Ein Papst, der Menschen bewegt

FAZ-Redakteur Daniel Deckers stellte in der Galerie Kloster Gnadenthal auf Einladung der Jesus-Bruderschaft sein aktuelles Buch vor: „Papst Franziskus: Wider die Trägheit des Herzens. Eine Biografie“

Von Gundula Stegemann

. Als exakt vor zwei Jahren weißer Rauch aus dem Vatikan aufstieg, hielt die Welt den Atem an. Voller Erwartungen waren die Blicke vieler Menschen weltweit – und nicht nur der katholischen Gläubigen – auf Rom gerichtet… Und die Spannung ließ auch dann nicht nach, als der Name des neuen Papstes verkündet wurde: Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien. Wer ist dieser Mann, der eine große Projektionsfläche für die Hoffnungen so vieler Christen bietet? Der Journalist Dr. Daniel Deckers hat sich auf Spurensuche begeben und versucht, in seinem Buch „Papst Franziskus: Wider die Trägheit des Herzens. Eine Biografie“ einen Einblick in das Leben des Jorge Mario Bergoglio zu geben. In der Galerie Kloster Gnadenthal stellte Deckers im Rahmen einer Lesung sein im Herbst des vergangenen Jahres erschienenes Buch vor. Musikalisch gestaltet wurde der Abend von Ursula Kaul, Deckers Ehefrau, Querflöte, und seiner Tochter Hedwig Deckers, Klavier, mit Werken von Gabriel Fauré und Astor Piazolla. Jutta Ebersberg, Vorsitzende der Jesus-Bruderschaft, begrüßte die zahlreich erschienenen Besucher und stellte den Autor dem Publikum vor: Deckers ist promovierter Theologe und als Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zuständig für die katholische Kirche und das Ressort „Die Gegenwart“. Deckers gilt als Kenner des Vatikans.

Mit der Biografie versucht er, nicht nur Lebensdaten und Ereignisse aus dem Leben von Jorge Mario Bergoglio zusammenzutragen und aneinanderzureihen, sondern einen Blick hinter die Kulissen zu wagen, Hintergründe, sein Umfeld zu beleuchten, ihn aus seiner Familiengeschichte heraus, aus den politischen, gesellschaftlichen und theologischen Verhältnissen, in denen Bergoglio vor seiner Wahl zum Papst, gelebt und gearbeitet hat, kennenzulernen und zu verstehen. Um keinen falschen Eindruck zu vermitteln, stellte er von Anfang an klar: „Ich habe selber nie mit Bergoglio sprechen können. Vieles konnte ich nicht aufklären. Man hat mir Dinge erzählt, die ich hören sollte – andere nicht. Ich konnte Fragen stellen, habe aber nicht auf alles eine Antwort erhalten.“ Auch die Archive seien ihm teilweise versperrt geblieben. Vieles sei nur durch das bekannt, was Bergoglio selbst erzählt hat. „Man ist mit einer subjektiven Wahrheit konfrontiert, die nicht unbedingt mit der Chronologie übereinstimmt. Das heißt: Ein Rest von Unsicherheit bleibt. Es kann so gewesen sein, muss aber nicht.“ Wer Bergoglio war, bevor er Papst wurde – das fülle das Buch aus, so Deckers.

Auf jeden Fall habe die Wahl Bergoglios zum Papst eine Fülle von Phänomenen mit sich gebracht: den ersten Jesuitenpapst, obwohl Jesuiten eigentlich kein Amt innehaben dürften, den ersten Südamerikaner, sogar den ersten Amerikaner auf dem heiligen Stuhl, einen Jesuitenpapst, der sich Franziskus nennt und einen Papst, der zum Zeitpunkt seiner Wahl älter war als seinerzeit Benedict XVI. Über Bergoglio sei nach seiner Wahl zu lesen gewesen, dass er die Provinz gespalten habe, weil er eine vorkonziliare Geisteshaltung gehabt habe. Und es wurden Stimmen laut, die behaupteten, er habe ein unklares und ungeklärtes Verhältnis zur Militärjunta in Argentinien gehabt. Dies sagten insbesondere Menschen, die einen Teil seines Lebens mit ihm verbracht haben. „Er provoziert und polarisiert“, so Deckers. „Aber möglicherweise ist er vom Habitus her ein Prophet, angefeindet im Vatikan.“ Im Rahmen seiner Lesung skizzierte Deckers die Herkunft Bergoglios, einer Einwandererfamilie aus Italien. Er schilderte die besonderen gesellschaftlichen Verhältnisse Argentiniens und setzte Bergoglios Biografie in diesen Kontext. „Dass dieser Mann seine Geisteshaltung verändert hat, halte ich für ausgeschlossen“, so Deckers. Er sei überzeugt davon, dass Franziskus auch zuvor nicht anders gedacht hat.

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