Im Kellergewölbe eines rückwärtigen Anbaus der ehemaligen Amtsapotheke befindet sich eine gute erhaltene Mikwe.
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Im Kellergewölbe eines rückwärtigen Anbaus der ehemaligen Amtsapotheke befindet sich eine gute erhaltene Mikwe.

Runkel

Spektakulärer Fund: Mystisches Relikt in altem Kellergewölbe entdeckt

Ein Traum vieler Historiker wurde im hessischen Runkel bei Limburg wahr. In einem Kellergewölbe entdeckten die Hobbyforscher ein spektakuläres Relikt aus dem Mittelalter.

Runkel – Kaum einer weiß, dass sich auf dem Grundstück Burgstraße 10 einst ein Zentrum jüdischen Lebens von Runkel befunden hat. Allerdings lag die Burgstraße seinerzeit noch außerhalb von Runkel, dessen Stadtgrenzen vom Burggraben markiert waren.

Hobbyhistoriker Wolfgang Quaschinski berichtet, dass sich bereits im frühen 14. Jahrhundert die ersten Juden im Schatten der Burg angesiedelt hatten. Auch wenn es ihnen nicht erlaubt war, innerhalb des Burgbergrings zu leben, so standen sie doch unter dem Schutz des Burgherrn. Denn einerseits trugen sie als Händler zum Gedeih von Runkel bei, anderseits zahlten sie nicht unerhebliche Summen als Gegenleistung für ihren Schutzstatus.

Spektakulärer Fund in Runkel bei Limburg: Mystisches Relikt aus dem Mittelalter

„Auch wenn ich noch keinen Experten auftreiben konnte, der mir mehr über unsere jüdische Bevölkerung im Mittelalter erzählen konnte, so gehe ich doch davon aus, dass es sich um eine recht ansehnliche Gemeinde gehandelt haben muss“, so Quaschinski. Denn vor einigen Jahre entdeckte er unterhalb des rückwärtigen Anbaus der ehemaligen Amtsapotheke eine sehr gut erhaltene Mikwe.

„Irgendwann kam ich mit dem damaligen Besitzer von der Burgstraße 10 über den Brunnen auf meinem eigenen Grundstück und den über die letzten Jahre stetig gesunkenen Grundwasserspiegel ins Gespräch“, erinnert sich Quaschinski, dem das ehemalige Burgmannenhaus gehört. Einen Brunnen habe er auch, berichtete der Nachbar, jedoch nicht im Garten, sondern im Keller. Da sei von Grundwasser auch nicht mehr zu erkennen. Kurzerhand stiegen die beiden Männer in das historische Gewölbe unter dem Anbau der ehemaligen Amtsapotheke hinab, um sich den vermeintlichen Brunnen anzuschauen.

Kellergewölbe in Runkel erheblich älter als Wohnhaus

„Mir war sofort klar, was ich hier vor Augen habe“, sagt der leidenschaftliche Geschichtsforscher, „nämlich ein jüdisches rituelles Tauchbad“. Die in die Tiefe führenden Stufen seien ein klares Indiz dafür. Allerdings sprach er den Gedanken nicht laut aus, da er damals befürchtete, dass der Hausherr davon nicht besonders erfreut gewesen wäre. Denn für die Angehörigen des jüdischen Glaubens hatte besagter Mann meist nur abfällige Worte.

Erst 2014, als die Burgstraße 10 einen neuen Besitzer hatte, griff Quaschinski das Thema Mikwe wieder auf und stieß bei den Eigentümern auf offene Ohren. Mit deren Einverständnis nahm er Kontakt zur Denkmalpflege auf. "Da die Besitzverhältnisse der ehemaligen Amtsapotheke ab 1680 aktenkundig sind, ist davon auszugehen, dass die Nutzung der Mikwe in die davorliegende Zeit zurückreicht ", erklärt der 83-Jährige. Zudem sei nachgewiesen, dass das Kellergewölbe erheblich älter ist als das Wohnhaus.

Runkel bei Limburg: Hobbyforscher machen mystische Entdeckung in einem alten Gewölbe

Das Gewölbe hat eine Grundfläche von 44 Quadratmetern. "Für eine reine Badkammer wäre das ungewöhnlich groß. Ich gehe deshalb davon aus, dass der Raum einem weiteren Zweck diente", so Quaschinki. Untermauert wird seine Vermutung durch das Vorhandensein eines etwa zehn Zentimeter hohen Podestes an der westlichen Wand. Dieses mit Steinen eingefasste erhöhte Feld ist vier Meter lang und 1,20 Meter breit. Möglicherweise wurde der Keller also nicht nur für das rituelle Tauchbad, sondern auch als Synagoge genutzt.

Es wäre spannend zu wissen, ob die Mikwe und das Gewölbe in jüdischem Privatbesitz waren oder der jüdischen Gemeinschaft zur Verfügung stand und welche jüdischen Namen mit dieser Einrichtung in Verbindung stehen, so Quaschinski. Vielleicht wird die Forschung weitere Erkenntnisse bringen. (Kerstin Kaminsky)

Immer wieder entdecken Hausbesitzer spannende Relikte aus vergangenen Zeiten. Ein Ehepaar hat in seinem Haus einen kuriosen Fund gemacht. Unter dem Teppich des Arbeitszimmers verbarg sich die ganze Zeit ein römisches Bad.

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