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Rhein-Lahn: Gäste bleiben weg, Umsatz bricht ein

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Von: Mariam Nasiripour

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Die Terrasse des Waldfilou in Hahnstätten ist winterfest und sehr gemütlich. Für die mollige Wärme sorgen Strahler. Deshalb wird sie jedoch nicht als Außenbereich anerkannt, somit gilt auch dort die 2G-Plus-Regel.
Die Terrasse des Waldfilou in Hahnstätten ist winterfest und sehr gemütlich. Für die mollige Wärme sorgen Strahler. Deshalb wird sie jedoch nicht als Außenbereich anerkannt, somit gilt auch dort die 2G-Plus-Regel. © na

Was Gastronomen in Rheinland-Pfalz von 2G-Plus halten

Diez/Aar/Westerwald -Die Zahl der Infektionen in Deutschland steigt täglich. Das Land wird von der neuen Virusvariante Omikron überrollt. Aus diesem Grund haben die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzler Olaf Scholz neue Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen. Dazu gehört auch die bundesweite Einführung der 2G-Plus-Regelung in der Gastronomie. In Hessen soll sie in dieser Woche umgesetzt werden. Im Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz gilt diese Regelung allerdings schon seit Dezember. Wir haben bei Gastronomen in der Region nachgefragt, welche Erfahrungen sie mit dieser Regel gemacht haben.

"Ganz schlechte", sagt Dieter Dreiling vom Waldfilou in Hahnstätten. Von Ende November 2021 bis Mitte Januar hätte er Stornierungen von rund 492 Personen zu verzeichnen. Er habe seit der Einführung der 2G-Plus-Regel einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent - ausgerechnet in den umsatzstärksten Monaten November und Dezember. Die betrieblichen Weihnachtsfeiern wurden abgesagt, unter anderem weil ein Teil der Belegschaft geimpft sei und ein Teil nicht. Zwar habe er sehr viele geboosterte Gäste, sagt Dreiling, dennoch seien die Menschen verunsichert, weil man nur noch von Horrorszenarien höre. Sein Lokal sei trotzdem geöffnet, so der Gastwirt. Er habe sogar für rund 400 Euro Tests gekauft. Auch wenn er die professionell durchgeführten Tests bevorzuge, die seien sicherer, so der Inhaber vom Waldfilou.

Neben der Investition in die Tests, habe er auch sehr viel in die Umgestaltung der Terrasse investiert, um sie winterfest zu machen. Die Terrasse wird neben der Überdachung an den Seiten von einer 24 Meter langen Lkw-Plane umschlossen. An zwei Seiten hat Dieter Dreiling Schwenktüren angebracht und einen Teppichboden verlegt. Mit Wärmestrahlern wird die Terrasse erwärmt. Leider werde diese aber seitdem nicht mehr als Außenbereich anerkannt.

Hoffen auf den Frühling

Er halte noch durch und werde Coronahilfen beantragen, erzählt Dreiling. Neben dem normalen Geschäft bietet er Gerichte zum Mitnehmen an und liefere sie sogar. Hier sei ein Freund eingesprungen und habe sich als Fahrer angeboten. "Wenn ich ihn bezahlen müsste, dann würde nichts mehr übrigbleiben", sagt er. Dieter Dreiling hofft auf den Frühling und wärmere Temperaturen.

Durchhalten bis zum Frühling will auch Kerstin Trabucchi von La Stalla in Hambach. Sie habe sich die 2G-Plus-Regel nur eineinhalb Wochen angetan und dann die Reißleine gezogen und die Innengastronomie bis auf weiteres geschlossen. "Es war wirtschaftlich nicht mehr interessant für uns", erklärt die Inhaberin. Sie habe 95 Prozent Einbußen gehabt. "Am Freitag hatte ich noch 50 Gäste in meinem Lokal, und am Samstag saßen dort nur noch vier Personen", berichtet sie. Die Gäste seien einfach ins benachbarte Limburg ins Restaurant gegangen, da dort nur 2G gelte. Ihre beiden Festangestellten habe sie in Kurzarbeit geschickt und ihren fünf Minijobbern gekündigt. Die kommen aber wieder, wenn die Innengastronomie wieder öffnet, bekräftigt sie.

Ihr To-Go-Geschäft laufe aber gut, sagt Kerstin Trabucchi. Die Gäste würden ihr die Treue halten. Sie habe in dieser schwierigen Zeit sogar neue dazu gewinnen können. Dafür habe sie sich aber auch einiges einfallen lassen, wie Food-Motto-Wochen, kreative Menüs und Food-Pakete zu Weihnachten und Silvester. Mit dem To-Go-Geschäft könne sie wenigstens einen Teil ihrer Unkosten decken, erzählt Trabucchi. Jetzt will sie bis zum Frühling warten, bis sich die Lage wieder etwas entspannt hat.

Über rückläufige Gästezahlen klagt auch Christoph Kiessling von der Villa Oranien in Diez. Er habe festgestellt, dass die Menschen abgeschreckt und verunsichert seien. Zwar habe es geholfen, dass viele geboostert seien, aber die großen Veranstaltungen zu Weihnachten seien alle ausgefallen. In der Gastronomie verzeichne er einen Rückgang von 20 bis 25 Prozent, im Hotel sogar 30 bis 40 Prozent im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Auch Kiessling erklärt, dass November und Dezember die umsatzstärksten Monate im Jahr seien. Und ausgerechnet zum Weihnachtsgeschäft wurde die 2G-Plus-Regel eingeführt, nur wenige Meter entfernt von Limburg mit seiner 2G-Regel. Allerdings habe die 2G-Plus-Regel den Effekt gehabt, dass sich die älteren Gäste wieder trauten und ins Lokal gingen. Er biete seinen Gästen auch Tests an, die sie dann unter seiner Aufsicht durchführen könnten. Die Kontrollen der Corona-Regeln seien jedoch mit viel Aufwand verbunden, so Kiessling. Außerdem habe er zur Einhaltung der Abstandsregeln 30 Prozent weniger Sitzgelegenheiten in seinem Restaurant. Er befinde sich haarscharf an der finanziellen Schmerzgrenze.

Die Kontrolle der 2G-Plus-Regel verlangt auch Orhan Güroglu starke Nerven ab. Außerdem sei sie geschäftsschädigend, sagt der Inhaber des Roundabout in Montabaur. Er freue sich über die bundesweite Einführung dieser Regel, die nun für Chancengleichheit in allen Bundesländern sorge. Denn auch er kämpfe mit großen Umsatzeinbußen, weil die Kreisstadt Montabaur nur wenige Kilometer von Limburg entfernt ist, wo bis heute immer noch die 2G-Regel gilt. Allerdings berichtet Güroglu auch, dass sich die Lage wieder etwas entspanne und die Gäste langsam, aber sicher wiederkommen. So verzeichne er in letzter Zeit einen Zuwachs an Familien, die geboostert sein Restaurant besuchen.

Bei ihm wurden in der Vorweihnachtszeit 80 Prozent der Firmenfeiern abgesagt. Den Umsatzeinbruch konnte er mit seinem Lieferdienst etwas abbremsen. Diesen habe er bereits im ersten Lockdown eingeführt. Im Gegensatz zu Kiessling bemerkt er, dass die älteren Gäste immer noch Angst hätten und verunsichert seien.

Die Gäste, die kommen, zeigten Verständnis für die Situation und die strengen Regeln. Er habe aber auch schon Gäste erlebt, die sich mit erkennbar falschen Testnachweisen reinschmuggeln wollten.

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