Nach Streit ließ er sich volllaufen

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Nicht von Erfolg gekrönt war die Berufungsklage eines 38 Jahre alten Diezers, der am 13. Juni vergangenen Jahres von Polizeibeamten auf der „Hofener Höhe“ volltrunken in seinem mit laufendem Motor stehenden Wagen aufgefunden wurde.

Es ging um eine Strafe von 1750 Euro, zu der das Amtsgericht den Mann wegen einer Trunkenheitsfahrt verurteilt hatte. Dagegen legte der 38-Jährige Berufung ein.

Der Fall: Nach einem Streit mit seiner Verlobten hatte der Mann die gemeinsame Wohnung in Diez verlassen und war in Richtung Runkel gefahren. Während der Fahrt rief er mit seinem Mobiltelefon die Verlobte immer wieder an und gab ihr seinen jeweiligen Standort bekannt. Die Frau, die solche Eskapaden offenbar gewohnt war, machte sich Sorgen um ihren Lebenspartner – sie befürchtete einen möglichen Selbstmordversuch – und unterrichtete die Polizeistationen in Diez und Limburg von der „Irrfahrt“ des Mannes und gab an, sie vermute, dass ihr Verlobter unter Alkoholeinfluss steht.

Während der Fahrt von Steeden in Richtung Hofen hatte er bereits einen Leitpfosten beschädigt und parkte sein Auto nunmehr auf einem Feldweg der „Hofener Höhe.“ Gegen 0.30 Uhr stellten ihn die von der Verlobten alarmierten Polizeibeamten, die eine Blutprobe anordneten. Ergebnis: Beim Angeklagten wurde eine Blutalkoholkonzentration von 1,78 Promille festgestellt.

Der Angeklagte, der nach Befragen des Vorsitzenden der Berufungskammer am Limburger Landgericht, Norbert Knapp, über das Ziel der Berufung befragt wurde, ließ durch seinen Verteidiger Jürgen Arnold die lapidare Erklärung kundtun: „Wir wollen einen Freispruch.“

Er schilderte das Geschehen so: „Ich bin am Tattag nach Hause gekommen, habe noch zwei Feierabendbier getrunken und bekam dann Streit mit meiner Verlobten.“ Er sei dann mit seinem Auto durch die Gegend gefahren, habe auf der Fahrt einen Leitpfosten umgefahren und habe sich dann auf einen Feldweg gestellt und acht bis zehn Flaschen Bier getrunken. Die leeren Flaschen habe er weggeworfen. Er bestritt, dass er betrunken Auto gefahren sei. Nach dem Konsum der Bierflaschen, habe er seinen Vater oder Bruder wegen einer Rückfahrt nach Diez anrufen wollen.

Der Polizeibeamte, der den Angeklagten auf der „Hofener Höhe“ angetroffen hatte, sagte, der 38-Jährige habe einen betrunkenen Eindruck gemacht. Im Auto habe er, der Zeuge, mehrere volle Bierflaschen gesehen. Leere Bierflaschen seien ihm nicht aufgefallen.

Das Gericht verwarf die Berufung des Angeklagten schließlich auf Antrag der Staatsanwaltschaft. Unter anderem deshalb, weil sich bei dem von dem Angeklagten beschriebenen erheblichen Nachtrunk nach dem „Feierabendbier“ in Diez der Promillewert bei einer zweiten angeordneten Probe hätte steigen müssen. In diesem Falle fiel jedoch der Blutalkoholwert nach der Blutentnahme. Für die bereits entzogene Fahrerlaubnis wurde eine zusätzliche Sperrfrist von drei Monaten ausgesprochen. Wegen einer festgestellten Blutalkoholkonzentration von mehr als 1,6 Promille erwartet den Angeklagten nunmehr eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU).

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