Für Rita Langrock (76) ist die Gartenarbeit ein wahres Lebenselexier. Foto: Robin Klöppel
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Für Rita Langrock (76) ist die Gartenarbeit ein wahres Lebenselexier. Foto: Robin Klöppel

Raus aus dem Alltag

In ihrem Garten blüht Rita Langrock auf

  • vonRobin Klöppel
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Die langjährige Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Dehrn hält sich mit der täglichen Gartenarbeit fit.Ein eigener Garten ist für viele Menschen wie ein Paradies. Und wenn der Platz hinterm eigenen Haus nicht ausreicht, kaufen oder pachten sich viele einen Kleingarten außerhalb dazu. Dort verbringen sie einen Großteil ihrer Freizeit und blühen dabei regelrecht auf. Die NNP stellt in einer neuen Serie Menschen vor, die einen Schrebergarten bewirtschaften. Zum Auftakt haben wir Rita Langrock getroffen, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Dehrn.

Die 76-jährige Dehrnerin Rita Langrock ist Hobbygärtnerin durch und durch. Seit 30 Jahren besitzt sie nun schon einen riesengroßen Schrebergarten am Leinpfad an der Lahn. Seit dem Tod ihres geliebten Mannes Heinz ist ihr dieser ein noch wichtigerer Ort geworden, an dem sie bei schönem Wetter täglich mehrere Stunden verbringt, um an der frischen Luft abzuschalten.

Langrock ist trotz ihres Alters noch ziemlich fit und macht fast alles selbst. Ihre Tochter Susanne und ihr Schwiegersohn Dietmar unterstützen sie aber nach besten Kräften. Ihr Hobby hatte auch den Vorteil, dass sie als Zugereiste in ihrer neuen Heimat Dehrn schnell Fuß fasste. Denn Langrock stammt aus Rüdesheim. Aus dem Rheingau, ihrem Elternhaus, entspringt auch die Leidenschaft für Gartenbau. Denn die Familie hatte Weinberge, in denen Rita Langrock als Achtjährige schon half. Dann aber sorgte die Liebe dafür, dass die junge Frau, die damals als Erzieherin in Wiesbaden tätig war, nach Dehrn zog. "Hier sind die Grundstücke für Familien günstiger als im Rheingau", sagt sie .

Seit 55 Jahren lebt sie nun schon im Dorf und mag den Ort und die Menschen. Eigentlich war Rita Langrock, als ihr Mann schwer erkrankt war, schon kurz davor, als Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, der größte im Kreis, nach 20 Jahren aufzuhören. "Doch mein Mann hat gesehen, wie sehr ich an diesem Verein hänge und hat mir vor seinem Tod den Ratschlag gegeben 'Mach' doch weiter'", sagt die Dehrnerin.

Von 190 auf 500 Mitglieder gewachsen

Wie sehr ihr Hobby Gartenbau noch immer ihr Leben bestimmt, zeigt sich daran, dass sie nach ihrem Eintritt in den Verein sofort als engagiertes Mitglied wahrgenommen und zur Zweiten Vorsitzenden gewählt wurde. Lubens Krekel habe sie gefragt, ob sie mitmachen wollte. Unter Berthold Fluck als Vorsitzendem hat Rita Langrock viel gelernt und dann die Vereinsführung übernommen. Eigentlich kostet die viele Arbeit an der Vereinsspitze, die Planung von Aktionen, Ausflügen und Festen, die 76-Jährige eine Menge Zeit, die sie manchmal lieber bei der Gartenarbeit verbringen würde. Doch es schwingt auch ein wenig die Angst mit, ihr Lebenswerk könnte kaputtgehen, wenn sie sich aus dem Vorstand zurückziehen würde.

Natürlich gibt es im Verein auch andere Menschen, die hervorragend mitmachen. Doch Langrock war über viele Jahre die, die immer vorneweg ging und am Ball blieb, damit alles läuft. Nicht jeder in Dehrn mag Langrocks extrovertierte Art. Doch keiner kann ihr absprechen, dass sie vieles angestoßen und umgesetzt hat und darum folglich großen Anteil daran hat, dass der Dehrner Obst- und Gartenbauverein während ihrer Amtszeit gegen den Trend von 190 auf 500 Mitglieder wuchs. Sie hat früh erkannt, dass der Verein irgendwann überaltern und aussterben würde, wenn sie nicht an junge Leute kommt. Die beste Methode dazu war, mehrfach im Jahr Aktionen für Kinder zu starten, vom Apfelmostpressen bis zum größten Kürbis. Die Folge: Junge Eltern kamen in den Vereinsgarten und blieben als Mitglieder. Langrock hofft, dass diese irgendwann mal den Verein übernehmen werden.

