Bernd Polomski vor dem Dehrner Raben auf dem Dorfplatz.
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Bernd Polomski vor dem Dehrner Raben auf dem Dorfplatz.

Dienstältester Ortsvorsteher von Runkel

Runkel: 28 Jahre lang im Dauereinsatz für "sein" Dorf

  • Rolf Goeckel
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Ortsvorsteher Bernd Polomski stellt sich nicht mehr zur Wahl - Die örtliche Verkehrsbelastung war sein großes Thema

Dehrn -Seit 28 Jahren ist Bernd Polomski (Bürgerliste) Ortsvorsteher von Dehrn; er ist damit der dienstälteste Ortsvorsteher der Stadt Runkel. Zur Kommunalwahl an diesem Sonntag tritt der 67-Jährige nicht mehr an. "Es sind viele junge Leute im Ort, die etwas bewirken wollen, die gab es vor fünf Jahren noch nicht", begründet Polomski seinen Schritt. "Ich will auch nicht raus getragen werden und die Leute sagen 'Gott sei Dank ist er weg'."

Begonnen hat Bernd Polomski sein ehrenamtliches kommunalpolitisches Engagement im Jahr 1993. Er gehörte damals zu den Mitbegründern der Runkeler Bürgerliste, die aus zwei Initiativen in Dehrn und in Steeden entstanden war. Zum einen, erinnert sich Polomski, ging es um die Abrechnungen von Hausanschlüssen für die Wasserversorgung, bei denen "vieles unklar" gewesen sei. Zum anderen gab es Ärger mit der Suche nach einer ökologischen Ausgleichsfläche für das neu entstehende Gewerbegebiet Kerkerbach.

Der Eigentümer einer Kiesgrube vor dem Dehrner Wald, die er als Fischteich nutzte, durfte sein Anwesen nicht mehr nutzen, weil es von der Stadt zur ökologischen Ausgleichsfläche für das Gewerbegebiet erklärt worden war. Diese "kalte Enteignung", wie Polomski den Vorgang rückblickend gezeichnet, sorgte in Teilen der Bevölkerung für Empörung und war damit einer von mehreren Auslösern für die politische Neugründung der Bürgerliste.

Aber auch einen ganz persönlichen Grund, sich in der Stadtpolitik zu engagieren, hatte der damals 40-jährige Maschinenbautechniker: Die rechte Partei "Die Republikaner" bewarb sich um Mandate in der Runkeler Stadtverordnetenversammlung - und das wollte Polomski nach Möglichkeit verhindern. Seine Ehefrau, eine Philippina, hatte zuvor mehrere Anfeindungen von Rechtsradikalen erlebt, unter anderem in einem Limburger Restaurant. Für Polomski war damals klar: "Da darf man nicht in der Kneipe sitzen bleiben, sondern muss den Hintern hoch bekommen."

Die Wahl Polomskis zum Ortsvorsteher sollte sich als Glücksfall für Dehrn erweisen, war der Neu-Kommunalpolitiker doch entschlossen, nicht nur 100 Prozent, sondern 150 Prozent zu geben und sprichwörtlich dicke Bretter zu bohren. Fast täglich war er für seinen Heimatort im Einsatz. Sein Wahlspruch dabei lautete: "Wer nicht kämpft hat schon verloren. Nichts zu machen, ist fatal. Man hat zwar nicht immer Erfolg, aber man muss es wenigstens probieren." Viele Behörden der Region, ja selbst das Regierungspräsidium in Gießen und das Verkehrsministerium in Wiesbaden, erhielten in den darauffolgenden knapp drei Jahrzehnten immer mal wieder Post vom Dehrner Ortsvorsteher, in denen es häufig um "sein großes Thema" ging: Wie kann die Belastung des Runkeler Stadtteils mit Durchgangsverkehr verringert werden?

