Zusammenschluss

Dekanate Runkel und Weilburg planen Fusion

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Die Spitzen der evangelischen Dekanate Runkel und Weilburg streben eine Fusion an. Eine Idee für den neuen Namen gibt es auch schon.

Finanzielle Einspargründe stehen angeblich nicht im Vordergrund, warum die Verantwortlichen einen Zusammenschluss der Dekanate Runkel und Weilburg zum 1. Januar 2022 planen. Hindergrund ist eine Vorgabe der Landeskirche, künftig zu größeren Einheiten zu kommen, um trotz Mitgliederrückgangs weiterhin effektiv arbeiten zu können.

Das neue Gebilde könnte nach ersten Überlegungen „Evangelisches Dekanat an der Lahn“ heißen. Dies erklärte am Rand der ersten gemeinsamen Synodalversammlung beider Dekanate in der Weilburger Stadthalle der Runkeler Vorsitzende Christian Harms. Außer der zweiten Dekanstelle würden bei der Zusammenlegung keine Stellen wegfallen, erläuterte er. Vielmehr sollten die Kräfte gebündelt werden, um künftig die Gläubigen wieder besser erreichen zu können.

Ganz freiwillig ist der Zusammenschluss aber nicht. Die evangelische Landeskirche Hessen-Nassau fordert für die Zukunft zur Effektivitätssteigerung größere Einheiten. Ziel ist es, Dekanate mit 50 000 und mehr Gläubigen zu schaffen. Wer mit wem fusioniere, sei freigestellt, so Harms.

Nach seinen Angaben mache die Verbindung zwischen Runkel und Weilburg alleine wegen der räumlichen Nähe Sinn. Runkel hat aktuell rund 30 000 Mitglieder, Weilburg etwa 20 000.

„Wir wollen künftig frischer und moderner sein“, sagte Harms. Bisher sieht er keine Kritik aus den Reihen der Protestanten. Die Seelbacher Pfarrerin Barbara Häuser fragte aber, warum die Dekanate unbedingt vergrößert werden müssten, wenn es nicht in erster Linie um finanzielle Einsparungen gehe. Die bisherige Struktur biete eine bessere Basis, effektiv arbeiten zu können.

Nach einem Kennenlernspiel zu Beginn diskutierten die Mitglieder in gemischten Runkeler-Weilburger Gruppen, wie sie sich das gemeinsame Dekanat der Zukunft vorstellen. Als Leitsätze wurde formuliert: „Wir sind mehr als die Summe unserer Teile.“ „Wir wollen als Dienstleister Gottes gestalten, einladen, motivieren und aktiv Mission und Diakonie treiben.“ „Wir wollen hin zu einer Kirche, die Gottes Botschaft unter den Menschen lebendig werden lässt.“ In zwölf Arbeitsgruppen soll beraten werden, wie die Ziele umgesetzt werden sollen.

Dr. Wolfgang Körner als Vertreter des Anfang 2016 aus den Dekanaten Dillenburg und Herborn entstandenen neuen Dekanates an der Dill ermunterte die Anwesenden zur Fusion. „Bei uns ist durch die Zusammenarbeit ein neues Wir-Gefühl entstanden“, sagte er. Man müsse viel miteinander reden, nicht nur Strukturen ändern, sondern inhaltlich etwas Neues auf den Weg bringen und zu Kompromissen fähig sein.

Pröpstin Annegret Puttkammer erklärte, dass die Kirche sich gesellschaftlichen Veränderungen durch Strukturänderungen stellen müsse. Die ökumenischen Beziehungen hätten sich völlig verändert. Früher habe man Kooperationen mit Gemeinden auf der ganzen Welt gepflegt, durch die Flüchtlingsbewegungen habe man diese Kontakte plötzlich in der eigenen Kommune. Die Synodalen könnten ihrer Meinung nach wieder mehr Menschen zum Mitmachen begeistern. Sie müssten außen nur erzählen, wie toll die Kirchenarbeit sei, welche Freude beispielsweise Konfirmationsunterricht oder das gemeinsame Musizieren bereite.

Vera Bickel, Projektkoordinatorin der Landeskirche für gemeindeübergreifende Trägerschaften bei Kindergärten, stellte ihr Konzept vor, das auch in den Dekanaten Runkel und Weilburg umgesetzt werden könnte. Demnach kann ein Dekanat oder eine Kirchengemeinde als Träger mehrerer Kitas fungieren. Dadurch ist die Verwaltungsarbeit auf eine Stelle konzentriert und die Mitarbeiter vor Ort können sich wieder mehr um die inhaltliche Arbeit kümmern. In größeren Einheiten seien Vertretungsregelungen beim Ausfall einzelner Erzieherinnen leichter.

(rok)

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