Turniere, Theater, Feldschlachten und viel Tanz

Ritterspiele in Weinbach-Freienfels: Hier wird das Mittelalter lebendig

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Die Freienfelser Ritterspiele feiern dieses Jahr ihre 25. Auflage. Dabei stand die Organisation noch vor gar nicht langer Zeit vor dem Aus. Was einst mit zehn Ständen und 100 Gästen begann, hat sich mittlerweile zu einem Fest für die ganze Familie mit überregionaler Bedeutung entwickelt.

Nachdem die Großveranstaltung mit zuletzt 16 000 Besuchern 2017 vor zwei Jahren wegen hoher Auflagen kurz vor dem Aus stand, leuchtet ihr Stern nach einjähriger Pause 2016 wieder genauso hell wie zuvor. Künstler, Handwerker und Händler kommen aus ganz Deutschland und halb Europa vorbei. Samstag und Sonntag war vor allem nachmittags und abends der Platz voller begeisterter Gäste aus nah und fern, viele darunter in typischer mittelalterlicher Gewandung. Das hätte wohl niemand geglaubt, als Fred Struben einst mit einer hand voll Freunden nach einem Platz in Freienfels Ausschau hielt, um die eigenen Pferde ein wenig bewegen zu können. Struben und seine Kameraden waren Mittelalterfans und so lebten sie für sich privat an freien Wochenenden auf der Wiese Lagerleben, wie sich Erich Lang vom Organisationsteam zurückerinnert. Immer mehr Bürger interessierten sich dafür, was die Leute dort eigentlich trieben. Sie gesellten sich dazu, fanden es gemütlich und blieben.

Irgendwann war die Frage, ob man auf dem Platz für die Besucher nicht auch Essen und Getränke anbieten könnte. Als das Land Hessen die Freienfelser Burgruine abstoßen wollte, viele Ortsbewohner das Bauwerk aber für die Nachwelt erhalten wollten, kam die Frage auf, wie man Geld für die Instandhaltung zusammenbekommen könne. So kam die Idee, einen kleinen Mittelaltermarkt zu machen. Lang erinnert sich, dass es zunächst zehn Stände und 100 Gäste waren. Und die hatten ihren Spaß. Das Ding wurde von Jahr zu Jahr größer. Warum? Weil Freienfels, wie Lang weiß, am Anfang der Saison liegt und die Mittelalterfreunde glücklich sind, sich dann nach der Winterpause hier endlich mal wiederzusehen. Und auch die familiäre Atmosphäre und die fairen Preise gefallen. Hier sind Idealisten am Werk, die viele Arbeit das ganze Jahr über ehrenamtlich mit viel Herzblut machen. Lang erzählt, dass die Vorbereitungen für die Ritterspiele 2019 schon wieder beginnen, wenn die Ritterspiele 2018 nach dem letzten Öffnungstag morgen am Mai-Feiertag beendet sind. Über 400 Helfer werden für die Ritterspiele benötigt, die auf einer 140.000 Quadratmeter großen Fläche stattfinden. 180 davon sind laut Lang eigene Aktive des Vereins.

Beispielsweise werden alleine 63 Personen an den Kassen sowie 40 weitere für den Parkplatzdienst benötigt. Über die Veranstaltungswebseite können interessierte Händler und Künstler sich anmelden. Der Vorstand entscheidet dann, wer genommen wird, denn das Angebot des Marktes soll passend und abwechslungsreich sein. Einige der Künstler und Gruppen erhalten Zuschüsse, damit sie in Freienfels auftreten. Unter anderem Gäste aus Italien, Frankreich, den Beneluxstaaten, Dänemark, England, Polen, Tschechien und Österreich kampieren derzeit auf dem Zeltplatz. Ute Grassmann kommt mit ihrer Gruppe „Ranunkel“ -15 Tänzer und Musiker- seit 1995 alljährlich von der Loreley. Alle Akteure gehen hauptberuflich anderen Tätigkeiten nach, doch ihr Hobby Mittelalter beschert ihnen trotzdem über 40 Auftritte im Jahr. „Viele ordnen dem Mittelalterleben alles andere unter“, sagt Grassmann. Sie liebt es, in eine frühere Welt abzutauchen, wo alle eine große Familie sind und man sich freut, wenn man sich Wochenende für Wochenende in ganz Deutschland irgendwo auf dem nächsten Markt wiedersieht.

Grassmann begeistert auch, alte Instrumente zu spielen. Sie kann fast alles. Am liebsten spielt sie aber Dudelsack. 5 000 Euro hat sie schon für solch ein gutes Stück mit fünfjähriger Lieferzeit ausgegeben. Dafür wurde sie aber auch schon zu Auftritten nach Südkorea und Japan eingeladen, wo „Ranunculus“ als Vertreter des Landes Rheinland-Pfalz ihr Können auf offiziellen Empfängen darboten. Pfarrer Ulrich Finger aus Münster und seine Frau Uschi rutschten vor 20 Jahren in die Mittelalterszene. Aktive in Freienfels wollten bei ihm damals noch in Essershausen in der Kirche einen Gottesdienst feiern. Die haben ihn fasziniert, „weil in der Szene Menschen aus allen Schichten sind, aber dich keiner fragt, was du im realen Leben machst“ Alle sind gleich, alle friedliebende Menschen“, weiß Ulrich Finger. In Freienfels verkauft er mit seiner Familie nicht nur selbst gemachten Gelee, sondern hat gleich auch den Freiluftgottesdienst mitgehalten. „Einmal war ich auf einem Fest. Da sah der sogenannte Pfarrer wie Catweazle aus“, berichtet er. Aber er finde nicht, dass ein Gottesdienst auf einem solch großen Fest Klamauk sein solle. Darum sei es besser, dass ein echter Pfarrer wie er den Pfarrer spiele. Gabriele Trufelli ist das erste Mal mit seiner Musikgruppe in Freienfels. Der Kontakt entstand, weil sein Heimatort Quattro Castello in Italien eine Partnerschaft mit der Gemeinde Weinbach pflegt. Die 45 Leute seiner Gruppe haben großen Aufwand betrieben, um nahezu im Akkord –drei Mal täglich- bei den Ritterspielen aufzutreten. 14 Stunden hat alleine schon die Anreise mit dem Bus gedauert. Untergebracht sind sie alle spartanisch in einer Turnhalle. Gabriele gefällt sein erster Freienfels Besuch und „Klar würden wir gerne bald schon wiederkommen“.

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