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Sie haben sich immer sehr wohl gefühlt, haben intensive Erlebnisse gehabt und viele schöne Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen genießen dürfen. Und sie hoffen ganz im Sinne von Trude Herr: ?Niemals geht man so ganz, irgendetwas von uns bleibt hier?.

Flacht-Niederneisen-Holzheim

Pfarrer-Ehepaar verlässt seine Kirchengemeinde

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Gerüchte gab es schon länger, nun ist es offiziell: Das beliebte Flachter Pfarrer-Ehepaar Reininghaus-Cremers verlässt die evangelische Kirchengemeinde Flacht-Niederneisen-Holzheim.

Seit Mitte Dezember kursierten an der unteren Aar bereits Gerüchte, zu Wochenbeginn wurden sie vom Pfarrer-Ehepaar Esther Reininghaus-Cremers (40) und Daniel Cremers (38) bestätigt. „Unsere tolle Zeit in der Kirchengemeinde Flacht-Niederneisen-Holzheim wird im Mai zu Ende gehen“, erklärten die beiden Kirchenleute im Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Paar, seit zwölf Jahren verheiratet, erhielt die Chance, einen persönlichen Wunschtraum ein Stück weit Realität werden zu lassen und ans Meer zu ziehen. Genauer gesagt an die deutsche Nordseeküste nach Schleswig Holstein. In der evangelischen Kirchengemeinde Meldorf (Kirchenkreis Dithmarschen) der Evangelisch-lutherischen Nordkirche wurden dem Paar insgesamt 1,5 Stellen für den Pastorendienst angeboten.

„Die letzten Wochen und Monate haben wir damit verbracht, zu überlegen und zu erspüren, wie wir mit dieser Möglichkeit umgehen sollen“, erzählt Daniel Cremers und ergänzt: „Schlussendlich – auch wenn es uns alles andere als leichtfällt, haben wir entschieden, diese Chance zu ergreifen, das Angebot anzunehmen und das Wagnis eines ziemlichen Neuanfangs einzugehen.“

Dem Paar sei immer klar gewesen, dass sie eines Tages beruflich weiterziehen würden; so wie es eigentlich im Pfarrdienst auch angeraten werde. Lediglich der Zeitpunkt sei nie klar gewesen. Beide versichern mehr als glaubhaft: „Wir haben uns hier sehr wohlgefühlt und die uns anvertrauten Menschen der Kirchengemeinde ins Herz geschlossen. Dabei sind etliche Freundschaften gewachsen.“

Beim weiteren Blick zurück erinnert sich Esther Reinghaus-Cremers daran, dass sie insbesondere bei den Gottesdiensten in den vergangenen Jahren viel bewegt haben, so dass dieser Bereich gewachsen sei. So seien die sogenannten AAA-Gottesdienste – der 50. wird Ende Januar gefeiert – weit über die Grenzen der Kirchengemeinde hinaus bekannt und beliebt geworden. Die drei „A“ stehen dabei für „abends, anders und anregend“. Zum Teil weit über 100 Besucher haben dieses Angebot angenommen. Aber auch Gottesdienste zu Karneval, zum Valentinstag, Gottesdienste im Grünen – ob auf der Burg Aardeck oder jährlich bei „Fahr zur Aar“ –, Gottesdienste in Festzelten und Hallen, Wichtel- und Familiengottesdienste – in den vergangenen Jahren ist von dem Pfarrer-Ehepaar ein breites Angebot ins Leben gerufen worden, das nach dem einhelligen Urteil vieler der 1900 Gemeindemitglieder neuen Schwung in die Kirche brachte.

Außerdem haben die beiden Geistlichen ihre Kirche geöffnet: Seit Jahren ist das Flachter Gotteshaus von Montag bis Donnerstag eine „offene Kirche“. Auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit hat sich die Gemeinde (Homepage und Gemeindebrief) weiterentwickelt. „Wir haben unser Gemeindehaus ansprechend saniert, einen Männertreff ins Leben gerufen und durch unsere Konfi-Arbeit vielen Jugendlichen als ehrenamtliche Teamer über die Konfizeit hinaus in der Kirchengemeinde einen Ort geschaffen“, zählt Daniel Cremers ein weiteres Arbeitsfeld auf. „All das sagen wir nicht aus einem überheblichen Stolz heraus, sondern eher aus einen Gefühl dankbarer Zufriedenheit, das ahnen lässt, wie schwer es uns fällt, all das zurück- und hinter uns zu lassen, zumal wir nicht wissen, was unsere berufliche Zukunft für uns bereithält“, sagt der Pfarrer, der mit seiner Gitarre nicht nur in der Kirche in die Saiten griff, sondern auch so manche Kappensitzung an der Aar bereicherte.

Fest stehe: „Wir fangen wieder so ziemlich bei null an. Insofern haben wir uns die Entscheidung alles andere als leichtgemacht – auch wenn das sehr floskelhaft klingt. Und doch ist es genau so, wie wir sagen. Mit Seeluft, Wattenmeer und Deich wurde jedoch unser wunder Punkt genau getroffen. Wie gesagt, nach reichlicher Überlegung.“

Die Meldorfer suchen eigentlich ab sofort jemanden für die vakante Stelle in ihrer Gemeinde (8000 Gemeindeglieder, vier Pfarrstellen). Das Flachter Pfarrer-Ehepaar will jedoch erst im Mai umziehen – nach Abschluss der Konfirmation in Flacht. Der Dienst an neuer Wirkungsstätte wird dann am 1. Juni beginnen. „Wir wollen den laufenden Konfi-Jahrgang bis zum Ende begleiten. Das heißt, dass noch fast vier Monate Dienst in der Kirchengemeinde Flacht vor uns liegen. Vier Monate, die wir jetzt nicht nur mit Abschiednehmen verbringen möchten.“

Die Zeit des Abschieds werde kommen, keine Frage. „Jetzt aber sind wir noch voll und ganz hier, und das nach wie vor sehr gerne. Dennoch wollten wir bereits frühzeitig die Karten auf den Tisch legen, um allen Beteiligten damit eine langfristige Planungsperspektive zu ermöglichen. Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand und unterstützt von Dekanin Weigel werden wir versuchen, die Weichen so zu stellen, dass die Kirchengemeinde der Zukunft bestmöglich vorbereitet entgegensehen kann.“

Ob und wann die Pfarrstelle in Flacht zur offenen Bewerbung ausgeschrieben wird oder ob vielleicht auch eine Pfarrvikarin oder ein Pfarrvikar zur Versorgung der Gemeinde geschickt wird, steht derzeit noch nicht fest. Der Kirchenvorstand hat jedenfalls bereits entschieden, dass die Planungen zur Kirchen-Innensanierung weiterlaufen werden. Eine offizielle Verabschiedung ist vom Kirchenvorstand für den Sonntag, 29. April, vorgesehen, wahrscheinlich im Rahmen eines Gottesdienst um 14 Uhr mit anschließendem Empfang.

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