krankenhaus werde man aber weiterhin PCR- und Schnelltests anbieten. An dieser Stelle sollten auch künftig besonders viele Menschen sein, die Anspruch auf einen kostenlosen Test haben.

Die Regeln ab Freitag:

Kostenlose Bürgertests gegen das Coronavirus gibt es ab dem 1. Juli nur noch in Ausnahmefällen. Wirklich nichts bezahlen sollen folgende Gruppen.

Personen unter fünf Jahren;

Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können;

Personen, die an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen teilnehmen oder teilgenommen haben;

Patienten in Krankenhäusern und Pflege beziehungsweise Eingliederungshilfeeinrichtungen und deren Besucher.

Personen, die mit einer infizierten Person in einem Haushalt leben oder gelebt haben.

Zudem gibt es noch zwei Gruppen, die für jede Testung einen Beitrag von 3 Euro als Eigenbeteiligungzahlen sollen:

Personen mit erhöhtem Risiko nach Corona-Warn-App;

Besucher von Veranstaltungen in Innenräumen oder mit beabsichtigtem Kontakt zu einer Person ab 60 Jahren oder einer Person mit Vorerkrankung.

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