Bürgerinitiative gegründet

Protest gegen türkische Festhalle in Würges

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Der Widerstand in Würges gegen den Bau einer Eventhalle zur Ausrichtung türkischer Hochzeiten im Ortszentrum wächst. Künftig steuert eine Bürgerinitiative den Protest.

Dass das Gemeindezentrum am Mittwochabend vollbesetzt war, zeigte das große Interesse der Würgeser am Thema. Dass es im Ort keineswegs umstritten ist, machte der Verlauf der Bürgerversammlung deutlich. Die meisten Einwohner sind wohl gegen die geplante Eventhalle für türkische Hochzeiten an der Pfarrer-Neubig-Straße.

Die Teilnehmer gründeten eine Bürgerinitiative „Lebenswertes Würges“ mit dem klaren Ziel, das Projekt zu verhindern. Nach einer ersten Bürgerversammlung am 27. Februar hatte sich deswegen ein Arbeitskreis gebildet und 700 Unterschriften gesammelt. Ortsvorsteher Klaus Wagner (CDU) berichtete, dass der Landkreis darauf bis heute nicht reagiert habe, obwohl das Kreisbauamt für die Genehmigung zuständig sei.

Michael Reptowski, einer der betroffenen Anwohner, bezweifelte die Angaben des Investors, dass zu den traditionellen türkischen Hochzeiten nicht mehr als 400 Gäste kämen. Die Erfahrungen zeigten, dass solche Hochzeiten oft deutlich mehr Besucher hätten. „Wir reden hier also von Großveranstaltungen wie der Kerb“, sagte Reptowski. Vorgesehen seien Feste an 45 Wochenenden im Jahr. Da bisher im Gemeindezentrum vielleicht acht bis zehn Großveranstaltungen im Jahr stattfinden würden, wäre das laut Reptowski eine Verfünffachung der Belastung für die Bürger im Ortskern. Und es gebe keine Äußerungen dazu, was in der Woche in der Eventhalle passieren solle. Reptowski nimmt dem Investor auch nicht ab, dass bei den Veranstaltungen künftig die Lärmschutzverordnung eingehalten werde. Im Sommer seien da gewiss die Türen und Fenster auf.

Für ein Dorf mit 2600 Einwohnern wie Würges sei eine Eventhalle dieser Größe nicht verkraftbar. Bei 400 Gästen rechnet Reptowski mit 200 zusätzlichen Fahrzeugen pro Abend. Die Abfahrt werde mit Sicherheit nicht leise vonstatten gehen.

Der Bauantrag sei bereits im März letzten Jahres bei der Stadt eingegangen, berichtetet Peter Reuter vom Arbeitskreis. Die Stadt habe ihn mit negativer Bewertung ans Kreisbauamt übergeben. Für Reuter ist es ein Unding, dass der Bauantrag immer noch nicht vom Kreis abgelehnt worden sei und die Stadt nicht deutlicher nachhake. Reuter meinte, keine Behörde könne es wagen, einfach die Struktur eines Ortes zu zerstören. Er forderte vom Kreisbauamt eine zügige Abwicklung. „Wenn wir das nicht wollen, wird die Halle nicht genehmigt“, betonte Reuter. Wenn der Investor dann klage, dann solle er doch klagen. Die Stadt könne das Geld locker aufbringen, „denn sonst wird hier ja für viel Blödsinn viel mehr Geld ausgegeben“.

Auch andere Bürger waren aufgebracht. „Die haben nicht die Disziplin wie wir“, hieß es über die türkischen Hochzeitsgäste. Diese kämen mit 300 PS starken Autos und würden nachts um halb drei beim Wegfahren hupen.

Ein Mann betonte, dass er sich im Orient auskenne und die türkischen Gäste sich an nichts halten würden.

Bad Cambergs Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) versicherte: „Wir sind in ständigem Kontakt mit dem Kreisbauamt, können aus verfahrenstaktischen Gründen aber nicht alles sagen.“ Dass das Verfahren so lange dauere, sei eher ein Zeichen dafür, dass das Kreisbauamt erkannt habe, dass das ein sensibles Thema in Würges sei. Die Stadt habe beispielsweise für so viele Gäste einen Nachweis zusätzlicher Stellplätze gefordert. Für die Genehmigung müsse der Investor auch sicherstellen, dass nicht mehr als 20 bis 30 Fahrzeuge die Stunde abfahren würden. Das sei, so Vogel, praktisch nicht umsetzbar.

CDU-Fraktionsvorsitzender und Anwohner Daniel Rühl stellte klar, dass die breite Mehrheit der Stadtverordneten gegen das Projekt sei. Aufgrund einer Veränderungssperre könne die Halle nach aktuellem Stand nicht genehmigt werden. Der Investor könne dagegen klagen, „was so oder so ausgehen kann“. Rühl warnte aber davor, zu glauben, dass das Projekt so einfach zu kippen sei. Denn der Investor versuche sehr wohl konsequent, die Vorgaben des Kreises zu erfüllen. Von daher sei es schon ein Erfolg für Würges, dass das Vorhaben bisher nicht genehmigt worden sei. Rühl sagte, dass eine Verzögerung des Verfahrens für die Bürger hilfreicher als eine Beschleunigung sei, denn der Investor zahle momentan jeden Monat Miete ohne Einnahmen.

CDU-Landtagsabgeordneter Andreas Hofmeister erklärte, das Kreisbauamt hätte über die Genehmigung des Projektes eigentlich selbst entscheiden können. Aufgrund der Sensibilität des Themas habe es aber die Bewertung dem Regierungspräsidium überlassen. Wie am Mittwochabend bekannt wurde, soll dem Kreis bereits eine negative Stellungnahme des Regierungspräsidiums vorliegen.

Zwischenzeitlich hat sich auch Erster Kreisbeigeordneter Helmut Jung (SPD) gegenüber dem Würgeser Ortsbeirat geäußert. Er und seine Mitarbeiter dürften zu einem laufenden Verfahren nichts sagen. Das Kreisbauamt habe aber die Bedenken der Würgeser zur Kenntnis genommen und werde sie in seine Entscheidungsfindung einfließen lassen.

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