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So sieht ein glücklicher Wahlsieger aus: Michel Kremer (Mitte) jubelt im Kreise von Freunden.

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Bürgermeister-Wahl in Runkel: Klarer Sieg für Michel Kremer

Runkel bekommt einen neuen Bürgermeister: Michel Kremer (parteilos) ist in der gestrigen Stichwahl mit deutlicher Mehrheit zum neuen Chef auf dem Rathaus-Sessel gewählt worden. Amtsinhaber Friedhelm Bender (SPD) scheiterte nach zwölf Jahren deutlich.

Runkel - Schon wenige Minuten nach 18 Uhr ist das erste Wahlergebnis da: knapp 70Prozent für Michel Kremer im Stadtteil Eschenau. Dann geht es Schlag auf Schlag: Steeden, Ennerich, Runkel und Arfurt gewinnt der parteilose Bürgermeisterkandidat souverän mit mehr als 60 Prozent. Als dann um 18.17 Uhr das Ergebnis aus Dehrn vorliegt, brandet Applaus auf: Fast 75 Prozent holt Michel Kremer im größten Stadtteil. Das ist die Vorentscheidung. Als dann auch Schadeck, Hofen und schließlich die Briefwahl an den 33-jährigen Runkeler gehen, gibt es kein Halten mehr: Die 100 Zuschauer im großen Sitzungssaal des Rathauses feiern Michel Kremer als neuen Bürgermeister. Friedhelm Bender gewinnt nur seinen Heimatort Wirbelau mit 67,6 Prozent.

Danach muss Michel Kremer jede Menge Hände schütteln: Verwandte, Freunde, Bekannte und Mitglieder des Stadtparlaments gratulieren und umarmen den strahlenden Sieger, der kurz zuvor fast ungläubig auf das Endergebnis auf der riesigen Anzeigetafel geblickt hat: 63,3 Prozent! Das hätte er, wie er selbst einräumt, nicht im Entferntesten erwartet. Für die künftigen Amtskollegen gratuliert die Vorsitzende der Bürgermeister im Kreis Limburg-Weilburg Silvia Scheu-Menzer (parteilos), und auch Beselichs Bürgermeister Michael Franz (parteilos) reiht sich in die Schar der Gratulanten an.

Dem unterlegenen Bürgermeister Friedhelm Bender zollt die Menge respektvollen Applaus. Bender erweist sich als fairer Verlierer und wünscht seinem Nachfolger alles Gute.

Glücklich und "tief entspannt" sei er nun, sagt Michel Kremer, dem die Freude über den Wahlsieg ins Gesicht geschrieben steht. Die Aufregung der letzten Stunden sei schon schlimm gewesen, gibt er lachend zu. Doch nun sei er einfach froh. "Ich wusste, dass ich die Möglichkeit habe zu gewinnen", sagt er. "Doch nicht in dieser Klarheit." Seinen Erfolg führt der 33-Jährige zum einen auf seinen "modernen Wahlkampf mit allen Medien" und seinen "großen persönlichen Einsatz" zurück. Er habe viele Kontakte geknüpft und mit seinen Ideen überzeugen können, sagt er. Aber auch der Wunsch vieler Menschen nach Veränderung sei ausschlaggebend für seinen Wahlsieg gewesen. Noch-Bürgermeister Friedhelm Bender ist hingegen tief enttäuscht. "Runkel braucht mich nicht mehr, und ich brauche Runkel nicht mehr", sagt er. Die "Hetz- und Schmutzkampagne" der letzten Wochen gegen ihn sei traurig. "Amerika lässt grüßen, das haben wir offenbar jetzt auch in Runkel." In allen Stadtteilen sei in den vergangenen Jahren viel gemacht worden - das habe der Wähler aber offenbar nicht gewürdigt. "Heute ist ein Wechsel vonstatten gegangen; die Wähler wollten etwas anderes." Andererseits: Was er an Amt verliere, gewinne er nun an Freizeit.

Versöhnliche Worte findet Michel Kremer für den abgewählten Bürgermeister: Bender sollte seine Niederlage nicht persönlich nehmen, zumal er in zwölf Jahren viel für Runkel gegeben habe. "Jetzt aber ist die Zeit für einen Wechsel." Bürgermeister Kremer tritt sein Amt am 1. September an.

VON ROG GÖCKEL

Kommentar von Rolf Göckel

Die Wahl von Michel Kremer zum neuen Bürgermeister von Runkel ist eine Überraschung - und doch wieder nicht. Bestätigt sie doch einen Trend: Nach Dr. Johannes Hanisch (CDU) in Weilburg und Matthias Rubröder (CDU) in Villmar erhält nun auch Runkel einen sehr jungen Verwaltungschef. Mit seinen erst 33 Jahren verfügt Michel Kremer sicherlich nicht über die Erfahrung eines "alten Hasen" wie der unterlegene Noch-Bürgermeister Friedhelm Bender (SPD). Doch die Wähler waren offenkundig bereit, einen ordentlichen Vertrauensvorschuss zu gewähren, um den mehrheitlich ersehnten Wechsel herbeizuführen.

Im Wahlkampf überzeugte Michel Kremer mit Pfiff, Ideen und guter Rhetorik, aber auch mit seiner ruhigen, verbindlichen Art. Eigenschaften, die Runkel dringend benötigt, um politische Gräben zu überwinden, die die Stadt zunehmend lähmen.

Benders Niederlage zeichnete sich seit längerem ab. Schon die Zahl von vier Herausforderern deutete auf eine große Unzufriedenheit in Teilen der Runkeler Bevölkerung hin. Der Verdruss dürfte dabei weniger inhaltlich als vielmehr in mangelnder Kommunikation begründet sein. Dass Bender ein Mann der Ideen und hehren Ziele ist - unbestritten. Gescheitert ist er zuletzt immer häufiger an seinem Unvermögen, Menschen zu überzeugen und mitzunehmen. Dennoch kann Bender erhobenen Hauptes die Bühne verlassen. Denn vom Runkeler Bus'chen bis zur guten Kita-Versorgung hinterlässt er sichtbare Spuren. Daran wird sich Michel Kremer nun messen lassen müssen.

Runkel braucht mich nicht mehr und ich Runkel nicht.

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