Landrat Frank Puchtler sprach beim digitalen Neujahrsempfang über das vergangene Jahr und die Herausforderungen der Pandemie.
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Landrat Frank Puchtler sprach beim digitalen Neujahrsempfang über das vergangene Jahr und die Herausforderungen der Pandemie.

Blick ins neue Jahr

Rhein-Lahn: Neben Corona den Klimaschutz nicht vergessen

  • vonMariam Nasiripour
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Landrat Frank Puchtler und Bischof Dr. Georg Bätzing sprechen beim digitalen Neujahrsempfang

Rhein-Lahn -Wegen der aktuellen Pandemie-Lage fand der diesjährige Neujahrsempfang des Rhein-Lahn-Kreises nicht im Limeskastell in Pohl statt, sondern digital.

In seiner Ansprache zum digitalen Neujahrsempfang des Rhein-Lahn-Kreises, der im Live-Stream übertragen wurde, ließ Landrat Frank Puchtler (SPD) das vergangene Jahr Revue passieren. Er erinnerte an die Meldungen über ein neuartiges Virus in China, und dass die Menschen in Deutschland gedacht haben, dass es wieder von alleine verschwinden würde. Aber daraus sei eine der größten Herausforderungen für Deutschland, Europa und die ganze Welt geworden, vergleichbar mit der wirtschaftlichen Krise Ende der 60er Jahre oder der Ölkrise Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Bereits viele Krisen überwunden

Puchtler nannte auch die Weltwirtschaftskrise 2008, und dass die Menschen alle diese Krisen gemeistert hätten. "Corona hat eine andere Qualität", so der Kreischef. Es sei ein harte Zeit mit vielen Einschränkungen und Entbehrungen im privaten und beruflichen Umfeld. Vor allem die Einschränkungen des gemeinschaftlichen Lebens seien für alle schmerzhaft.

Puchtler sprach über die Zeit nach dem ersten Lockdown, als die Infektionszahlen sehr niedrig waren und wochenlang keine Neuinfektionen verzeichnet wurden. "Wir haben gedacht, dass wir es geschafft haben", erinnert sich der Landrat. Dann kam der Herbst und die Zahlen stiegen wieder an. Es sei sehr hart für die Menschen, ihre Familien oder die Großeltern im Seniorenzentrum nicht besuchen zu dürfen.

An dieser Stelle dankte Puchtler allen, die an der Bewältigung der Pandemie beteiligt waren und sind, wie die Mitarbeiter des Gesundheits- und Pflegewesens, des Kreisgesundheitsamtes, der Verwaltung und die Helfer der Blaulichtfamilie und der Bundeswehr.

Das Leben muss weiter gehen

Es gehe darum, die Generation zu schützen, die die Fundamente geschaffen habe, auf denen die Menschen heute leben und arbeiten. Denn es seien diese älteren Bürger gewesen, die in den 40er, 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts so vieles auf den Weg gebracht hätten, so Puchtler.

Aber parallel zu dieser Verantwortung müsse das Leben weiter gehen. Gerade in dieser Zeit sei es wichtig, Kontrapunkte zu setzen, betonte der Landrat. So dürften wichtige Themen, wie der Klimaschutz, nicht vernachlässigt werden. "Jede Krise hat ihre Chancen und Möglichkeiten", betonte der Landrat in seiner Ansprache.

Das Jahr 2021 habe mit einem Lichtblick begonnen. Am 4. Januar sei der erste Bürger im Rhein-Lahn-Kreis gegen Covid-19 geimpft worden. Bis Montag, so der Landrat, seien insgesamt 907 Menschen im Landkreis gegen das Coronavirus geimpft worden.

Puchtler sprach in seiner Rede auch die Probleme bei der Erreichbarkeit der Impf-Hotline und die Lage des Impfzentrums in Lahnstein an. Er bat die Bürger um Verständnis, es sei eine große Herausforderung für Bund und Land. Gleichzeitig entschuldigte er sich auch bei den Bürgern dafür. Dennoch schaue er mit Zuversicht und Hoffnung in die Zukunft und ist überzeugt, dass mit Hilfe des Impfstoffs die Pandemie unter Kontrolle gebracht werden kann.

Zauber des Anfangs fehlt 2021

Der Bischof des Bistums Limburg, Dr. Georg Bätzing, hob die Bedeutung des Neujahrsempfangs hervor, die darin bestehe, zusammen und miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam etwas Neues zu beginnen. Darin liege ein besonderer Zauber, so der Bischof. Aber in diesem Jahr hätten die Menschen den Zauber des Anfangs erst suchen müssen.

Dann ging der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz auf die hohen Infektionszahlen der vergangenen elf Tage ein. Er erwähnte auch die Menschen, die sich sorglos verhielten und in Scharen die verschiedenen Ausflugsziele aufsuchten und sich ohne Abstand und Maske vergnügten.

Ihm sei bei den Bildern vom Sturm auf das Kapitol in Washington in den USA ein Schauder über den Rücken gelaufen. Er sei über das Verhalten des US-Präsidenten fassungslos und könne nicht verstehen, wie ein Staatsoberhaupt sein Volk so spalten kann.

Aber auch die Situation der Flüchtlinge in Bosnien und der Tod von 62 Personen bei einem Flugzeugabsturz seien weitere schlechte Nachrichten, die die Menschen schon zu Beginn des Jahres 2021 sehen und hören mussten. Es sei verständlich, dass bei vielen die Frage aufkomme: "Wann hört das denn auf?"

Bischof Dr. Georg Bätzing ging in seiner Rede auch darauf ein, dass Gott Anfänge mag. So seien Start-Ups bei ihm gut aufgehoben. Es gebe viele Anfänge in der heiligen Schrift. Auch Jesus habe angefangen, eine neue Welt zu bauen. Die Gleichnisse Jesu würden deutlich machen, dass auch aus kleinen Dingen etwas Großes erwachsen könne, wenn man Demut und Ehrfurcht vor der Schöpfung habe. "Ehrfurcht vor Gott ist der Anfang der Weisheit", ergänzte der Bischof des Bistums Limburg. Mit Ehrfurcht würde die Menschheit auch die Klimakrise bewältigen.

Für die musikalische Untermalung sorgte Gitarrist Sergej Kudrjasov von der Kreismusikschule des Rhein-Lahn-Kreises.

Bischof Dr. Georg Bätzing nahm in seiner Rede beim Neujahrsempfang Bezug auf die heilige Schrift.

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