Eines der drei baugleichen Häuser, die Albert Egenolf (links) sanieren und vermieten will. Die Anwohner zeigten sich bei dem Ortstermin erzürnt über die Pläne.
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Eines der drei baugleichen Häuser, die Albert Egenolf (links) sanieren und vermieten will. Die Anwohner zeigten sich bei dem Ortstermin erzürnt über die Pläne.

Anwohner machen mobil

Runkel: Anwohner befürchten sozialen Brennpunkt und Parkplatznot

  • VonRobin Klöppel
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Unternehmer Albert Egenolf hat drei Häuser "Auf der Hohl" gekauft, die er sanieren und vermieten will

Steeden -Im Bereich "Auf der Hohl" in Steeden brodelt es. Der Dehrner Unternehmer Albert Egenolf hat dort drei Häuser erworben, die die Kalkwerke 1954 für ihre Mitarbeiter errichtet hatten. Rechtlich kann Egenolf niemand verbieten, die zwölf vorhandenen Wohnungen sanieren zu lassen und zu vermieten. Doch die Nachbarn machen mobil dagegen. Sie befürchten, dass das Ganze in einem Verkehrschaos enden wird. Sie haben zudem Angst, Egenolf könnte nur an sozial schwache Familien vermieten, so dass hier ein sozialer Brennpunkt entstehen könnte.

Folglich musste Egenolf sich, als er sich den Anwohnern bei einem Ortstermin stellte, einiges anhören. Die ebenfalls zahlreich erschienenen Runkeler Mandatsträger und Steedener Ortsbeiratsmitglieder hielten sich erst einmal bedeckt. Ortsvorsteher Hans-Karl Trog (SPD) sagte einer Anwohnerin, dass er keinem öffentlichen Kommentar zu der Sache abgebe, solange sie in den Gremien noch nicht besprochen worden sei. Stand der Dinge ist laut Egenolf, dass die drei noch in den Häusern wohnenden Familien weiter dort wohnen bleiben könnten. Die anderen Wohnungen wolle er zu einem günstigen Preis vermieten. Dass er dort Sozialwohnungen schaffen wolle, habe er aber nie gesagt. Und für Egenolf ist auch niemand asozial, nur weil er sich vielleicht in Limburg keine Wohnung mehr leisten könne und darum nach Steeden ziehe. In Dehrn habe er schon häufig Häuser vermietet - und nirgendwo könne jemand behaupten, dass dort ein sozialer Brennpunkt entstanden sei, merkte der Unternehmer an.

Penthousewohnung geplant

Was die Parkplätze betrifft, ist laut Egenolf die Rechtslage, dass die drei Häuser Bestandschutz hätten und er folglich für deren Wiedervermietung keine weiteren Parkplätze schaffen müsse. Genehmigt bekommen habe er auch, in einem der Gebäude eine Penthousewohnung zu bauen. Hierfür müsse er laut Stellplatzsatzung der Stadt Runkel 1,5 Parkplätze nachweisen, für zwei weitere geplante Anbauwohnungen pro Haus weitere drei Stellplätze. Egenolf zeigte auf den Plänen, dass er die geforderten elf Parkplätze auf dem Grundstück nachweisen könne und somit auf der sicheren Seite sei. Was die Anwohner allerdings wütend machte. Denn erstens würde die Zufahrt zu diesen Parkplätzen ihrer Ansicht nach dazu führen, dass vor den Gebäuden künftig niemand mehr am Straßenrand parken könnte. Und die neuen Mieter der Wohnungen würden, wie die Anlieger befürchten, auch nicht wenige Autos mitbringen, so dass in den Straßen um der "Hohl" ein erhebliches zusätzliches Verkehrschaos entstehen würde. Jetzt schon halten die Anwohner die Parksituation für sehr angespannt.

Egenolf fragte, warum die Stadt bei der TSV-Turnhalle gegenüber nicht ihr Vorverkaufsrecht wahrgenommen und dort Parkplätze geschaffen habe. Er forderte die Anlieger auf, Vorschläge zur Lösung des Konfliktes zu machen. Diese forderten dagegen Egenolf auf, Lösungen anzubieten und freiwillig zusätzliche Parkplätze auf dem Gelände zu schaffen. Egenolf mache doch ständig Geschäfte mit der Stadt und könne ihr doch mal entgegenkommen, hieß es.

Auch Stadtrat Alexander Bullmann (Bürgerliste) bat Egenolf, noch einmal in sich zu gehen und zu überlegen, ob er nicht doch auf der Wiese zwischen und hinter den Gebäuden mehr Parkplätze schaffen könne als er müsse. Dies, damit nicht so viele seiner Mieter auch auf der Straße parken und die Situation und den Konflikt weiter verschärfen.

Sichtlich verärgert über Kritik

"Sie gehen jetzt nach Hause und werden sich künftig hier nie wieder blicken lassen", sagte eine Anwohnerin zu Egenolf. Doch die Anwohner müssten nun vielleicht die nächsten 30 Jahre mit der Situation klarkommen. "Wollen Sie mir hier wirklich verbieten, das zu tun, was mein gutes Recht ist?", antwortete Egenolf, über die heftige Kritik der Steedener Bürger sichtlich verärgert. Denn diese warfen ihm vor, nur an sein Geschäft und Zuschüsse für Sozialwohnungen zu denken, nicht aber an die Lebensqualität der Steedener. Ob sich die Gemüter wieder halbwegs beruhigen und ob noch ein Kompromiss zwischen Egenolf, Stadt und Anwohnern möglich ist, muss abgewartet werden. Fakt ist, dass um das Gelände der drei Häuser keine freien Flächen mehr sind, wo von städtischer Seite zusätzliche Parkflächen für die etablierten Anwohner und neuen Egenolf-Mieter geschaffen werden könnten.

Albert Egenolf schlug gestern in einem Gespräch mit dieser Zeitung der Stadt Runkel einen Deal vor. Er sei freiwillig bereit, auf dem Grundstück auf den Anbau von pro Haus zwei weiteren Wohnungen zu verzichten und stattdessen auf dem Grundstück freiwillig zwölf weitere Parkplätze zu schaffen. Allerdings verlange er dafür von der Stadt Runkel einen Teil des gegenüberliegenden und seiner Meinung nach sowieso überdimensionierten Spielplatzgeländes, um dort dann noch sechs weitere Mietwohnungen verwirklichen zu können.

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