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Bahn will für Barrierefreiheit nicht zahlen

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Von: Robin Klöppel

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Stadtverordnete Sonja Stenzel (links) und Bürgermeister Michel Kremer (rechts) zeigten den Grünen-Abgeordneten Dr. Anna Lührmann (Zweite von links) und Katrin Schleenbecker die Problematik am Bahnhof Kerkerbach. foto: Robin Klöppel
Stadtverordnete Sonja Stenzel (links) und Bürgermeister Michel Kremer (rechts) zeigten den Grünen-Abgeordneten Dr. Anna Lührmann (Zweite von links) und Katrin Schleenbecker die Problematik am Bahnhof Kerkerbach. © Klöppel, Robin

Fahrgastzahlen am Bahnhof Kerkerbach sind dem Verkehrsunternehmen zu niedrig.

Runkel -Ein behindertengerechter Umbau des Bahnhofes Kerkerbach im Runkeler Stadtteil Steeden ist doch möglich, wie eine Prüfung ergab. Dies teilte der Runkeler Bürgermeister Michel Kremer (parteilos) der neuen heimischen Grünen-Bundestagsabgeordneten Dr. Anna Lührmann bei ihrem Antrittsbesuch mit. Auch die für den Landkreis Limburg-Weilburg zuständige Grünen-Landtagsabgeordnete Katrin Schleenbecker war bei dem Besuch in Kerkerbach anwesend.

Laut Kremer weigert sich die Deutsche Bahn, die Umbaukosten von über einer Million Euro zu tragen. Begründet werde dies damit, dass der Bund solche Umbauten erst ab 1000 Fahrgästen pro Tag fördere. Zählungen in Kerkerbach hätten jedoch gezeigt, dass hier pro Tag im Schnitt nur etwa 300 Personen ein- oder ausstiegen. Den Nachbarbahnhof in Runkel benutzten täglich 500 Personen. Da der Bahnhof Runkel bereits barrierefrei umgebaut werde und somit im Stadtgebiet eine Zusteigemöglichkeit für Gehbehinderte geschaffen werde, fühlt sich die Bahn laut Kremer nicht verpflichtet, auch noch freiwillig und auf eigene Kosten den Bahnhof Kerkerbach umzubauen. Der Umbau dort würde so teuer, weil eine Verschwenkung der Bahntrasse nötig wäre. Aktuell fehle dem Bahnsteig 70 Zentimeter Breite, um gewährleisten zu können, dass dort zwei Rollstuhlfahrer aneinander vorbeikommen.

Der reine Bahnübergang würde Kremers Angaben nach "nur" 400 000 Euro kosten. Katrin Schleenbecker meinte, es solle nochmal geprüft werden, ob nicht doch eine Aufzuglösung kostengünstiger wäre. Michel Kremer bedauert die Haltung der Bahn, denn eine Kommune wie Runkel könne eine Maßnahme dieser Größenordnung nicht aus der eigenen Tasche zahlen. Der Verwaltungschef findet, dass es das Ziel sein müsse, sämtliche Bahnhöfe behindertengerecht umzubauen. Sich nur auf aktuelle Zahlen zu berufen, hält der Bürgermeister für den falschen Ansatz. Er ist überzeugt: "In Kerkerbach würden viele Touristen ein- und aussteigen, wenn das möglich wäre." Denn am dortigen Bahnhof gebe es einen direkten Zugang zum Radweg R 7 und wenige Meter entfernt noch einen Supermarkt, in dem sich Fahrradtouristen Verpflegung kaufen können.

Auf dem R 7 seien im Sommer sehr viele Gäste im Lahntal unterwegs. Doch wie solle man derzeit mit Rädern in den oder aus dem Zug kommen? Kremer würde es schade finden, wenn man den voraussichtlich für Sommer 2024 geplanten Umbau des Bahnhofs Kerkerbachs nicht auch gleich nutzen würde, um ihn behindertengerecht zu gestalten. Denn wenn dies nicht gleich erledigt werde, sei eine Realisierung unwahrscheinlich. Wenn der behindertengerechte Umbau bis 2022 nicht festgezurrt sei, werde es damit aber wohl nichts werden. Darum bat Kremer die Abgeordneten Lührmann und Schleenbecker um Unterstützung, wenn die Grünen künftig Teil der Bundesregierung seien.

Lührmann: Umstieg leicht machen

Anna Lührmann meinte, dass es realistische Chancen gebe, dass ihre Partei das Bundesverkehrsministerium bekommt. Ziel der Grünen sei es, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Sie selbst versuche auch, so viele Termine wie möglich mit der Bahn zu machen. Dabei sehe sie dann häufig auch, wo es aktuell im Öffentlichen Personennahverkehr noch Probleme zu lösen gebe. Den Bürgern müsse es aber so einfach wie möglich gemacht werden, auf die Bahn umzusteigen. Lührmann sicherte Kremer zu, dass die Grünen in Berlin dafür kämpfen werden, die Kennzahlen zu ändern. Damit soll es auch für Projekte wie Kerkerbach eine Chance geben, öffentliche Fördergelder zu bekommen - auch wenn die Fahrgastzahlen unter 1000 pro Tag liegen. Es mache keinen Sinn, nur darauf zu schauen, wie viele Personen aktuell den Bahnhof Kerkerbach nutzten. In der Kosten-Nutzen-Analyse müsse auch berücksichtigt werden, wie viele Menschen in Kerkerbach aus- und zusteigen würden, wenn hier ältere und gehbehinderte Menschen, Frauen mit Kinderwagen und Radfahrer zusteigen könnten. Grünen-Ziel sei es, so schnell wie möglich alle deutschen Bahnhöfe barrierefrei zu machen.

Grünen-Stadtverordnete Sonja Stenzel bat auch darum, dass zwischen Runkel und Niederbrechen ein Radweg verwirklicht wird. Derzeit sei es sehr gefährlich, dort auf der Hauptverkehrsstraße zu fahren.

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