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Die Angst, wenn das "Bus'chen" nicht mehr fährt

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Von: Robin Klöppel

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Für viele unverzichtbar: Doch der Tourplan des "Runkler Bus'chens" wurde eingedampft.
Für viele unverzichtbar: Doch der Tourplan des "Runkler Bus'chens" wurde eingedampft. © schäfer

Ein Leasingvertrag ist ausgelaufen, ein Fahrer im Ruhestand

Runkel -Das "Runkler Bus'chen" soll vor allem Bürgern ohne eigene Fahrmöglichkeit wie Senioren und Behinderten die Mobilität erleichtern. Doch die Stadt hat in der Mittagszeit nun die Fahrzeiten reduziert. Ob ein weggefallenes Fahrzeug ersetzt wird und wieder die gewohnten Nutzerzeiten angeboten werden können, ist aus Kostengründen offen, was manchem Nutzer große Sorgen macht.

Auch die schwerbehinderte Helga Kraus ist seit Jahren fünf Mal die Woche Kundin, um sich nach Limburg in die Therapie fahren zu lassen. "Wenn ich nicht mehr täglich in die Therapie gehe, lande ich irgendwann im Rollstuhl", sagt die 66-jährige Ennericherin. Bisher waren die Fahrten nach Limburg mit dem Bus'chen nie ein Problem. Sie und ihr Mann Heinz, der auch regelmäßig zur Therapie muss, hatten einen zuverlässigen Fahrer, der sie jeden Morgen pünktlich nach Limburg und nach der Behandlung dann wieder zügig heimbrachte. Doch der Fahrer hat mittlerweile aus Altersgründen aufgehört und der Stadt fehlt derzeit auch ein Fahrzeug, nachdem ein Leasing-Vertrag ausgelaufen ist.

Künftig mit

Mittagspause

Folglich teilte die Stadt den Nutzern mit, dass das "Runkler Bus'chen" künftig eine Mittagspause einlegt und den Bürgern ab sofort nur noch von 9 bis 11 Uhr und dann wieder von 14 bis 17 Uhr zur Verfügung stehen wird. Ob das eine vorübergehende Maßnahme oder zum Dauerzustand wird, ist noch offen. "Wir müssen darüber im Magistrat nächste Woche beraten, wenn der Bürgermeister wieder aus dem Urlaub zurück ist", berichtet Erster Stadtrat Michael Uhl (SPD) auf Anfrage. Klar sei, dass die Stelle eines Fahrers ausgeschrieben sei und wieder ein neuer Fahrer eingestellt werde. Offen sei, so Uhl hingegen, ob wieder ein neues Fahrzeug angeschafft werde. Denn die Stadt habe Sparzwang. Hierüber entscheide aber nicht der Magistrat, sondern die Stadtverordnetenversammlung bei den Haushaltsberatungen.

Einspruch gegen

die Kürzung

Heinz Kraus wäre bitter enttäuscht, wenn das Fahrzeug dauerhaft wegfallen würde. Schon vor Weihnachten hatte er an die Stadt Runkel geschrieben, Einspruch gegen die Kürzung der Fahrzeiten eingelegt, doch bisher nicht einmal eine Antwort der Verwaltung bekommen. "Sowas hätte es unter Bürgermeister Bender nicht gegeben, der war noch sozial eingestellt", kritisiert Kraus. Diese Woche sei der Therapeut noch im Urlaub, doch was sollten er und seine Frau dann ab nächste Woche machen, fragt er sich. Die aktuellen Fahrzeiten würden bedeuten, dass Heinz und Helga Kraus jeden Tag bis 14 Uhr in Limburg warten müssten, bis sie das "Bus'chen" wieder abholen kann. Denn Alternativen haben sie nach eigenen Angaben nicht. Das Ehepaar besitzt kein eigenes Auto und bekommt laut Heinz Kraus auch keine täglichen Krankentransporte von der Krankenkasse bezahlt.

"Wir können auch nicht jeden Tag Nachbarn oder Freunde behelligen, uns nach Limburg zu fahren und dann zu warten, bis wir wieder fertig sind. Manchmal kann das bis 12.30 Uhr dauern". Der Therapeut sei mit Terminen vollgepackt, dass sie auch ihre Zeiten dort nicht einfach verschieben könnten. Helga Kraus ergänzt, dass sie gesundheitlich nicht in der Lage dazu sei, von ihrem Haus bis zur Bushaltestelle in Ennerich zu laufen. Der 75-jährige Heinz Kraus betont: "Wir sind in Runkel bei weitem nicht die einzigen, die auf das ,Bus'chen' angewiesen sind. Über die Jahre kommt man ja mit anderen regelmäßigen Nutzern in Kontakt, und es sind Menschen aus Dehrn, Steeden, Schadeck, Hofen, Eschenau und Wirbelau genauso betroffen." Kraus sagt, dass der Fahrer ihm selbst erzählt habe, wie vollgepackt er mit Fahrten sei und trotzdem habe dieser stets alle Nutzer zuverlässig bedient.

Bevor die Stadtverordneten ihre Entscheidung treffen würden, sollten sie wissen, welche Schicksale dahintersteckten, wenn man nur auf Zahlen schaue und die bisher funktionierende Struktur des "Runkeler Bus'chen" durch die Nichtersetzung eines Fahrzeuges zerschlage. "Unsere Nachbarin beispielsweise hat starkes Asthma und braucht das ,Bus'chen', um sich regelmäßig zur Behandlung nach Hadamar fahren zu lassen", berichtet Heinz Kraus. Seine Frau Helga macht auf ein weiteres Problem aufmerksam. Wenn sie künftig morgens zur Fahrt nach Limburg das "Runkeler Bus'chen" nehmen müsse, was auch zur Schülerbeförderung eingesetzt werde, habe sie da trotz Einstiegsschemel erhebliche Probleme mit dem Einsteigen. Denn eine Hand könne sie kaum bewegen. Von daher wäre schon, um Gehbehinderten weiterhin die Mitfahrt zu aus ihrer Sicht ermöglichen, wichtig, dass die Stadt das Geld in die Hand nehme und das weggefallene Fahrzeug durch ein ähnliches Modell ersetze. robin klöppel

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