Die Liebe – in der Oper meist tragisch

Bereits zum vierten Mal in Folge hat das Kammerensemble Classic der Deutschen Oper Berlin gestern und Samstagabend vor jeweils zirka 160 Besuchern in der evangelischen Kirche unter dem Motto

Bereits zum vierten Mal in Folge hat das Kammerensemble Classic der Deutschen Oper Berlin gestern und Samstagabend vor jeweils zirka 160 Besuchern in der evangelischen Kirche unter dem Motto „Vive l’Opéra“ die Opernfreunde aus Runkel und Umgebung verzückt. Präsentiert wurden diesmal die Höhepunkte der französischen Opernwelt. Kernthema der ausgewählten Stücke war die Liebe, die manchmal glücklich, meist in der Oper aber auch tragisch endet, wenn Eifersüchteleien ins Spiel kommen und Menschen kaltblütig ermordet werden.

Die Liebe hat auch, weniger dramatisch, die luxemburgische Sopranistin Patricia Feres in den heimischen Raum verschlagen. Die preisgekrönte Solistin der luxemburgischen Oper ist die Lebensgefährtin von Jörg Sauer, der als Moderator launig und kompetent durch den Abend führte. Denn ihm ist wichtig, dass die Leute nicht nur bekannte oder weniger bekannte und doch hörenswerte Opernmelodien erleben, sondern auch verstehen, was im Moment der Arie die Rollenfigur bewegt.

Das Kammerensemble Classic der Deutschen Oper hat sich gegründet, um Opernmusik in einer kleineren Besetzung auch in kleinere Räume wie eben die Runkeler Kirche bringen zu können. Hinzu kommt, dass Gage und Reisekosten einer großen Besetzung kleine Veranstalter überhaupt nicht tragen könnten.

Trotzdem war das Konzert am Samstag im Rahmen des Runkeler Kultursommers alles andere als ein Sparprogramm. Selbst wer nicht zu den absoluten Klassikfachleuten zählt, konnte schon nach wenigen Tönen feststellen, dass die Qualität deutlich über dem „schwebte“, was sonst so von semiprofessionellen Solisten in der Region zu hören ist. Patricia Freres überzeugte durch eine vielseitige, ausdrucksstarke und kraftvolle Stimme. Es war deutlich zu erkennen, dass sie sich auch bis zur Haarspitze in die verkörperten Figuren hineinversetzte, mit Tonlage und Mimik überzeugend Gemütszustände ausdrücken kann.

Oft sind bei Konzerten die Instrumentalisten nur die im Hintergrund verharrende Sängerbegleitung. Doch die Gäste aus Berlin kamen alle auch zu Soloeinlagen und zeigten dabei, dass jedes Instrument mit der nötigen spielerischen Klasse einen dauerhaften Eindruck auf Menschen hinterlassen kann. Klarinettist Matthias Höfele sowie Querflötist Jochen Hofmann geben auf ihren Instrumenten nicht umsonst bei der Berliner Oper den Ton an. Die Konzertpianistin Tatjana Blome am Flügel lief ebenfalls zur Höchstform auf und ließ die Finger teilweise nur so über die Tasten fliegen.

Kopf des Klassik-Ensembles ist aber Helge Bartholomäus, der nach 40 Spieljahren bei der Deutschen Oper Berlin schon eine Institution ist und für das Ensemble immer wieder neue, interessante Programme kreiert. Da die Musiker aber alle vielbeschäftigt sind, konnte das Kammerensemble diesmal Bürgermeister Friedhelm Bender keine Zusage machen, 2015 das fünfte Mal in Serie wieder nach Runkel zu kommen. Runkels Verwaltungschef war aber pfiffig und verschenkte Runkeler Roten, damit die Gäste die Stadt so schnell nicht vergessen werden.

Am gegen Ende immer stärker werdenden, brandenden Applaus merkten die Musiker, dass das Programm überaus zu gefallen wusste. Die Opernfreunde gingen mit unvergesslichen Eindrücken nach Hause, denn etwas dieser Qualität bekommt man außerhalb der Großstädte sicher nicht alltäglich geboten. Vor allem war der diesmal gebotene Querschnitt für die Künstler nicht leicht umzusetzen, da jedes Werk von verschiedenen Komponisten es nicht zuließ, sich auf einen Stil einzustellen, so wie es nach Angaben von Sauer bei Puccini im vergangenen Jahr der Fall war.

So musste Freres bei „Carmen“ nicht nur die Titelheldin verkörpern, sondern ebenso ihre Nebenbuhlerin Micaela. Zu einem glücklicheren Ende führt „Lodoiska“ (von Johann Simon Mayr), bei der Graf Floreski am Ende seine verschleppte Traumfrau wiederfindet. In „Gustavus III“ (von Verdi) wird der schwedische König dagegen bei einem Maskenball erschossen, weil der Ehemann der von ihm geliebten holden Frau vor Eifersucht rast. Schrecklich auch das Ende von Massenets luxussüchtigen Titelheldin „Manon“ (von Puccini), die nach ihrer Gefangenschaft den Geliebten „des Grieux“ zwar noch einmal wiederfindet, aber todkrank in seinen Armen sterbend zusammenbricht. Eine wunderschöne Arie singt auch noch die „Antonia“ aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, bevor sie Arm in Arm mit dem Dichter stirbt. Und da sage noch einer, Runkel sei eine verschlafene Stadt. rok

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