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Schaefer Kalk startet Bohrungen

"Hengen Nord": Messstelle wird errichtet

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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Es geht um Auswirkungen des Steinbruchs auf das Grundwasser

Für das Genehmigungsverfahren für den geplanten Steinbruch "Hengen-Nord" kommt Schaefer Kalk der Aufforderung des Regierungspräsidiums (RP) Gießen nach, mehr Daten über die Grundwassersituation im geplanten Abbaugebiet zu erheben, um noch offene Fragen im Verfahren klären zu können. Dem Unternehmen liegt nach eigenen Angaben zwischenzeitlich die Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb der geplanten Messstelle vor. In Abstimmung mit allen zuständigen Behörden soll die Firma Anger aus Hessisch Lichtenau Anfang Juli mit den Bohrungen für die Grundwassermessstelle in der Gemarkung Niedertiefenbach beginnen. Die Arbeiten hierfür werden etwa acht Wochen dauern.

"Wir stehen mit den Ortsgemeinden und auch den Landwirten in Kontakt und haben die anstehende Bohrung natürlich abgestimmt", erklärt Steffen Loos, der zuständige Geologe der Firma Schaefer Kalk. Nach der Errichtung werde die Messstelle mit einer Sonde versehen, die kontinuierlich Grundwasserdaten liefert. Diese sollen den zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt werden, verspricht das Unternehmen.

"Gegebenenfalls können im weiteren Verlauf noch zusätzliche Messstellen erforderlich werden. Dies lässt sich heute noch nicht sicher vorhersagen. Eine Bewertung kann erst auf Grundlage der Daten der jeweils vorherigen Messstelle erfolgen. Die Erstellung weiterer Messstellen würde also schrittweise erfolgen",sagt Dr. Holger Drescher, Bereichsleiter Technik bei Schaefer Kalk.

Tiefbrunnen

in der Nähe

Hintergrund der geplanten Messstation sind schon Anfang 2020 geäußerte Befürchtungen von Mitgliedern der Gemeindevertretung Beselich, dass der geplante Kalkabbau in Hengen-Nord die Trinkwasserversorgung aus dem Tiefbrunnen am Beselicher Kopf gefährden könnte. Ein von der Gemeinde beauftragtes Ingenieurbüro war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Grundwasserpegel des Geländes Hengen-Nord nach Starkregen so stark ansteigen kann, dass es dicht an die geplante Talsohle des Kalksteinbruchs heranreichen würde. Dann aber wäre eine Verunreinigung des Grundwassers nicht auszuschließen, so der Gutachter. Nur etwa anderthalb Kilometer von dem geplanten Kalkabbau-Gebiet entfernt betreibt die Gemeinde Beselich den Tiefbrunnen am Beselicher Kopf, der Ober- und Niedertiefenbach mit Wasser versorgt.

Kritisch wurde das seinerzeit von Schaefer Kalk vorgelegte Hydrogeologische Gutachten beurteilt, das dem Kalkabbau weitgehende Unbedenklichkeit bescheinigt hatte. Nach Ansicht des mit der Prüfung beauftragten Ingenieurbüros ist die Datenlage, auf der das Gutachten basiert, zu dünn. Deshalb wurde Nachbesserung empfohlen. Dabei müsse geklärt werden, ob das Grundwasser-Reservoir von Hengen-Nord und der Tiefbrunnen der Gemeinde am Beselicher Kopf miteinander in Verbindung stehen. Sollte dies der Fall sein, könnten Verunreinigungen des Grundwassers in Hengen sich direkt auf den Tiefbrunnen am Beselicher Kopf und damit auf die Trinkwasserversorgung von Ober- und Niedertiefenbach auswirken.

In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung hat Bürgermeister Michael Franz (parteilos) über die jüngste Stellungnahme des von der Gemeinde beauftragten Gutachters zu Hengen-Nord berichtet. Demnach fehlen in den Antragsunterlagen von Schaefer Kalk nach wie vor wichtige Angaben zu den durch Sprengungen verursachten Erschütterungen, aber auch beim Thema Hydrogeologie. Rolf Goeckel

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