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Es ist gar nicht so einfach, Verletzte aus einem ICE zu bringen. Auch das muss geübt werden.

Himmelberg-Tunnel bei Montabaur

420 Rettungskräfte übten den Notfall im ICE-Tunnel

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Katastrophe im ICE-Tunnel Himmelberg: 260 Feuerwehrleute, 160 Mitarbeiter von Rettungs- und Sanitätsdiensten und Notfallseelsorge, Experten vom Technischen Hilfswerk, von Bundeswehr und Polizei waren im Einsatz, um den Ernstfall zu üben.

„Hilfe, Hilfe, meine Freundin verblutet“ – so oder ähnlich erklang es lautstark und gleich mehrfach aus dem ICE-Amsterdam. Mehr als 110 Statisten, manche mit Kunstblut, manche ohne, schufen im Himmelberg-Tunnel ein Gänsehautszenario.

Der Triebwagenzug ICE 3 sei in dem zwei Kilometer langen Tunnel entgleist, hieß es. Die Unfallursache sei unklar. Der Triebwagenführer und mehr als 50 Passagiere hatten der Einsatzleitstelle gegen 23 Uhr gemeldet, dass der ICE zwischen dem Notportal und dem Noteinstieg 1 liege. Die Waggons seien ineinander verkeilt, zum Teil gequetscht, im Bistrowagen sei ein Feuer ausgebrochen, hieß es.

In einem Ernstfall würden bei so einem Szenario auch Rettungskräfte aus Limburg oder Neuwied aktiviert. Bei der Übung rückten die Rettungsorganisationen aus, die im Umfeld des Tunnels für diesen Einsatz vorgesehen sind: Zum Beispiel die Feuerwehren aus dem Umkreis von Montabaur, von denen 260 an der Übung teilnahmen, von Rettungs- und Sanitätsdiensten und Notfallseelsorge waren 160 Helfer im Einsatz, außerdem kamen das Technische Hilfswerk, die Bundeswehr und die Polizei.

Zunächst einmal müssen, im Übungs- und im Ernstfall, die stromführenden Leitungen geerdet werden. „Erst dann darf der ICE-Tunnel für die Helfer freigegeben und betreten werden“, sagte einer der Einsatzleiter.

Dann muss ein Vortrupp der Feuerwehr die Lage sondieren. Das dauerte, denn die Einsatzkräfte mussten die einen Kilometer lange Strecke mit einer 20 Kilogramm schweren

Atemschutzausrüstung

zurücklegen. Danach konnten die ersten Trupps mit Loren an die Einsatzstelle fahren. Hilferufe und herumirrende Passagiere brachten die Einsatzkräfte nicht aus der Ruhe – sie arbeiteten ihren Einsatzplan minutiös ab: Da wurden „Verletzte“ mit Rettungstüchern aus den Abteilen geschafft und auf Loren gelegt. Die Atemschutzträger hatten dann die Aufgabe, die Loren mit „Verletzten“ die 870 Meter zurück zum Nordportal zu fahren und den Rettungskräften des DRK zu übergeben. Im Ernstfall würden festgelegte Versorgungszentren angefahren. Im Fall der Übung war dies die Vogelsanghalle in Heiligenroth.

Aber die Verletzten wurden nicht nur mit Loren zu den Rettungskräften gebracht. Einige sollten durch den Noteinstieg 1 ins Freie befördert werden. Für die Atemschutzträger eine besondere Herausforderung: Sie mussten die Verletzten auf Tragen 27 Stockwerke hoch tragen. Aber zunächst einmal hatten sie die Trümmerteile des ICE, die den Zugang zu dem Notausstieg versperrten, aus dem Weg räumen müssen.

Die Helfer absolvierten auch das mit Bravour, da waren sich die Beobachter einig.

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