Im Jahr 2012 dann der große Erfolg: Die Dehrner Nordumgehung wird eröffnet - ein Projekt, für das Bernd Polomski und der Dehrner Ortsbeirat jahrelang gekämpft hatten. Seitdem ist der innerörtliche Verkehr merklich zurückgegangen, wenngleich er in jüngster Zeit wieder angewachsen ist, wie der scheidende Ortsvorsteher kritisch anmerkt.

Das mag damit zusammenhängen, dass das letzte Verkehrsprojekt, das sich der Ortsbeirat auf die Fahnen geschrieben hat, bisher nicht verwirklicht worden ist: Die Südumgehung mit Neubau einer Lahnbrücke. Die ist aus Polomskis Sicht notwendig, um den Schwerlastverkehr zwischen der B 49 und der B 8/A 3 aus dem Ort herauszuholen.

"Ich könnte jeden Tag ein Bild von einem 40-Tonner machen, der über die Dehrner Lahnbrücke fährt", klagt der Ortsvorsteher. Er hofft, dass sein Nachfolger den Bau der Südumgehung erleben wird. Denn: "Wir müssen unseren Ort so gestalten, dass junge Leute eine gewisse Wohnqualität vorfinden", ist er überzeugt. Abgesehen von der Verkehrsbelastung sei Dehrn gut aufgestellt: "Wir haben eine Kita, eine Grundschule, einen Arzt und Einkaufsmöglichkeiten."

Das zweite große Ziel von Bernd Polomski war die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Auf die Tagesordnung gelangte dieses Thema aus Anlass der 800-Jahr-Feier Dehrns im Jahr 1997. Polomski gelang es, alle Ortsvereine und Gruppen, die sich zuvor nicht immer nur grün waren, an einen Tisch zu holen, um ein rauschendes Jubiläumsfest zu feiern. Der Gemeinschaftsgeist von damals hat sich bis heute gehalten, freut sich der Ortschef. Zu besichtigen beispielsweise auf dem Multifunktionsplatz und dem Dehrner Dorfplatz - beides Projekte, die das Bündnis Ortsmittelpunkt Dehrn (BOD) mit finanzieller Unterstützung aus Mitteln der Dorferneuerung geschaffen hat. Fehlt noch ein neuer Bootsanleger, für den es bisher noch kein grünes Licht des Wasser- und Schifffahrtsamtes gibt.

"Das ist wie in einer Familie

Unvergesslich ist Bernd Polomski auch der Kampf gegen den Bau einer Steinbrechanlage am Ortausgang in Richtung Dietkirchen. Ein Bauunternehmer wollte dort Schutt recyceln; der Ortsvorsteher war sogleich alarmiert. "Denn das hätte Staub, Lärm und Lkw-Verkehr" bedeutet. Polomski scheute sich nicht vor Auseinandersetzungen mit dem damaligen Runkeler Bürgermeister Hans-Jürgen Heil (CDU), über dessen Kopf hinweg er sich sogar ans Regierungspräsidium Gießen wandte. Mit Erfolg: Die Oberbehörde untersagte den Bau der Steinbrecheranlage.

Es gab aber auch Niederlagen für den rührigen Ortsvorsteher. In seinen 28 Amtsjahren ist es ihm nicht gelungen, eine positive Entwicklung für das Dehrner Schloss anzuschieben - trotz intensiver Bemühungen, wie er versichert. Weder siedelte sich in dem historischen Gemäuer ein Hotel noch ein großes Unternehmen an, und auch zeitweise Überlegungen, die Kreisverwaltung dort anzusiedeln waren nicht von Erfolg gekrönt.

Bernd Polomski war aber nicht nur unermüdlich für "sein" Dehrn im Einsatz. Er war Ansprechpartner für viele Bürger auch bei so manchen privaten Problemen. Oft genug war er Vermittler, wenn es Schwierigkeiten mit der Stadtverwaltung oder einer anderen Behörde gab. Für Polomski eine Selbstverständlichkeit: "Wenn ich ein Mandat annehme, muss ich mich um alles kümmern, das ist wie in einer Familie."

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