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Das Beispiel des Runkeler Buschens zeigt, wie Mobilität auf dem Land gefördert werden kann. Auf dem Bild (von links) Bürgermeister Friedhelm Bender, Tobias Eckert, Thorsten Schäfer-Gümbel, Fahrer Friedhelm Brenne und Jörg Sauer.

ÖPNV und Technik

Hessischer SPD-Vorsitzender zu Besuch bei zwei Vorzeigeprojekten

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Bundesweit eingesetzte Technik made in Offheim und ein Vorzeigemodell des ÖPNV in Runkel standen gestern im Mittelpunkt eines Besuchs des hessischen SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel in der Region.

Hessens SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel hat gestern im Rahmen seiner Sommertour die Städte Limburg und Runkel besucht. „TSG“ und seine Genossen informierten sich über das Kühlmöbelwerk (KMW) in Offheim, die Wohnsituation der Menschen in Blumenrod in den früheren Häusern der Nassauischen Heimstätte sowie das Konzept des Runkeler Buschens zur Stärkung der Mobilität der Menschen in der ländlichen Region.

Jochem Holzhäuser von der SPD-Stadtverordnetenfraktion zeigte sich gestern beim Besuch des KMW in Offheim beeindruckt, welche bundesweit erfolgreichen und doch vielen Bürger unbekannten Unternehmen es in der heimischen Domstadt gebe. Selbst wer KMW nicht kennt, wird wohl schon öfter beim Einkaufen Produkte des Offheimer Unternehmens angefasst haben. Denn dieses beliefert bundesweit Filialen von REWE, Edeka und Aldi sowie Tankstellen mit Kühltheken und -truhen.

Frank Jansing hat als neuer Geschäftsführer das Unternehmen mit 150 Mitarbeitern in keinen einfachen Zeiten übernommen. „Der Jahresumsatz war von 38 auf 19 Millionen Euro gesunken“, sagte er. Innerhalb von drei Jahren sei es ihm allerdings mit einer innovativen Strategie gelungen, den Umsatz wieder deutlich zu steigern. Für dieses Jahr plant er einen Umsatz von 35 Millionen Euro.

Mittlerweile hat KMW eine Außenstelle in Frankreich eröffnet und will die Mitarbeiterzahl in Limburg um 20 aufstocken. Unter anderem werden hierfür Elektriker und Monteure gesucht.

Wie hat Jansing das Unternehmen so schnell wieder stabilisiert? „Für die Supermarktketten ist ein geringer Energieverbrauch entscheidend“, erklärte der KMW-Geschäftsführer. Die Forschungsabteilung des Offheimer Unternehmens habe es hinbekommen, den Energieverbrauch der Kühltheken um 60 Prozent zu senken.

Am Standort Limburg soll weiter expandiert werden. KMW plant die kommenden Jahre Investitionen von sechs Millionen Euro in Gebäude und Technik auf seinem 44 000 Quadratmeter großen Grundstück mit Verwaltung, Forschung und Produktion.

Jansing erklärte auch, wie sich KMW um die Rekrutierung talentierter Nachwuchskräfte kümmert. So schickt das Unternehmen Talente an die Technische Hochschule Mittelhessen in Limburg fürs duale Studium. Die jungen Leute werden laut dem Geschäftsführer besser als anderswo in der Ausbildung bezahlt und bekommen – wenn sie nicht daheim wohnen können – noch einen Mietkostenzuschuss.

In Blumenrod erfuhren die Sozialdemokraten, wie wichtig es ist, dass die Stadt weiter für nicht so gut betuchte Bürger bezahlbaren Wohnraum schafft. Dort wurden 192 Wohnungen der Nassauischen Heimstätte vom Landesbetrieb an einen privaten Eigentümer verkauft. Die Mieter kritisierten, dass seit der Übernahme durch einen Privatinvestor kaum noch in die Immobilien investiert werde. Zudem beklagten einige Mieter der Sozialwohnungen, dass durch die neue Abrechnung nach Wohnraum und nicht mehr nach Verbrauch monatlich deutlich höhere Nebenkosten anfielen. SPD-Landtagsabgeordneter Tobias Eckert vermutet, dass der Besitzer das Ende der Belegungsbindung in ein paar Jahren abwarten, dann die Häuser luxuriös sanieren und zu einem deutlich höheren Mietpreis auf dem Markt anbieten könnte. Der Abgeordnete bezeichnet es als völlig falsches Signal, dass die Nassauische Heimstätte sämtliche Niedrigpreiswohnungen auf dem flachen Land an Privatpersonen veräußere. Die CDU-geführte Landesregierung setze mit dem Abbau von öffentlich gefördertem bezahlbaren Wohnraum im ländlichen Raum in Hessen ein völlig falsches Signal.

Bürgermeister Friedhelm Bender (SPD) konnte in Runkel berichten, dass das Projekt „Runkeler Buschen“ immer besser läuft. Die Einnahmen seien seit dem Start 2009 von gut 20 000 auf mehr als 83 000 Euro im Jahr gestiegen, das Defizit sei von knapp 79 000 auf gut 46 000 Euro gesenkt worden. „Das Geld ist es uns wert, den älteren Menschen in der Stadt die Mobilität zu sichern“, betonte Bender.

Die sechs Fahrer hätten Minijob-Verhältnisse über neun Stunden die Woche mit Bezahlung deutlich über Mindestlohn. Täglich werden ab 6.45 Uhr laut Bender mit drei Buschen 100 Kinder in Kindergärten und Schulen gefahren. In einem vierten Buschen werden Senioren zum Einkaufen oder Arzt gefahren. Innerhalb des Stadtgebietes werde eine Gebühr von drei Euro pro Fahrt verlangt, nach Limburg und Weilburg von fünf Euro. „Kostenlos können die Fahrten nicht angeboten werden, weil es sonst Ärger mit heimischen Taxibetrieben geben würde“, sagte Bender. SPD-Landtagsabgeordneter Eckert berichtete, das Runkeler Buschen sei ein Vorzeigemodell, über dessen Nachahmung in einigen anderen heimischen Kommunen diskutiert werde. Noch nicht alle Städte und Gemeinden hätten den Mut, für mehr Mobilität ihrer Bürger Geld in die Hand zu nehmen.

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