Kultursommer 2018

Karikaturen, Comedy und Klassik

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Der „Kultursommer 2018 – Dialog Runkel“ verspricht ein echter Publikumsmagnet zu werden. Schon bei der Eröffnung am Samstag ging die Sonne in den Herzen vieler Gäste auf, bei soviel Kreativität und Komik.

Zur Eröffnung des Runkeler Kultursommers am Samstag war mächtig was los in der Fürstenstadt. Die Eröffnung des „Parcours der komischen Kunst“ und die ausverkaufte Vorstellung des italienischen Musikcomedy-Duos „Microband“ begeisterten ebenso wie Musik aus dem Kanal und Unterwasserszenen in der Dunkelheit an Häuserwänden.

Satire kann so schön frech und provozierend sein. Da bittet ein deutscher Familienvater um Asyl im Flüchtlingsheim, weil er seine Sippe nicht mehr ertragen kann. Jesus ist ziemlich angepisst, weil ihm beim Laufen über das Wasser Obama auf Schlittschuhen die Show stiehlt. Es geht um Helikopter-Eltern, Menschen, die mit Schafen heulen, alternde Tattooträger und besonders auffällig unauffällige Jackpot-Gewinner. Manches wirkt auch schon ein wenig antiquiert, wenn dem Surfer beim Wellenreiten so langweilig ist, dass er nach einem guten alten Buch verlangt, statt einfach auf dem Smartphone zwischendurch ein paar Nachrichten zu tippen.

60 Karikaturen bekannter Namen der Szene wie Robert Gernhardt, Gerhard Glück, Hans Traxler, Marie Marcks und BeCK sind aktuell in der Runkeler Kreissparkassen-Filiale, in der Zehntscheune sowie in den Vereinsschaukästen und Schaufenstern einiger Geschäfte im Bereich bis zur alten Lahnbrücke zu sehen. Achim Frenz, Leiter des Frankfurter Museums, erklärte bei der Eröffnung: „Das Recht, andere beleidigen zu dürfen, ist höher einzustufen als das, sich beleidigt zu fühlen.“ Denn viele Menschen seien in ihrer Kleinkariertheit so groß, dass sie sich wegen allem beleidigt fühlten. Wegen einer kleinen Zeichnung müsse, so Frenz, niemand in die Luft gehen und schon gar keine anderen Leute in die Luft sprengen. Der Museumsleiter beantwortete die Frage, warum das Karikaturenmuseum ausgerechnet in Frankfurt stehe, wo sich sonst tagsüber alles um Bankgeschäfte und nachts um Verbrechen drehe. „Die Stadt ist tolerant und liberal“, erklärte Frenz. Nun seien während der Kultursommers Reproduktionen der schönsten Werke der besten Karikaturisten Deutschlands und Europas auch in Runkel zu sehen. Ebenso wie außergewöhnliches Musik und Theater.

Der ausverkaufte Auftritt der „Microband“ aus Italien in der Zehntscheune unter dem Motto „Klassik für Dummies“ verband beides. Die beiden Virtuosen auf vielen Instrumenten waren für Klassikfreunde genauso lustig wie für Klassikhasser. Danilo Maggio und Luca Domenicalli zerpflücken die Werke von Brahms oder Verdi, ohne sich über sie lustig zu machen. Da wurde auf vier Flöten genauso gespielt, wie zu zweit auf einer Geige. Die beiden „Marx Brothers der Music-Comedy“, wie sie als scheinbar tabulose Komiker von Medien genannt werden, können fast alles, auf Mini-Instrumenten spielen und sogar in Superzeitlupe.

Dreist stören sie sich mimisch brillant immer wieder gegenseitig im Buhlen um die Aufmerksamkeit des Publikums, um im nächsten Moment wieder gemeinsame Sache zu machen und große Spielkunst auf ihren Instrumenten auszupacken. Da wird plötzlich von Klassik zu „Azzurro“ übergegangen, zu Sirtaki-Klängen oder „Guantanamera“. Die Gäste klatschen und schnippen mit, spenden am Ende brandenden Applaus. „Ist schon verrückt, dass es die immer noch gibt“, sagt der Künstlerische Leiter des Kultursommers, Dieter Buroch. Die zwei hätten bei ihm schon vor 30 Jahren zur Eröffnung des Frankfurter Kulturhauses „Mousonturm“ gespielt.

Joachim Bullmann war begeistert: „Sonst gehen die meisten hier ja nur im eigenen Ort weg. Der Kultursommer verbindet“. Solch ein kulturelles Podium brauche die Stadt. Sonst gebe es außer den Dorffesten in Runkel nicht viel. Winfried Dormagen erinnerte das italienische Duo sehr an „Zimmermann & Zimmermann“ aus dem Kölner Karneval. Der Arfurter findet den Kultursommer bereichernd. „Er tut Runkel gut und bringt die Stadt in der Region ins Gespräch“, meint Dormagen. Die Qualität des kulturellen Angebotes sei sehr gut, doch es gehe auch darum, abends noch ein paar nette Leute zu treffen, sich zu unterhalten und ein Gläschen zu trinken. Thilo Gebhardt meint: „Der Versuch ist es wert, hier so etwas zu etablieren. Ich sehe bisher jedenfalls nur glückliche Gesichter“.

Der Runkeler Horst Gertz ist sich sicher, Runkel müsse froh sein, jemanden wie Dieter Buroch in seinen Reihen zu haben. „Städte wie Limburg oder Weilburg würden sich nach einer solch kompetenten Persönlichkeit im Kulturbereich die Hände lecken“, sagt er. Birgit Görl aus Runkel meint: „Ich bin kulturell sehr interessiert, gehe oft zu den Weilburger Schlosskonzerten.“ Es sei ein Geschenk für die Stadt Runkel, dass hier nun soviel kulturell Einzigartiges passiere.

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