Heiko Schmidt aus Schadeck ist als einer der besten Landwirte im deutschsprachigen Raum in der Kategorie Ackerbau nominiert worden. Hier steht er mit seinem Vater Roland Schmidt auf einem seiner Felder.
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Heiko Schmidt aus Schadeck ist als einer der besten Landwirte im deutschsprachigen Raum in der Kategorie Ackerbau nominiert worden. Hier steht er mit seinem Vater Roland Schmidt auf einem seiner Felder.

Ein Bauer aus Schadeck

Auf dem Weg zum Landwirt des Jahres

Heiko Schmidt zeigt der Jury des "Ceres Awards" seinen Hof und seine Felder

Heiko Schmidt aus Schadeck ist als einer der besten Landwirte im deutschsprachigen Raum für den "Ceres Award" in der Kategorie Ackerbau nominiert worden. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wird von der Fachzeitschrift "agrarheute" verliehen und gilt als die höchste Auszeichnung in der Landwirtschaft. "Wenn ich gewinne, fließt das Geld in den Ausbau eines Raumes für Schulklassen", sagt der 37-Jährige und bezieht sich dabei auf seine langjährige Beteiligung an der hessischen Initiative "Bauernhof als Klassenzimmer".

Der landwirtschaftliche Betrieb von Heiko Schmidt besteht seit Generationen und geht zurück bis ins frühe 17. Jahrhundert. "Wir sind schon hier, seit das Schloss aufgegeben und das Land an die Hiesigen verkauft wurde", sagt Senior Roland Schmidt (63). Beide zusammen leiten die Geschicke des unter dem Namen Lahntal-Agrar GbR firmierenden Familienbetriebs mit den Schwerpunkten Ackerbau und Milchviehhaltung sowie Schweine- und Bullenmast. Auch der Anbau und die Direktvermarktung von Kartoffeln und der Betrieb einer Photovoltaikanlage gehören dazu.

Der Betrieb mit vier Festangestellten, zwei Minijobbern und zwei Auszubildenden unterhält insgesamt 219 Hektar eigene landwirtschaftliche Flächen, davon etwa ein Viertel Grünland und drei Viertel für den Ackerbau. Für weitere 120 Hektar bestehen Bewirtschaftungsverträge. In Lohnarbeit wird hier ein Komplettpaket von der Saat bis ins Lager angeboten.

10 625 Liter

Bio-Milch pro Jahr

Der Milchviehstall mit Melkroboter beherbergt 61 Kühe, die im Durchschnitt 10 625 Liter Bio-Milch pro Jahr geben, sowie 75 weibliche Nachzuchten. Das gesamte aus Gras, Heu und Mais bestehende Grundfutter wächst auf eigenen ökologisch angebauten Flächen.

Auf den Schmidt'schen Äckern gedeihen Weizen, Dinkel, Raps, Gerste, Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln sowie Erbsen und Soja. "Das vielfältige Ackerbaukonzept plus Tierhaltung, dazu noch teils Bio, finden wir sehr spannend", so ein Mitglied der vierköpfigen Jury beim Rundgang über den Hof und die Felder von Heiko Schmidt. Dies seien die Hauptgründe, dass der Betrieb sich für das Finale qualifizieren konnte.

Einen Nachmittag nahm sich die Jury Zeit, um sich alles zeigen und erklären zu lassen. Nach der Besichtigung des Kartoffellagers sowie der Rinder- und Schweineställe, die dem Hof im Schadecker Ortskern angegliedert sind, ging es auf die Felder. "Wenn ich sehe, wie gut und stark der Weizen wächst, lacht mir das Herz", freut sich Heiko Schmidt. Dem Sprichwort vom kalten und nassen Mai, der dem Bauern Fass und Scheune füllt, kann er nur recht geben. "Ich denke, wir dürfen eine gute Ernte erwarten." Zudem hatte die Witterung dazu geführt, dass nur ein Drittel der sonst üblichen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen musste.

Soja-Anbaufläche

schnell verfünffacht

Als Nächstes ging es zu den Anbauflächen für Zuckerrüben, Dinkel und Soja. "Dass wir hier erfolgreich Sojabohnen erzeugen, hatte ich nicht erwartet", sagt der Landwirt. Vor vier Jahren hat er mit drei Hektar vorsichtig begonnen, inzwischen ist es mehr als die fünffache Fläche. Der gesamte Ertrag wird an die 50 Mastbullen verfüttert. Tatsächlich kommt die Eiweißpflanze mit Trockenheit recht gut klar. Erbsen hingegen seien aufgrund der Wetterkapriolen und ihrer fehlenden Standfestigkeit eher problematisch.

"Unser biologisch angebautes Getreide lässt sich gegenüber dem konventionellen Ackerbau klar erkennen", erläutert Heiko Schmidt. Ob sie denn wisse, wie Disteln aus dem Feld zu kriegen sind, fragte er die Jury und erntete Schulterzucken. Der Trick sei einfach: Wenn das obere Drittel der Distel abgeschnitten wird, läuft Regenwasser in den Stiel und die Pflanze verfault. "Deshalb habe ich immer eine Schere dabei", so der Fachmann.

Derzeit hat Heiko Schmidt einen 12- bis 14-stündigen Arbeitstag. Ob sich der studierte Agrarwirt je einen anderen Beruf gewünscht hat? "Eigentlich liebe ich sehr, was ich tue", sagt er. Doch wenn den Landwirten weiter die Luft zum Atmen genommen werde, dann verliere sogar der Mutigste den Spaß an seiner Arbeit. Kerstin Kaminsky

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