Eberhard Bremser (links) und Harald Machoi fragen sich, wie ein Gehbehinderter in den Zug Richtung Limburg kommen soll.
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Eberhard Bremser (links) und Harald Machoi fragen sich, wie ein Gehbehinderter in den Zug Richtung Limburg kommen soll.

Barrierefreiheit gefordert

Limburg-Weilburg: Bahnhof in Runkel ist für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar

  • vonRobin Klöppel
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Der zweite Bahnsteig am Bahnhof in Runkel ist für Menschen mit Gehbehinderung nicht zugänglich. Ein Ortsvorsteher sieht Handlungsbedarf.

Runkel - Die Zustände am Runkeler Bahnhof sind nach Meinung des Ortsbeirats und der Ortsgruppe Runkel des Sozialverbands VdK nicht mehr länger hinnehmbar. Wie Ortsvorsteher und langjähriger Bahn-Gewerkschafter Eberhard Bremser (SPD) bei einem Ortstermin erklärte, sei es nicht länger akzeptabel, dass der zweite Bahnsteig auf dem Runkeler Bahnhof für Gehbehinderte kaum und für Rollstuhlfahrer überhaupt nicht zugänglich ist. Somit könne ein Betroffener überhaupt nicht eigenständig von Runkel mit der Bahn nach Limburg fahren.

Bremser möchte nicht von der Bahn um weitere Jahre vertröstet werden und sieht hier zügigen Handlungsbedarf. Was der Runkeler Ortsvorsteher ebenfalls bemängelt, ist, dass nicht jeder Zug auf der Strecke Einstiegshilfen mit sich führt. Einen Höhenunterschied von 40 Zentimetern zu bewältigen, sei selbst für ihn nicht leicht. Wie solle da jemand in den Zug kommen, der schwer gehbehindert ist, fragt sich der ehemalige Lokführer.

Bahnhof in Runkel: Ortsvorsteher macht sich für Barrierefreiheit stark

Bremser spricht sich klar dafür aus, dass der Bahnsteig derart umgestaltet wird, dass die Züge ohne Höhenunterschied von Passagieren betreten werden können. Unverständlich ist für Eberhard Bremser außerdem, dass vor dem Runkeler Fahrkartenautomaten eine Stufe zu bewältigen ist. So könnten auch hier Gehbehinderte kaum oder gar nicht hingelangen. Harald Machoi, Vorsitzender des VdK Runkel, ergänzte, dass es auch für Eltern mit Kinderwagen ein Problem darstelle, auf den Bahnsteig zwei zu kommen. Die Zugangstür zu den Bahnsteigen sei nur gerade einmal 90 Zentimeter breit, so dass man mit größeren, moderneren Rollstühlen hier überhaupt nicht mehr durchkomme.

Außerdem findet Machoi schade, dass selbst bei aktuellen Maßnahmen im Öffentlichen Personennahverkehr nicht immer an das wichtige Thema Barrierefreiheit gedacht werde. So kann es der Ennericher überhaupt nicht verstehen, dass beispielsweise 2020 eine neue Bushaltestelle in der Schadecker unteren Heerstraße neu errichtet worden sei, ohne einen ebenerdigen Zustieg für Fahrgäste zu schaffen. Da diese in wenigen Jahren Vorschrift seien, mache es überhaupt keinen Sinn, jetzt noch Bushaltestellen neu zu bauen, ohne diesen Punkt zu berücksichtigen, kritisiert Machoi.

Uringestank und herumliegender Müll: Wartehäuschen am Bahnhof in Runkel verschmutzt

Runkels Ortsvorsteher Bremser stößt am Runkeler Bahnhof zusätzlich sauer auf, dass das Wartehäuschen mittlerweile zur öffentlichen Toilette zweckentfremdet worden sei und es dort penetrant nach Urin stinke. Zudem könnte die Bahn nach Meinung des SPD-Stadtverordneten öfter mal den am Bahnhof herumliegenden Müll entfernen. Für wartende Reisende sei dieses Umfeld alles andere als einladend.

Der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Tobias Eckert hat das Anliegen des Runkeler Ortsbeirates in einer kleinen Anfrage an den Hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) aufgegriffen. Der Minister bestätigt in seiner Antwort: "Eine stufenfreie Erreichbarkeit (des zweiten Bahnsteigs) ist nicht gegeben." Die Bahnsteige seien in einem erneuerungsbedürftigen Zustand und ermöglichten aufgrund der Fußbodenhöhe der Fahrzeuge keinen barrierefreien Einstieg. Al-Wazir weiter: "Der Umbau der Verkehrsstation Runkel steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Projekt "Elektronisches Stellwerk Obere Lahn", in dessen Rahmen auch die technische Ausgestaltung von Bahnsteiganlagen und Bahnsteigzugängen angepasst werden muss." Mit der Ablösung der alten mechanischen Stellwerktechnik werde auf dieser Strecke mittelfristig die Betriebsqualität und Flexibilität bedeutend verbessert.

Bahnhof in Runkel: Bahnsteig soll zurückgebaut werden - Baubeginn noch unklar

Der stellvertretende hessische Ministerpräsident verspricht, dass im Zuge des genannten Projektes der zweite Runkeler Bahnsteig zurückgebaut und durch einen neuen Außenbahnsteig ersetzt wird. Der Bahnsteig 1 werde erneuert, und beide Bahnsteige erhielten eine Höhe von 55 Zentimeter über Schienenoberkante bei einer Länge von 140 Metern. Die Bahnsteige würden mittels Rampen barrierefrei an den öffentlichen Verkehrsraum angeschlossen. Für die fußläufige Querung über die beiden Gleise sei, so Al-Wazir, ein technisch gesicherter Übergang vorgesehen.

Der Minister berichtete, dass das Projekt derzeit im Stadium der Entwurfplanung sei. Das Baurechtsverfahren solle nach Auskunft der DB Station & Service GmbH Ende 2021 beim Eisenbahn-Bundesamt eingeleitet werden. Der Baubeginn hänge vom Verlauf des Baurechtsverfahrens ab, teilte der Minister mit. (Robin Klöppel)

Auch der Bahnhof im etwa vier Kilometer entfernten Villmar ist nicht barrierefrei. Auch dort sorgt das Ein- und Aussteigen bei Rollstuhlfahrern für erhebliche Probleme.

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