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Positiver Test und eine Menge Fragezeichen

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Von: Eva Jung

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Wer einen positiven Schnelltest hat, erhält anschließend auch einen kostenlosen PCR-Test.
Wer einen positiven Schnelltest hat, erhält anschließend auch einen kostenlosen PCR-Test. © picture alliance/dpa

422 neue Corona-Fälle hat der Landkreis Limburg-Weilburg gestern gemeldet

Limburg-Weilburg -Familie Meier ist eine ganz normale Familie: Vater, Mutter, zwei Kinder, eines im Kindergarten, eines in der Grundschule. Ein Elternteil arbeitet im Homeoffice, das andere fährt täglich ins Büro. Alle Familienmitglieder sind vollständig geimpft. Man testet sich regelmäßig, hat seine Kontakte in der vergangenen zwei Jahren eingeschränkt. Und trotzdem: Eines Mittags war ein Schnelltest daheim plötzlich positiv. Wie es dann weiterging, haben die Meiers (Name geändert) der NNP-Redaktion erzählt: "Da atmet man erstmal tief durch. Eigentlich war uns seit Wochen klar, dass es uns bei diesen Infektionszahlen irgendwann erwischt. Aber wenn man die zwei Striche auf dem Testfeld sieht, ist es doch ein komisches Gefühl."

Positiver Schnelltest - und dann? Bereits mit einem positiven Schnelltest, egal ob daheim oder in einer Teststation, muss man sich in Isolation begeben. Es folgt zwingend ein PCR-Test - auch wenn nach dem ersten positiven Test noch weitere negative Schnelltests kommen. Bei Regina Meier blieb allerdings auch Schnelltest Nummer zwei positiv. Sie informierte ihren Mann bei der Arbeit, sagte die Verabredungen der Kinder für den Nachmittag ab und kümmerte sich um einen PCR-Testtermin. Symptome hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der Weg zum PCR-Test: Wurde zu Beginn der Corona-Pandemie noch jeder "Verdächtige" aus dem Kreis Limburg-Weilburg zur Mülldeponie nach Beselich geschickt, gibt es inzwischen zahlreiche Anbieter von PCR-Tests. Auch die Kreisverwaltung hat mehrere PCR-Teststellen im Landkreis installiert und arbeitet dabei mit verschiedenen Anbietern zusammen. "An diesen Stellen können PCR-Testungen in unserem Auftrag beispielsweise nach einem positiven Schnelltest durchgeführt werden. Es gibt auch weitere Anbieter, die auf eigene Initiative hin mit Laboren zusammenarbeiten und die Tests dort auswerten lassen, auch dort kann man einen PCR-Test zur Bestätigung einer Infektion durchführen lassen. Die Kosten rechnet das Labor dann direkt über die Testverordnung ab", erklärt Jan Kieserg, Sprecher des Kreises, das Vorgehen.

Über die Homepage des Kreises sind die Teststellen, die im Auftrag des Gesundheitsamtes arbeiten, recht einfach zu finden, die Terminbuchung erfolgt ebenfalls über das Internet. Allerdings wird streng zwischen Personen mit und ohne Symptome unterschieden. Wer die typischen Corona-Anzeichen hat, darf ausschließlich an der Mülldeponie in Obertiefenbach getestet werden. So zumindest die Theorie. "Die Buchung war schnell und umkompliziert, es gab jede Menge freier Termine und ich konnte eigentlich direkt zum Testen fahren", erinnert sich Regina Meier.

Wer kann kostenlos einen PCR-Test machen?

Der Kreis nennt auf seiner Internetseite eine ganze Reihe von Gründen für einen Test im Auftrag des Gesundheitsamtes (der dann auch kostenlos ist):

wenn man typische Corona-Symptome hat;

wenn im Haushalt eine Corona-positive Person wohnt;

wenn man Kontakt zu einer Corona-positiven Person hatte:

wenn man einen Warnhinweis über die Corona-Warn-App erhalten hat;

wenn man einen positiven Schnell- oder Selbsttest hatte;

wenn man im medizinischen Bereich arbeitet und nur so seine Quarantäne beenden kann;

wenn ein PCR-Test für einen geplanten Krankenhaus- oder Rehaaufenthalt erforderlich ist.

