Ohne fremde Hilfe hat ein Rollstuhlfahrer keine Chance, die Grundschule am Sonnenhang in Steeden zu erreichen.
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Ohne fremde Hilfe hat ein Rollstuhlfahrer keine Chance, die Grundschule am Sonnenhang in Steeden zu erreichen.

Nicht nur in Runkel haben Rolli-Fahrer Probleme

"Barrierefreiheit muss in die Köpfe"

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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VdK-Ortsverbände drängen auf bessere Bedingungen für behinderte Menschen

Wer mit dem Rollstuhl, dem Rollator oder auch mit dem Kinderwagen in Runkel oder seinen Stadtteilen unterwegs ist, hat es nicht immer leicht. Etliche Gebäude sind für behinderte Menschen schlicht nicht zugänglich. Denn vielerorts ist Barrierefreiheit nach wie vor ein Fremdwort. Allerdings gibt es auch Lichtblicke. Dies haben Mitglieder der VdK-Ortsverbände Runkel (mit Hofen, Ennerich, Steeden und Schadeck), Arfurt, Eschenau und Wirbelau herausgefunden, die im Juli in allen Stadtteilen außer in Dehrn unterwegs waren, um die öffentlich zugänglichen Gebäude, Straßen und Plätze auf Barrierefreiheit zu überprüfen. Das Ergebnis, eine 15-seitige Dokumentation, hat der Vorsitzende des VdK Runkel Harald Machoi jetzt an Bürgermeister Michel Kremer (parteilos) und Stadtverordnetenvorsteher Jörg-Peter Heil (CDU) überreicht.

In allen betrachteten Stadtteilen, so Machoi bei dem Treffen im Bürgerhaus Ennerich, gebe es positive Beispiele für Barrierefreiheit. So seien beispielsweise sämtliche Friedhöfe gut erreichbar, wenngleich es zum Teil noch Nachbesserungsbedarf auf dem Gelände selbst gebe. "Auch bei den Zugängen zu den Bürgerhäusern sieht es insgesamt ganz gut aus", sagte Machoi. "Ebenso bei der überwiegenden Zahl der Kinderspielplätze."

Haltestelle Heerstraße ist "skandalös"

Dem stehe allerdings eine recht lange Mängelliste gegenüber, die in jedem einzelnen Stadtteil zwar unterschiedlich ausfalle, aber gemeinsame Schwerpunkte habe. Machoi nannte das Fehlen von Querungsstellen auf Straßen mit abgesenkten und markierten Bordsteinen inklusive der entsprechenden taktilen Leitstreifen. Dort, wo es diese Bodenmarkierungen gibt, seien sie nach Auffassung des VdK zum Teil falsch angelegt. Machoi verwies auf den Straßenübergang an der Kreissparkasse und der Apotheke in Runkel sowie am Bahnübergang in Runkel.

Für geradezu skandalös hält Machoi die Situation an der Bushaltestelle in der Heerstraße in Schadeck. Denn trotz eines Ausbaus der Straße erst in diesem Jahr sei die Haltestelle nicht barrierefrei gestaltet worden. "Dies widerspricht den gesetzlichen Vorgaben", sagte der VdK-Vorsitzende deutlich.

Parkplätzen

Mängel habe der VdK aber auch bei der Erreichbarkeit der Bahnhöfe Runkel und Kerkerbach festgestellt. In nahezu allen Stadtteilen fehle es außerdem an Behindertenparkplätzen. Und außer in der Heerstraße seien auch die meisten anderen Bushaltestellen der Stadt Runkel nicht behindertengerecht. Gerade das Beispiel Heerstraße zeige aber, dass es nicht damit getan sei, einzelne Maßnahmen umzusetzen, sondern auch die Einstellung der Gesellschaft zum Thema Barrierefreiheit zu ändern. Machoi: "Barrierefreiheit muss in die Köpfe, insbesondere bei Planern und Architekten!"

Zumal, wie der VdK-Chef erklärte, Barrierefreiheit kein "sozialpolitisches Wunschdenken" sei, sondern ein Grundrecht, für das es klare gesetzliche Regelungen gebe. Der Sozialverband VdK setze sich deshalb seit Jahren für die Umsetzung der Barrierefreiheit ein. Diese sei allerdings nicht, schreibt Machoi im Vorwort der Dokumentation, alleine Sache der Stadt Runkel, sondern teilweise auch des Landkreises, des Landes Hessen (Hessen Mobil), der Deutschen Bahn, der Kirchen sowie auch von Geschäftsinhabern. Aufgabe der Stadt sei es aus seiner Sicht jedoch, mit den Verantwortlichen in Kontakt zu treten und auf Abhilfe zu drängen. Der VdK, so Machoi, biete der Stadt seine Unterstützung beim Thema Barrierefreiheit an.

Stadtverordnetenvorsteher Jörg-Peter Heil und Bürgermeister Michel Kremer dankten dem VdK für die ehrenamtliche Arbeit. Kremer kündigte an, dass die Stadt versuchen werde, viele der genannten Mängel nun Schritt für Schritt abzuarbeiten. Zumal häufig das Aufstellen eines Schilds oder nur das Aufbringen von Markierungen genüge, um Abhilfe zu schaffen.

Allerdings sehe er auch Grenzen des Handelns, sagte Kremer im Gespräch mit dieser Zeitung. Denn aufgrund der miserablen Haushaltssituation der Stadt Runkel seien kostenaufwendigere Maßnahmen derzeit nur schwer umzusetzen. Dies gelte beispielsweise für den behindertengerechten Zugang zu allen Gebäuden. Dennoch sei es Ziel, am Ende jedes Jahres einige Punkte auf der Liste abzuhaken. Rolf Goeckel

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