In perfekter Harmonie

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Klänge wie aus einer anderen Welt, dazu märchenhafte Geschichten – die Zuhörer wurden in der Kulturscheune Schupbach regelrecht verzaubert.

In eine märchenhafte Traumwelt hat die Westerwälder Autorin Michaela Abresch am Samstagabend die Gäste in der gut besuchten Schupbacher Kulturscheune entführt. Begleitet wurde sie von Uwe Wagner auf dem Hang. Dieses Instrument aus zwei Stahl-Halbkugeln wurde erst 2000 erfunden. Auf der oberen Halbkugel befinden sich Klangfelder. Das Hang wird mit den Händen gespielt.

Wagner entlockte seinem Instrument fast in Trance versetzende Töne, die wundervoll mit der warmen Erzählstimme Abreschs harmonierten. Eine gemeinsame Bekannte hatte die beiden Künstler zusammengebracht. Abresch merkte sofort, dass die Chemie menschlich wie künstlerisch stimmte. „Den muss ich jetzt für immer haben“, entschloss sie sich und tritt seitdem mit Wagner zusammen auf.

In das einzigartige Ambiente der Schupbacher Kulturscheune kamen beide gerne, „denn wir lieben solche Schatzkästchen, um darin zu spielen“. Viele werden sicher beim Thema Märchen gleich an die gesammelten Geschichten der Gebrüder Grimm oder Hans Christian Andersens denken. Aber Abreschs Geschichten sind auf eine andere, modernere Art märchenhaft. Der Zuhörer merkte sofort, dass die Dierdorferin hervorragend schreiben und faszinierend vortragen kann. Es wäre ihr zu wünschen, dass ihre Werke größeren Anklang finden, auch wenn sie hauptberuflich in der Seniorenarbeit tätig ist.

Ein Name für den Fischer

“ hat sie während eines Urlaubs auf Lanzarote geschrieben. Sie hatte dabei den Atlantik im Blick, die Sonne im Gesicht und die Brandung in den Ohren. Die passende Atmosphäre, um sich die Geschichte vom alten Fischer zu überlegen, dessen Namen keiner kennt und den alle nur „El Loco“ nennen. Der wortkarge Mann ist ein einsamer Außenseiter der Gesellschaft. Er wohnt in einem alten Leuchtturm, den keiner mehr braucht und den die Dorfbewohner „El Loco“ deshalb überlassen. Doch viel mehr, als dass er täglich mit seinem kleinen Boot zum Fischen aufs Meer fährt, weiß keiner über ihn. Er selbst hat schon fast seinen wirklichen Namen vergessen, weil er ihn ewig nicht benutzt hat. Als der alte Mann von einem Fang zurückkehrt, sieht er, dass eine der Sardinen immer noch quicklebendig zu sein scheint. Beim genaueren Hinsehen sieht er, dass es überhaupt kein Fisch ist. „Ich bin ein Meermädchen“, bekommt er verblüfft zu hören.

Der Fischer freundet sich mit dem unbekannten Wesen an, das immer mehr seinen inneren Schutzwall aufbricht. „Wer bist du?“, fragt das Meermädchen den Fischer“. „Ich bin nur ein alter Mann“, antwortet er. Dann kommt die Frage, die den Fischer wirklich aufwühlt. „Wie heißt du?“ „Ich hatte einen Namen, aber keiner benutzt ihn“. Als sie ihm sagt, dass sie Estreida heißt, nennt er auch seinen Namen: Enrique. Dem alten einsamen Mann tut der Kontakt mit dem Meermädchen gut. Sie unterhalten sich lange und intensiv, der Gast schwimmt in seinem Suppenteller. Doch ohne Salzwasser kann das Meermädchen nicht dauerhaft existieren. Also setzte er sie schweren Herzens wieder ins Meer und sie ruft noch einmal seinen Namen, bevor sie in der Tiefe des Meeres abtaucht. Der Mann ist wehmütig, aber auch glücklich, wieder einen Namen zu haben.

„Die kleinen Dinge, die man übersieht, können oft eine große Wirkung haben“, sagte Abresch. Mit „Der geteilte Traum“ las sie noch eine zweite Geschichte. Darin geht es um die Seherin Alea, die verborgene Träume erfüllt. Sie weiß, dass es nicht einfach ist, Träume, die einmal aufgegeben wurden, zurückzuholen. Ihr Geheimnis darf sie nicht mit Menschen teilen. Dann taucht im Wald aber ein anziehender Fremder auf, und sie tut es doch. Thomas Eller meinte am Ende der Veranstaltung, der Vortrag habe ihn ergriffen gemacht. Er habe sich unterstützt von den traumhaften Klängen wie ein Adler gefühlt, der alles in der Luft schwebend von oben betrachte. Der Abend habe allen Erschienenen, sicher Ruhe und Ausgleich vom Alltag geschenkt, so der Gastgeber.

(rok)

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