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Im Kampf gegen Abnutzungserscheinungen oder Dellen braucht Rainer Jordan eine große Zahl an Werkzeugen.

Blechblasinstrumente

Rainer Jordan ist Doktor für Tuba, Horn und Posaune

Bei einem Blechschaden geht es ab in die Werkstatt. Dort wird ausgebeult, neu lackiert, und schon sieht das gute Stück wieder aus wie neu. Wer in Rainer Jordans Werkstatt kommt, bringt aber nicht sein Auto mit.

Mitten im Wohngebiet in einer ruhigen Seitenstraße in Dietkirchen liegt der Arbeitsplatz von Rainer Jordan. Seine „Patienten“ aus Blech sind allerdings keine Kraftfahrzeuge, sondern Trompete, Posaune und Co. Wie ein größeres Gartenhaus mit idyllischem Blick ins Grüne wirkt sein Reich.

Innen zieren diverse Werkzeuge, die der 44-Jährige für seine tägliche Arbeit benötigt, die Wände. Und natürlich gibt es überall Blechblasinstrumente zu entdecken: Von der kleinen Piccolotrompete bis zum Sousaphon (eine große Form der Tuba, die um den Körper getragen wird) ist in der Werkstatt alles vertreten. Bei der musikalischen Früherziehung an der Kreismusikschule hat sich der aus Blumenrod stammende Jordan mit neun Jahren entschieden, Horn spielen zu lernen. In der Tilemannschule hat er vom Vororchester bis zum großen Sinfonieorchester musiziert. Nach dem Abitur wurde ihm schnell klar, dass ein theoretisches Studium nichts für ihn ist.

Musik in Verbindung mit praktischer handwerklicher Tätigkeit war stattdessen Rainer Jordans Vorstellung, die er mit einer Ausbildung zum Metallblasinstrumentenmacher realisierte. Hierfür zog es den Limburger für einige Jahre zu einem kleinen Familienunternehmen ins Allgäu, wo er sich schwerpunktmäßig der Herstellung von Drehventilmaschinen widmete.

Nach der Rückkehr nach Limburg eröffnete er 2008 auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei Busch seine eigene Werkstatt für Blechblasinstrumente. Seitdem ist er Anlaufstelle nicht nur für Amateurmusiker aus dem weiten Umkreis, sondern auch für Profimusiker bundesweit. Komplettreinigungen, Ausbeulungen, Ventil- und Druckwerk-Reparaturen, Umbauten, Polierungen und Lackierungen sind sein täglicher Job. Profimusiker kommen jedes Jahr zu ihm, um ihr Instrument wieder fit zu machen. Der Schweiß der Hände setzt beim Spielen auf Dauer dem Lack zu. Mal hängt ein Ventil, mal bricht eine Feder. Gründe, zu ihm zu kommen, gibt es viele. Kürzlich hat er ein Tenorhorn von rechts- auf linksgriffig umgebaut. Jordan: „Routine im klassischen Sinn gibt es in meiner Arbeit nicht. Jedes Instrument und jedes größere Projekt wächst mir ans Herz. Ich bin immer aufs Neue froh, wenn ich aus einem beschädigten Instrument wieder einen echten Hingucker machen kann.“

Im vergangenen Jahr hat sich Rainer Jordan einen kleinen Traum erfüllt und ist mit seiner Werkstatt von Limburg direkt neben sein Wohnhaus in Dietkirchen gezogen, in dem er mit Frau und Hund lebt. Arbeiten in direkter Nachbarschaft zum Eigenheim ist für ihn sehr praktisch: „Viele Kunden kommen abends oder am Wochenende, um nur schnell ihr fertiges Instrument abzuholen. Dafür musste ich früher extra noch mal nach Limburg fahren. Jetzt bin ich flexibel und brauche nur kurz über den Hof zu gehen.“ Bedenken, dass er durch den Umzug aus der Stadt Kunden verlieren könnte, waren unbegründet. Die Auftragslage ist sehr gut und sein Terminkalender voll. Trotzdem versucht Jordan stets, kleinere Reparaturen sofort durchzuführen, wenn Kunden in seine Werkstatt kommen. Seit einiger Zeit betreibt er zusätzlich einen Onlineshop mit diversem Zubehör zur Pflege von Blechblasinstrumenten. Dass Jordan nach seiner Ausbildung und den ersten Berufsjahren vom Allgäu zurück in seine Heimat nach Limburg zog, bezeichnet er als Glücksfall. Seine Frau, die Lehramt studierte, mit ihm in den Süden ging und dort ihr Referendariat absolvierte, fand parallel eine Stelle an der Erlenbachschule in Elz, sodass der gemeinsamen Rückkehr nichts mehr im Weg stand. Jordan mag die Domstadt und ist hier musikalisch fest verwurzelt: Er spielt Horn bei den Bläserensembles „Plenty Brass“ und „Blechkultur“ und ist auch in vielen anderen Formationen regelmäßig aktiv. In Limburg fühlt er sich zu Hause, hier kennt er Land und Leute. Erst recht in der Musikerszene. Und doch ist er unter seinen Artgenossen der Einzige, dem das Geräusch herunterfallender Instrumente ein kleines Lächeln aufs Gesicht zaubert.

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