Kappesborder Berg

Anwohner wehren sich gegen Pläne für einen Wohnblock mit zehn Eigentumswohnungen

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Im Runkeler Neubaugebiet Kapesborder Berg herrscht dicke Luft: Die Bewohner wehren sich gegen Pläne für ein Zehnfamilienhaus vor ihrer Haustür.

Im Quellenweg im Runkeler Baugebiet Kappesborder Berg soll auf zwei nebeneinanderliegenden Bauplätzen ein Wohnblock mit zehn Eigentumswohnungen des Staffeler Bauunternehmens Weton entstehen. Viele Anwohner sind entsetzt, nachdem sie Mitte der letzten Woche von einem befreundeten Stadtverordneten zufällig von den Plänen gehört haben.

Die Recherche des Ehepaars Marie und Jens Anselmann zeigte: Die Information stimmt. Und der Verkauf der Bauplätze steht bereits auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung am morgigen Mittwoch, 19.30 Uhr, im Runkeler Rathaus. Die Anselmanns und ihre Freundin Yessica Schubmehl sind schockiert, dass die Stadt sie nicht im Vorfeld über diese aus ihrer Sicht „schrecklichen Pläne“ informiert hat. Viele Bewohner des Kappesborder Berges sagen, dass der Bau ihr idyllisches Wohnumfeld zerstören würde, wegen dem sie ins ländliche Runkel gezogen seien.

„Wir haben nichts gegen die Stadt Runkel, den Bürgermeister und die Firma Weton“, versichert Jens Anselmann. Aber ein solches Vorgehen führe zu einem Vertrauensverlust für die Verantwortlichen der Stadt Runkel bei ihren Bürgern. Sie selbst, so Anselmann, hätten schriftlich versichern müssen, dass sie ihren Bauplatz selbst nutzen und nicht weiterverkaufen. Für jede kleine Abweichung vom Bebauungsplan hätten sie kämpfen müssen. Und wenn es dann um ein riesiges Mehrfamilienhaus gehe, sollten die für alle geltenden Regeln keine Gültigkeit mehr haben?

Jens Anselmann stellt klar, dass so gut wie alle Anwohner des Baugebiets seine Meinung teilten. Mittlerweile habe sich eine Bürgerinitiative gegründet mit 60 Personen in einer WhatsApp-Gruppe. Sie wollen Unterschriften gegen das Projekt sammeln und kämpfen. Anselmann sagt, dass die Stadt ja wisse, dass es vor zehn Jahren im selben Neubaugebiet schon einmal erfolgreichen Protest gegen ein ähnliches Projekt gegeben habe. Daher könne er nicht nachvollziehen, dass jetzt schon wieder so etwas ohne öffentliche Vorinformation einfach so vom Stadtparlament durchgewinkt werden solle. Er bittet die Fraktionen des Stadtparlamentes, am Mittwoch das Thema zumindest zu vertagen, um den Anwohnern die Möglichkeit zu geben, den Mandatsträgern ihre Argumente in Ruhe vortragen zu können.

Schubmehl sagt, dass sie extra von Mainz mit ihrer Familie gerade erst hierher gezogen sei, weil das ein Paradies für Familien gewesen sei. Das werde durch ein solches Großprojekt völlig zerstört. Nicht nur, dass die Aussicht aus ihrer Wohnung darunter leide. Sie befürchtet auch erheblichen Lärm, Verkehrsprobleme und Gestank durch offene Gemeinschaftsmülltonnen. Die Eigentumswohnungen würden Verkehr ins Wohngebiet ziehen, der vor allem am Spielplatz Kinder gefährden.

Stadtverordnetenvorsteher Jörg-Peter Heil (CDU) erläuterte gestern auf Nachfrage dieser Zeitung, dass aus dem Magistrat die Anfrage gekommen sei, ob das Stadtparlament sich ein solches Projekt vorstellen können. Vorstellen könne man es sich schon, denn die Stadt habe ja ein Interesse daran, Neubürger zu gewinnen und die Bauplätze am „Kappesborder Berg“ zu verkaufen, so Heil. Der Stadtverordnetenvorsteher betonte aber, dass die CDU klar gesagt habe, dass sie vorher das Einverständnis der Anwohner dazu haben und Weton ihnen die Pläne zunächst vorstellen solle. Von der Stadt sei aber die klare Position der CDU nicht ernstgenommen worden. Er selbst habe von den Planungen auch erst erfahren, nachdem die Einladung zur Stadtverordnetensitzung bereits versendet gewesen sei. Laut Heil war es die Idee von Bürgermeister Friedhelm Bender (SPD), dass das Stadtparlament erst den Bebauungsplan ändern und dem Verkauf zustimmen soll, bevor Weton die Anwohner über die Pläne informiert. Dies könne aber nicht das richtige Vorgehen sein, sagte Heil. Denn wenn die Grundstücke erst einmal an Weton verkauft worden seien, wäre die Stadt allein auf den guten Willen der Firma angewiesen, um noch etwas an den Planungen ändern zu können.Sein Ziel sei es, so Heil, das Thema in den Bauausschuss zu verweisen, um vor dem Verkauf offene Frage klären zu können. Er sei dagegen, Unfrieden in einem kompletten Baugebiet zu riskieren.

Bürgermeister Friedhelm Bender war gestern für diese Zeitung für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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