Wegen der Pandemie verbringen die Menschen mehr Zeit zu Hause. Das führte zu einem Rückgang der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr.
+
Wegen der Pandemie verbringen die Menschen mehr Zeit zu Hause. Das führte zu einem Rückgang der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr.

Kriminelle ausgebremst

Rhein-Lahn/Westerwald: Weniger Wohnungseinbrüche wegen Corona

  • vonMariam Nasiripour
    schließen

Kriminalstatistik der Polizeidirektion Montabaur zeigt Rückgang von Straftaten

Rhein-Lahn/Westerwald -Im vergangenen Jahr gab es 135 Straftaten weniger als im Jahr zuvor. Das geht aus der Kriminalstatistik der Polizeidirektion (PD) Montabaur hervor. "Die für das vergangene Jahr insgesamt 13 135 registrierten Taten stellen damit den niedrigsten Stand seit 1992 dar", heißt es weiter. Die Zahl der geringen Straftaten sei aber auch auf den ersten Lockdown im Frühjahr zurückzuführen, erklärt die Polizeidirektion Montabaur. Gestiegen sei demgegenüber die Aufklärungsquote um 2,8 Prozent auf nun 69,2 Prozent. Die PD Montabaur habe 2020 insgesamt 6692 Tatverdächtige ermitteln können. Das sind 22 mehr als im Jahr 2019. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen betrage 21,2 Prozent und hätte sich kaum geändert (2019: 21 Prozent).

Zurückgegangen sei auch die Zahl der Wohnungseinbrüche um 51 auf 181 Fälle (-22 Prozent). "Maßgeblich für den aktuellen Rückgang der Fallzahlen dürften die Auswirkungen des Corona-Lockdowns sein. Durch die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit mangelt es den Tätern schlichtweg an Tatgelegenheiten", erklärt die PD Montabaur. Die Pkw-Aufbrüche gingen sogar um 44 auf 130 Fälle zurück. Das ist ein Rückgang von 25,3 Prozent. In 78 Fällen blieb es nur beim Versuch.

Die Ermittlungen hätten gezeigt, so die PD Montabaur, dass die meisten Taten von überörtlich agierenden und bandenmäßig organisierten Gruppen verschiedener Nationalitäten verübt wurden. Ohne konkrete Ermittlungsansätze seien solche Taten kaum aufzuklären, weshalb die Polizei auf präventive Maßnahmen und die Aufklärung der Bevölkerung setze.

Einen Anstieg um sechs Fälle auf 249 Fälle gab es bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Besonders die Verbreitung von pornografischen Schriften habe sich von 57 auf 101 Fällen fast verdoppelt. Die Aufklärungsquote betrage 91,2 Prozent und hätte sich kaum geändert. Das mediale Interesse am Thema Gewalt gegen Frauen und die MeToo-Bewegung hätten sich auf das Anzeigenverhalten der Frauen ausgewirkt. So sei die Hemmschwelle gesunken und Gewalt gegen Frauen längst kein Tabuthema mehr.

"Die Taten geschehen häufig im Rahmen von Bekanntschaften, ehemaligen Partnerschaften, Ehepartnern oder flüchtigen Bekannten", teilt die Polizeidirektion Montabaur mit. Gesunken sei die Zahl des sexuellen Missbrauchs von Kindern von 54 auf 28 Fälle. Hierbei habe sich die aktive Recherche nach Kinderpornografie im Internet bereits strafrechtlich bewährt. Denn bereits der Aufruf von Kinderpornografie sei strafbar.

92 Prozent der Fälle aufgeklärt

Bei den Rohheitsdelikten gab es einen leichten Anstieg von 2469 auf 2556 Fälle (+3,5 Prozent). Dabei machten Körperverletzungen mit 65 Prozent den Großteil dieser Delikte aus. Die Aufklärungsquote liege bei 92 Prozent. Insgesamt 2111 Tatverdächtige konnten 2020 ermittelt werden. Unter ihnen 59 Kinder, 159 Jugendliche und 158 Heranwachsende. Das entspreche einem Anteil von 17,8 Prozent an den ermittelten Tatverdächtigen. Auch die Fälle von Nötigung steigen um 34 auf 405 Fälle (+9,2 Prozent).

Angestiegen seien auch "Sonstige Straftaten", wie Hausfriedensbruch (+26 Prozent), Beleidigung (+22 Prozent) und Sachbeschädigung durch Graffiti von 25 auf 35 Fälle. Genauso wie die strafrechtlichen Nebengesetze, wie der unerlaubte Umgang mit Abfällen um 19 auf 49 Fälle. Bei Straftaten gegen das Aufenthalts-/Asylgesetz sei ebenfalls ein Anstieg um 33 auf 75 Fälle zu verzeichnen, so die Polizeidirektion Montabaur. Ebenso wie bei den Betäubungsmitteldelikten, die 2020 um 65 auf 1442 Fälle gestiegen seien. Als Ursache für den Rückgang von Verstößen gegen das Waffengesetz, die zwei Jahre hintereinander gemeldet werden konnten, sieht die Polizei die Amnestie zum Waffengesetz. Im Jahr 2020 waren das nur 141 Fälle.

Erfreulich sei dagegen der Rückgang der tätlichen Angriffe auf Vollstreckungsbeamte. Hier gab es 2020 nur 28 Fälle, 15 weniger als 2019 (-34,9 Prozent). Laut Kriminalstatistik der Polizeidirektion Montabaur gab es im vergangenen Jahr auch einen Rückgang bei einfachen (-18,5 Prozent) und schweren Diebstahldelikten (-19,5 Prozent). Allerdings verzeichnet die Montabaurer Polizei mehr Einbruchdiebstähle in Geschäften 51 Fälle (+16 Fälle), in Lkw 39 Fälle (+16 Fälle) und in Pkw 130 Fälle. Im letzteren Fall hätten es die Täter vermehrt auf Firmenwagen abgesehen. 2020 gab es zudem weniger Vermögens- und Fälschungsdelikte (-1,5 Prozent).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare