"Hate Slam"

Publikumsreaktionen: "Gibt's die denn in Wirklichkeit?"

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Anastasia Popov und Jonas Bertram lachen herzhaft. „Das ist ja teilweise ganz extreme Gehirnakrobatik“, beschreibt der 23-jährige Elzer das soeben Gehörte. „Sehr kreativ“, sagt auch die 26-jährige Hadamarerin . Und: „Dass es so extrem ist, hätte ich nicht gedacht.“ Denn tatsächlich ist der vergnügliche Abend, den sie gerade mit Freunden im Thing genießen, nicht nur lustig. Die Tiraden und der Hass in manchen Leserbriefen machen die jungen Leute nachdenklich.

Anastasia Popov und Jonas Bertram lachen herzhaft. „Das ist ja teilweise ganz extreme Gehirnakrobatik“, beschreibt der 23-jährige Elzer das soeben Gehörte. „Sehr kreativ“, sagt auch die 26-jährige Hadamarerin . Und: „Dass es so extrem ist, hätte ich nicht gedacht.“ Denn tatsächlich ist der vergnügliche Abend, den sie gerade mit Freunden im Thing genießen, nicht nur lustig. Die Tiraden und der Hass in manchen Leserbriefen machen die jungen Leute nachdenklich.

Claudia Stürzl formuliert es so: „Ich bin mit einem neutralen Gefühl hierher gekommen und finde es sehr gut, zu hören, mit welchen Briefen sich die Redaktionen auseinandersetzen müssen.“ Die 54 aus Oberboihingen fragt: „Solche Menschen, gibt’s die denn in Wirklichkeit?“ Die Antwort findet sie selbst: Je mehr sie hört, desto mehr erkennt sie auch einen Teil des eigenen Umfelds wieder. Abschwächungen und Steigerungen sind immer möglich. Und so kommt sie dazu, sich mit Folgendem zu beschäftigen: „Wie reagiere ich, wenn ich solchen Aussagen einmal ausgesetzt bin?“

Felicitas Dörner aus Limburg geht noch einen Schritt weiter. Die 55-Jährige versucht zu erkennen, was hinter einem solchen Schreiber steckt. „Wie tief muss ein Mensch verletzt sein, um selbst so verletzen zu wollen?“ Oder: Für welches Problem ist die Redaktion oder eine attackierte Minderheit gerade der Blitzableiter? Wie stark einiges ins Persönliche gehe, das habe sie nicht erwartet. Auch nicht, dass selbst in der FAZ Leserbriefe, die vielleicht geschliffener als andernorts formuliert werden, so stark in die rechte Richtung weisen.

Ulrich Meckel ergänzt: „Es ist schon bestürzend, wenn wir dann noch hören, dass es noch schlimmer geht, denn etliches wurde ja aussortiert.“ Der 78-jährige Diezer stellt fest: „Dass in den Briefen so viele Schimpfwörter und Gemeinheiten Platz finden, hätte ich nicht gedacht.“ Er ist sicher: Die sozialen Medien werden das Ganze noch verschärfen. „Da kann man doch seine Wut rauslassen, im Fakebook.“ (pp)

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