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Rettungspaket für Kreismusikschule geschnürt

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Von: Stefan Dickmann

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Die Unternehmensberatung der MNT-Gruppe in Limburg (Hintergrund) hat für ihren direkten Nachbarn, die finanziell angeschlagene Kreismusikschule (KMS) Limburg ein Sanierungskonzept erstellt, das am Montagabend dem Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt wird.
Die Unternehmensberatung der MNT-Gruppe in Limburg (Hintergrund) hat für ihren direkten Nachbarn, die finanziell angeschlagene Kreismusikschule (KMS) Limburg ein Sanierungskonzept erstellt, das am Montagabend dem Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt wird. © Stefan Dickmann

Einsparungen, Einmalzahlungen der Kommunen und Spenden

Limburg -Rund 180 000 Euro soll das Defizit der Kreismusikschule (KMS) in Limburg betragen. Mit Einsparungen, Einmalzahlungen von Kommunen sowie Spenden und Sponsoring von Unternehmen in Höhe von jeweils 60 000 Euro ist nun zumindest das Rettungspaket für dieses Jahr geschnürt worden - sofern die Kommunalpolitiker mitspielen.

Die Rettung der finanziell angeschlagenen Kreismusikschule (KMS) ist am kommenden Montagabend Thema einer vermutlich nicht-öffentlichen Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Limburg. Die Mitglieder treffen sich allerdings nicht, wie sonst üblich, im Clubraum der Stadthalle Limburg, sondern im Konferenzraum der MNT-Gruppe. Die liegt nur einen Steinwurf von der KMS im Stadtquartier "In den Klostergärten" entfernt und vereint in ihrer Kanzlei Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte und Unternehmensberater, die wissen, was zu tun ist, wenn die Ausgaben zu hoch und die Einnahmen zu niedrig sind.

Das Sanierungskonzept für die KMS, ein eingetragener Verein, liegt inzwischen vor und soll Aufschluss darüber geben, wie sich die größte Musikschule im Landkreis Limburg-Weilburg mit ihren 1600 Schülern in den kommenden Jahren kaufmännisch aufstellen sollte, um aus dem jährlich anwachsenden Defizit eine schwarze Null zu machen.

20 Unternehmen haben 60 000 Euro gespendet

Das von Unternehmensberater Christoph Dietz erstellte Konzept ist auch Thema bei der nächsten Kreisversammlung der Bürgermeister am Dienstag, 10. Mai, in Villmar. In den folgenden Wochen soll sich dann entscheiden, ob die Kommunen rund um Limburg bereit sind, eine Einmalzahlung zur Rettung der Kreismusikschule zu leisten. "Wir sind alle an einer guten Zukunft für die Kreismusikschule Limburg mit einem vernünftigen Konzept interessiert", sagt die Sprecherin der Bürgermeister im Landkreis, die Verwaltungschefin der Gemeinde Hünfelden, Silvia Scheu-Menzer (parteilos).

Die Hauptlast der Kommunen im Rettungskonzept sollen auf jeden Fall die Stadt Limburg und der Landkreis tragen. Rund 60 000 Euro sollen die Kommunen für den eingetragenen Verein KMS als Einmalzahlung für dieses Jahr aufbringen, wovon allein Limburg 30 000 Euro beisteuern soll, sofern die Stadtverordneten dem so zustimmen, und auch der Landkreis soll einmalig tiefer in die Tasche greifen. Mit Hilfe des Landkreises werden vor allem die Musikschüler unterstützt, deren Familien ein geringes Einkommen haben und die sich deshalb die Unterrichtsgebühr nicht leisten können. "Über die Unterstützung für die Kreismusikschule Limburg wird erst in der kommenden Sitzung des Kreisausschusses gesprochen und entschieden", teilt der Sprecher des Landkreises, Robin Klöppel, mit.

