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Die Vogelschützer beringen die Steinkäuze, um sie besser beobachten zu können.

Gefährdet

Seltene Eulenart: Bedroht das Gewerbegebiet den Steinkauz? 

In der Gemarkung Offheim lebt der seltene Steinkauz. Ob dies auch zukünftig noch so sein wird, halten Vogelschützer für fraglich, denn durch den geplanten Ausbau des Gewerbegebiets würden Nistplätze wegfallen. Das wollen Armin Floreth und Gabriele Schäfer verhindern. Sie setzen sich für den Steinkauz und weitere Vogelarten ein.

Offheim - Der Steinkauz gehört zu den bedrohten Tierarten. Weltweit ist die Zahl der Brutpaare in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Im Landkreis Limburg-Weilburg leben allerdings noch einige Exemplare dieser kurzschwänzigen Eulenart. Besonders auf den Streuobstwiesen und Feldern rund um Offheim sind die Tiere zu Hause. Doch auch dort sei der Lebensraum der Steinkäuze bedroht, sagen Vogelschützer. Dem geplanten Ausbau des Gewerbegebiets würden Nistplätze zum Opfer fallen.

"Momentan leben vier Brutpaare unmittelbar neben dem Gewerbegebiet", sagt Armin Floreth aus Offheim. Gemeinsam mit Herbert Friedrich vom Nabu-Kreisverband kümmert er sich um die Belange der Eulen. Seit über 20 Jahren beringt Floreth die Tiere. Außerdem hängt er Nistkästen auf und hält sie sauber. "Derzeit befinden sich sieben Kästen um Offheim, die ich an Obstbäumen angebracht habe. Sie werden von der Behindertenwerkstatt der Lebenshilfe hergestellt", erzählt er. Zehn bis 15 Junge kommen pro Jahr in den Kästen zur Welt. Floreth, der seine Aufgaben als Vogelschutzwart mit großer Leidenschaft ausübt, beobachtet auch das Balzverhalten der Tiere und schaut sich die Entwicklung der Eier während der Brutzeit an.

Optimale Bedingungen

Die optimalen Lebensbedingungen für die Steinkäuze um Offheim könnten bald der Vergangenheit angehören. Sollte das Gewerbegebiet von 2021 an ausgebaut werden, müssten die Streuobstwiesen und damit auch die Nistplätze weichen. Neben Floreth versucht auch Gabriele Schäfer dies zu verhindern. Sie kämpft gemeinsam mit einer Offheimer Bürgerinitiative für den Erhalt der Natur um den Limburger Stadtteil. 

Erst drei Wochen alt sind diese drei Steinkäuze.

"Die Größe unseres Gewerbegebiets ist absolut ausreichend. In vielen Dörfern um Limburg sind wesentlich weniger Gewerbeflächen vorhanden, so dass dort ein Ausbau durchaus sinnvoller wäre", sagt sie. Die Bürgerinitiative will die Wiesen und Felder um Offheim bewahren, um Lebensraum für die Tiere zu erhalten. Schäfer: "Es gibt viele seltene Tiere in dem Gebiet. Neben dem Steinkauz sind auch noch Störche und die Feldlerche anzutreffen."

Wichtig zur Naherholung

Durch den geplanten Ausbau nehme die Stadt den Bewohnern von Offheim außerdem ihr Naherholungsgebiet weg. Laut Floreth nutzen viele Menschen die Feldwege zum Wandern. Des Weiteren beeinflusse die Erweiterung des Gewerbegebiets das Klima negativ. "Die Flächenversiegelung ist schlecht für die Umwelt, und es entsteht noch mehr Verkehr. Jeder spricht über den Klimawandel, aber in der Lokalpolitik scheint sich nichts an der Haltung zu ändern", ärgert sich Schäfer.

Die Bürgerinitiative hat Gespräche mit allen Fraktionen geführt. In Zukunft will sie Infoveranstaltungen für Bürger ausrichten, um auf den Wegfall der Lebensräume aufmerksam zu machen. "Zusätzlich haben wir noch einige Banner bestellt, die auch auf unsere Forderungen hinweisen. Sie werden zeitnah aufgehängt", erläutert das Mitglied der Initiative. Es sei zwar schwierig, den Ausbau noch zu verhindern, da die Stadt bereits einige Flächen von Landwirten erworben habe. Allerdings gebe man die Hoffnung nicht auf. "Wir werden alles dafür tun, um das Naherholungsgebiet zu erhalten", betont Schäfer.

Sollte das Vorhaben der Bürgerinitiative fehlschlagen, will sich Floreth trotzdem um den Erhalt der Steinkäuze in Offheim bemühen. "Zwar wird es durch einen Ausbau des Gewerbegebiets deutlich schwieriger, Nistplätze und Nahrung zu finden, aber ich werde nicht aufgeben. Hoffentlich entdecke ich einen anderen geeigneten Platz, an dem die Eulen in Frieden leben können", sagt er.

Herbert Friedrich vom Natur-schutzbund (links) und der Kreisbeauftragte für Vogelschutz, Armin Floreth, hängen an einem Baum in Offheim einen Nistkasten für den Steinkauz auf. Fotos: privat

Der Steinkauz lebt in Europa, Asien und Nordafrika. Er benötigt offenes Gebiet zum Jagen und Bäume oder Höhlen zum Nisten. Hauptsächlich nutzt das Tier dafür Obstbäume, aber auch auf Eichen, Linden und Weiden. Der Steinkauz, eine Eulenart, jagt bevorzugt in Bodennähe. Er kann sich fliegend und laufend sehr schnell fortbewegen, fängt unter anderem Käfer, Regenwürmer, Grillen, Mäuse und kleinere Reptilien. Hauptsächlich ist er nachts aktiv. Nach der Wahl eines Jagdreviers hält sich das Tier oft lebenslang dort auf. Steinkäuze werden bis zu 15 Jahre alt. Charakteristisch sind ihre zitronengelben Augen. Während der Balzzeit machen die Männchen mit lauten Rufen auf sich aufmerksam. Pro Brutzeit werden drei bis fünf Eier ausgebrütet. Marder, Hauskatze und Uhu sind natürliche Feinde des Steinkauzes. In Deutschland sind die meisten Brutpaare in Nordrhein-Westfalen und Hessen beheimatet. 1972 wurde der Steinkauz zum Vogel des Jahres gewählt. In Griechenland gilt er als Vogel der Weisheit und Sinnbild der Göttin Athene. Die kleine Eule ist auf den antiken Drachmen-Münzen abgebildet und auf der Rückseite der griechischen Ein-Euro-Münze. 

von Tobias Ketter

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