Flugreisen oder sonstige PCR-pflichtige Privatvergnügen stehen ausdrücklich nicht auf der Liste. Ob schon einmal jemand versucht hat, einen kostenpflichtigen Test zu umgehen? Wahrscheinlich. Aber Kreissprecher Jan Kieserg betont: "Die Gründe werden erfasst und geprüft. Sollte jemand zu Unrecht einen PCR-Test (beispielsweise auf Basis von falschen Angaben) durchgeführt haben, besteht auch im Nachgang die Möglichkeit, die Kosten zurückzufordern."

Wie viele PCR-Tests im Auftrag des Gesundheitsamtes aktuell täglich gemacht werden, kann Kieserg nicht beziffern, "die Anzahl der Tests schwankt von Tag zu Tag beziehungsweise von Woche zu Woche". Die Kosten dafür bekommt der Kreis vom Bund erstattet - wie viel das ist, regelt die Testverordnung des Bundes: 43,56 Euro für die Laborleistungen plus acht Euro für das komplette "Drumherum".

So läuft der Test ab: An der Teststation musste Regina Meier nur ihren Namen und die vereinbarte Testzeit nennen, schon folgte die übliche Prozedur: Stäbchen in Nase und Rachen, Stäbchen ins Röhrchen, fertig. Das Ergebnis käme in den nächsten 24 Stunden per Mail, sagte man ihr. Fertig. Einen weiteren Schnelltest vorab gab es nicht, ob sie Symptome hat oder keine, wollte auch niemand wissen.

"Das war einfach. Aber fast ein bisschen zu einfach", sagt Regina Meier. "Niemand wollte einen Ausweis sehen. Auch bei der Buchung kann man jeden Namen angeben. In einer Zeit, in der ein Genesenenzertifikat einem viele Türen öffnet, kommt da bestimmt auch mancher Betrüger vorbei." Beim Kreis heißt es dazu allerdings, beim Testen werde "der Ausweis kontrolliert".

Familie Meier war inzwischen noch öfter an einer PCR-Teststelle: zwei Tage später, um die übrigen Familienmitglieder sicherheitshalber überprüfen zu lassen und zwei Wochen später dann noch einmal gemeinsam, da war Vater Meier dann plötzlich positiv. Nach einem Ausweis hat allerdings nie jemand gefragt.

Der PCR-Test ist negativ: Glück gehabt, die Isolation endet, das Leben geht ganz normal weiter.

Der PCR-Test ist positiv: Gut 24 Stunden später hatte Regina Meier per E-Mail schriftlich, was ihr der fehlende Geschmackssinn und ein fieses Röcheln nun auch deutlich anzeigten: Sie war positiv auf Covid-19 getestet. Mit dem Test beginnt automatisch die zehntätige Quarantäne, die man als Erwachsener frühestens nach sieben Tagen mit einem negativen offiziellen Schnelltest beenden kann.

Vom Gesundheitsamt bekam Regina Meier einen weiteren Tag später die nächste Mail: Man könne aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr mit jedem persönlich Kontakt aufnehmen, aber die Erfassung aller Kontaktdaten und Symptome erfolge über das elektronische System Climedo.

Regina Meier gibt gewissenhaft sämtliche Kontaktpersonen mit Adresse, Geburtsdatum und Impfstatus an, misst die nächsten zehn Tage Fieber und protokolliert ihre Symptome. Ihre Kontaktpersonen hat sie zu diesem Zeitpunkt längst selbst informiert. Von offizieller Seite hört keiner von ihnen etwas. Kontaktaufnahme, Anordnung eines PCR-Tests, Kontrolle der Impfnachweise oder Anordnung einer Quarantäne? "Regelhaft geschieht dies nicht, in Einzelfällen kann es noch zu solchen Anordnungen kommen", heißt es dazu vom Kreis. Allerdings ist auch ohne persönlichen Anruf die Quarantänepflicht in der hessischen Coronavirus-Schutzverordnung klar geregelt: Wer als Haushaltsangehöriger nicht geboostert, frisch geimpft oder genesen ist, muss ebenfalls daheim bleiben.

Da die Meiers alle geimpft sind, musste dort kein Haushaltsangehöriger in Quarantäne. Regina Meier hätte ihre Mitmenschen allerdings auch noch gern per Corona-Warn-App informiert. Allerdings lässt sich das Testergebnis aus der E-Mail des Kreises nicht in das Programm übertragen. In diesem Fall kann man telefonisch einen Code anfordern, den man dann wiederum in der Warn-App eingibt. "Nach dem dritten erfolglosen Anruf hatte ich keinen Nerv mehr", sagt Regina Meier. "Da habe ich meine Zeit und Kraft lieber fürs Gesundwerden genutzt."

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