Von Rita Langrocks Hobby und Elan haben in Dehrn viele profitiert. Der Obst- und Gartenbauverein schmückt bei vielen Festen die katholische Kirche "St. Nikolaus" sowie bei zahlreichen Vereinsjubiläen das Bürgerhaus. "Wir sind in Dehrn zu einer festen Größe geworden", sagt Langrock stolz. Ihr Team zeigt den örtlichen Kindern schon, wie Gemüse und Obst angebaut, Saft und Marmelade hergestellt und ein Insektenhotel angelegt wird. "Nächstes Jahr wollen wir, wenn wieder möglich, mit den Kindern ein Gemüsebeet anlegen", sagt sie.

Der Vereinsgarten ist ein Paradies für Gartenbauer, mit 15 Apfelsorten, Birne, Kirsche, Pflaume und Mirabelle. Da werden Rot-, Weiß und Blumenkohl gesetzt, Kohlrabi, Bohnen, Kartoffeln und diverse Kräuter.

Langrocks Stellvertreterin Renate Kunz verrät beim Treffen dort: "Ich mache hier gerne mit, weil es ein guter Ausgleich zum Beruf ist, man gemeinschaftlich etwas in der Natur machen kann." Man habe frisches, ungespritztes Essen, mit dem man auch mal Nachbarn eine Freude machen könne. "Man ist draußen an der frischen Luft und hat Bewegung", ergänzt Emil Waldherr. Ihm mache es Spaß, in der Natur zu sein und daheim in der Küche selbst angebaute Sachen zu verwenden, so der 74-Jährige.

Lorenz Adam erinnert daran, dass auch in Dehrn Gartenarbeit früher alles andere als nur ein netter Zeitvertreib gewesen sei. "Es gab viel Armut hier, und wir hatten auch eine große Familie", berichtet Adam. So unterstützte er die Familie schon als Kind im eigenen Garten. Heute mache es ihm Freude, die Sachen wachsen zu sehen und dann frisches Gemüse und Salat zu ernten. Rita Langrock meint: "Ich kann bei der Gartenarbeit den Alltag völlig vergessen. Außerdem hält sie mich fit". Sie habe für die eigene Küche nie Obst und Gemüse dazugekauft. "Aus dem eigenen Garten schmeckt es anders, besser. Und ich habe hier immer was zu ernten", sagt sie.

Rita Langrock ist in ihrem eigenen Kleingarten täglich schon um 6 Uhr anzutreffen und genießt die Ruhe am frühen Morgen. "Ab 10 Uhr ist an der Lahn Hochbetrieb. Dann kann ich nicht mehr in Ruhe arbeiten, weil mich hier zu viele Leute kennen und dann mit mir ein Schwätzchen halten wollen", sagt sie. Abends ist sie meist um 21 Uhr noch einmal im Garten zum Gießen. Viel und täglich Gießen ist in den heißen Sommern für gute Ernte notwendig. Sie lockert die Erde gründlich, damit mehr Sauerstoff an die Pflanzen kommt. Und sie verwendet Hornmehl statt Kunstdünger, weil ihrer Erfahrung nach damit alles besser wächst.

Hochbeete mit Kompost und Reisig sorgen bei ihr für Wärme und schnelleres Wachstum. Hügelbeete vergrößern die Anbaufläche im Garten um 30 bis 40 Prozent. Tomaten werden mit eine Überdachung vor Regen geschützt. Damit der Porree besonders schmackhaft ist, wird die Erde um ihn angehäufelt. Das sorgt laut Langrock für mehr Suppengrün.

An der Lahn gibt es viele Mäuse und darum schützt die Dehrnerin ihren Spargel mit Körben drum herum. Sie hat am Rand des Grundstücks auch einen keinen Hügel angelegt, damit Hochwasser von der Lahn nicht reinläuft.

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