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Oberlahn: Mit dem Fahrrad auf den Spuren des Marmors

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Von: Tobias Ketter

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Der Blick von der Badeinsel auf die Burg von Runkel ist einmalig.
Der Blick von der Badeinsel auf die Burg von Runkel ist einmalig. © Tobias Ketter

NNP-Redakteur entdeckt spannenden Orte im Kerkerbachtal und an der Lahn

Oberlahn -Es ist ein sonniger Freitagvormittag. Hochmotiviert steige ich in Gräveneck auf mein Fahrrad. Nahe dem dortigen Campingplatz verlasse ich den Radweg entlang der Lahn und biege nach rechts ab. Zunächst geht es auf die Landesstraße 3452, die über eine Brücke führt. Mein erstes Ziel ist die Ortschaft Wirbelau. Um dort hinzukommen, muss aber ein recht langer und gleichmäßiger Anstieg auf der L 3452 bewältigt werden. Es geht rund einen Kilometer bergauf. Man fährt durch einen Wald und vorbei an einigen schönen Wiesen. Am höchsten Punkt angekommen brennen meine Beine extrem. Aber das Schlimmste ist nun - zumindest vorerst - geschafft. Der letzte Streckenabschnitt vor Wirbelau ist eben und bietet keinerlei Schwierigkeiten.

In dem Runkeler Stadtteil schaue ich mir die Statue namens „Gretchen von Wirbelau“ an. Die Skulptur entstand im Jahr 1999. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Landkreises Limburg-Weilburg gab es damals ein Bildhauer-Symposium, an dem auch Karl Matthäus Winter aus Limburg teilnahm. Er wählte für sein Kunstwerk den Wirbelauer Marmor, aus dem dann die Statue geschaffen wurde. Im Jahr 2001 verschenkte Winter die Skulptur an die Ortschaft Wirbelau.

Steiler Anstieg und rasante Abfahrt

Es geht weiter entlang der Landesstraße. Diese schlängelt sich vom Wirbelauer Ortskern hinauf zur Runkeler Straße (L 3020). Der Anstieg ist kurz, aber extrem steil. Er ist definitiv nur für geübte Radfahrer geeignet. Oben angekommen habe ich einen Puls von 190 und ich schnappe nach Luft. Nach der Überquerung der L 3020 geht es endlich bergab in Richtung Schupbach. Auf der rasanten Abfahrt kann ich etwas durchatmen. Es ist allerdings Vorsicht geboten. Denn die Kurven sind mitunter recht scharf. Auf dem Streckenabschnitt sind nur wenige Autos zu sehen. Man hat die Straße fast ganz für sich alleine. Kurz vor Schupbach verlasse ich endlich die Landesstraße. Es geht auf einem Waldweg hinein in das Kerkerbachtal. An der Abzweigung mache ich eine Pause. Dabei beobachte ich einen Specht, der immer wieder mit seinem Schnabel einen Baum bearbeitet.

Der Weg durch das Kerkerbachtal verläuft zunächst eben auf einer asphaltierten Straße. Er biegt dann nach links ab und führt über eine breite und geschotterte Piste mit einigen kleineren Anstiegen und Abfahrten. Mein nächstes Ziel ist Eschenau. Dort angekommen begutachte ich eine Marmorbrücke. Sie wurde zwischen 1894 und 1895 errichtet. Dabei verwendeten die Verantwortlichen Marmor der Sorte „Schupbacher Schwarz“.

Weiter geht es durch ein Waldstück in Richtung Runkel-Kerkerbach. Der Weg ist recht schmal aber nahezu eben. Ich fahre an der Hofener Mühle vorbei und überquere die Landesstraße 3022, welche von Schadeck nach Hofen führt. Die Gegend ist ruhig und idyllisch. Kaum ein anderer Radfahrer oder Spaziergänger begegnet mir. Im Wald hört man nur den Wind rauschen. Wenig später entdecke ich dann auf einer Lichtung mehrere Reiher, die wohl gerade auf Nahrungssuche sind. Nachdem ich ein weiteres Waldstück durchfahren habe, komme ich in Kerkerbach an, wo die Alternativroute endet. Ab hier besteht die Gelegenheit, dem „normalen“ Lahn-Marmor-Weg in Richtung Limburg zu folgen. Es ist aber auch möglich, flussaufwärts zurückzufahren und die Orte Runkel sowie Villmar anzuschauen. Diese werden nämlich umfahren, wenn man die Alternativroute wählt.

Ich entscheide mich dafür, der Burgenstadt und dem Marktflecken einen kurzen Besuch abzustatten. Innerhalb weniger Minuten gelangt man von Kerkerbach aus über den Radweg nach Runkel. Hier lädt die Badeinsel mit Blick auf die Burg zum Verweilen ein. In der Burg gibt es übrigens zwei Kamine aus Lahnmarmor.

Der Weg von Runkel nach Villmar ist keine große Herausforderung. Die rund dreieinhalb Kilometer lange Strecke entlang der Lahn ist schnell bewältigt. Ín Villmar können dann zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Attraktionen bestaunt werden. Darunter befindet sich auch das Lahn-Marmor-Museum, das die Bedeutung des Kalksteins auf einzigartige Weise darstellt.

Meine zweistündige Radtour endet an der König-Konrad-Halle. Dort wo heute Feste und Sitzungen stattfinden, war übrigens bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts der Firmensitz von „Dyckerhoff & Neumann“. Das Unternehmen verarbeitete früher den Lahn-Marmor.

Insgesamt konnte ich die Radtour wirklich genießen. Besonders in den Wäldern kann man die Seele baumeln lassen. Jedoch ist die Strecke nicht für Familien mit kleineren Kindern geeignet. Die beiden schwierigen Anstiege zwischen Gräveneck und Schupbach sind nämlich eher etwas für geübte Radfahrer. Darüber hinaus ist die Route aufgrund der Abfahrt in Richtung Schupbach und wegen des recht langen Aufenthalts auf der Landesstraße nicht ungefährlich.

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