Aber auch die heimische Wirtschaft, angeführt vom Vorstandsvorsitzenden der Albert Weil AG, Klaus Rohletter, hat sich ins Zeug gelegt, um der KMS unter die Arme zu greifen. Mit den ehemaligen führenden Mitarbeitern der Kreissparkasse Limburg, Peter Jefremow und Wilfried Hömberger, sprach er mehrere Unternehmen an und konnte erreichen, dass rund 20 Unternehmen eine Summe von bislang 60 000 Euro aufbringen, entweder als einmalige Spende oder als Sponsoring, das dann fortgesetzt werden soll. Dazu sollen 60 000 Euro an Einsparungen seitens der KMS kommen.

Die KMS finanziert sich vor allem durch die Unterrichtsgebühren, die im hessenweiten Vergleich nach Angaben von Musikschulleiter Peter Schreiber allerdings schon sehr hoch sind. Aber auch auf die freiwillige Unterstützung der Kommunen ist die KMS angewiesen, die eine private Musikschule ist. Für jeden Schüler der KMS aus einer Kommune im Landkreis wird pro Monat ein Pro-Kopf-Beitrag gezahlt, der zwischen 3,50 Euro und sechs Euro liegt. Wie Hünfeldens Bürgermeisterin Scheu-Menzer mitteilt, stehen im aktuellen Haushalt ihrer Gemeinde 6300 Euro für die Kreismusikschule zur Verfügung - basierend auf einem Pro-Kopf-Beitrag von fünf Euro.

Die Stadt Limburg zahlt jedes Jahr 80 000 Euro

Sechs Euro pro Schüler-Kopf zahlt zum Beispiel die Gemeinde Elz und kommt damit auf einen Jahresbetrag von derzeit 7500 Euro für die KMS - das ist der diesjährige Haushaltsansatz. Manche Kommunen zahlen freiwillig an beide Kreismusikschulen - auch in Weilburg befindet sich eine solche Einrichtung.

Mit Abstand am meisten als Einzelkommune zahlt pro Jahr die Stadt Limburg - immerhin 80 000 Euro seit dem Jahr 2017 an die KMS. In den Jahren 2006 bis 2016 lag der jährliche Zuschuss bei 74 200 Euro, zuvor bei 49 200 Euro. "Der deutliche Anstieg um 25 000 Euro pro Jahr wurde am 4. Juli 2005 aufgrund eines Dringlichkeitsantrags von der Stadtverordnetenversammlung entschieden, erstmalig wurde der höhere Zuschuss dann 2006 ausgezahlt", teilt der Sprecher der Stadt Limburg, Johannes Laubach, mit. Hintergrund für die zusätzliche Hilfe war die Entscheidung der KMS, eine ehemalige Scheune der Pallottiner zu erwerben und für damals geschätzte Kosten in Höhe von 880 000 Euro umzubauen.

Auf fast die gleich hohe finanzielle Unterstützung für die KMS wie Limburg kommt der Landkreis, der pro Jahr 40 500 Euro als Zuschuss überweist, wie Sprecher Klöppel erklärt. Dazu kommen 38 600 Euro - zum einen zur Unterstützung für Kinder aus sozial schwachen Familien, die bei der KMS unterrichtet werden, zum anderen für alle anderen Familien, wenn auch das zweite Kind die KMS besucht; in diesem Fall gibt es Sondertarife, was durch den Kreis finanziell ausgeglichen wird.

Welche Antworten das Sanierungskonzept für die KMS auch ergeben mag, es dürfte noch einige offene Fragen geben: Ergibt es Sinn, eine Musikschule mit nicht kleinem Etat weiterhin als eingetragenen Verein zu führen? Wäre es klüger, eine musikpädagogische und eine kaufmännische Leitung zu schaffen? Und ist es vielleicht notwendig, die kreditfinanzierte Immobilie in Limburg an den Landkreis oder die Stadt zu verkaufen und stattdessen Miete zu zahlen? Stefan Dickmann

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