Über die steile Treppe müssen in Kerkerbach alle Bahnreisenden. Das wollen (von links) Tobias Eckert, Michael Uhl, Fraktionsvorsitzender Lothar Hautzel, Alicia Bockler, Eberhard Bremser und Hans-Karl Trog ändern.
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Über die steile Treppe müssen in Kerkerbach alle Bahnreisenden. Das wollen (von links) Tobias Eckert, Michael Uhl, Fraktionsvorsitzender Lothar Hautzel, Alicia Bockler, Eberhard Bremser und Hans-Karl Trog ändern.

Zu hohe Kosten?

Runkel: Bahnhof mit Hindernissen

  • VonRobin Klöppel
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SPD äußert sich bei einem Ortstermin kritisch über die Bahn - Barrierefreiheit vernachlässigt

Steeden -Im Jahr 2026 soll der Bahnhof Kerkerbach umgebaut werden, einen neuen Bahnsteig erhalten. Was den Geschäftsführer Hessen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Eberhard Bremser, sauer macht, ist, dass dabei ein wichtiges Detail vergessen wurde. Der frühere Runkeler Ortsvorsteher und SPD-Stadtverordnete erläuterte bei einem Ortstermin der Runkeler SPD am Bahnhof mit dem Landtagsabgeordneten Tobias Eckert sowie der Bundestagskandidatin Alicia Bockler, bei den Planungen sei die Barrierefreiheit völlig außer acht gelassen worden.

Die Bahn behaupte, die sei auf diesem Gelände nicht umsetzbar, sagte Bremser. Doch das sei, wie der Gewerkschaftsvertreter und engagierte Sozialdemokrat betonte, doch zunächst sauber zu checken. Bremser deutet eine Aussage der Bahn, dass überlegt werde, die Sache noch mal zu prüfen, dass es offenbar doch eine Lösung für den Bahnhof geben könne. Diese sei aber wahrscheinlich aufgrund der höheren Kosten vonseiten der Bahn nicht gewünscht.

Landtagsabgeordneter Eckert machte deutlich, dass es nicht so einfach gehe. Die Bahn sei dazu verpflichtet, ihre Haltestellen nach und nach behindertengerecht umzubauen, wie es in der Region ja auch derzeit mit den Bushaltestellen gemacht werde. Rheinland-Pfalz sei da, wie er immer wieder unterwegs sehe, bei den Bahnhöfen deutlich weiter als Hessen, was an der Prioritätensetzung des Landes liege. Eckert kündigte an, mit der Bahn noch einmal ein ernstes Wörtchen in dieser Sache zu sprechen. Als der Bahnhof mal geplant wurde, hatte an Menschen mit Behinderung offenbar niemand gedacht. Denn die Gleise Richtung Runkel und Limburg an der Lahntalstrecke sind beide nur über eine steile Treppe erreichbar, die für unfitte Menschen oder Senioren auch ohne Behinderung schon eine große Herausforderung darstellt.

Dass die Gleise nicht gleich auf die Seite des Gewerbegebietes Kerkerbach gelegt wurden, hat laut Bremser mit dem Kurvenwinkel zu tun. Von der anderen Seite kommt man nicht zu Fuß ebenerdig an die Gleise, weil sie sich direkt neben dem Gelände der Firma Elring-Klinger befinden. Selbst wenn dort ein direkter Zugang für Fußgänger geschaffen werden könnte, würde ihn, wie Bremser meint, niemand nutzen. Denn wer erst einmal über die neue Lahnbrücke zur Firma Elring-Klinger fahren müsse, könne gleich zum Runkeler Bahnhof fahren. Ein weiteres Problem ist, dass die Strecke durch den Lieferverkehr der Steedener Kalkwerke im Bereich des Bahnhofs Kerkerbach viergleisig ist. Und es sei nicht gestattet, einen ebenerdigen Übergang für mehr als zwei Gleise zu machen, erläuterte Bremser. Eine Ausnahme sei hier laut Bahn nicht möglich.

Ein Aufzug die Übergangs-Treppe rauf und auf der anderen Seite wieder runter, wäre für teures Geld sicher zu bauen. Nur ist der Bahnsteig auf der Einstiegsseite von zwei Gleisen "umzingelt", so dass er nach Aussagen der Bahn nicht derart verbreitert werden könne, dass hier zwei Rollstuhlfahrer aneinander vorbeikämen.

"Keine gute Werbung"

Wenn es also bei fehlender Barrierefreiheit bleibt, müssten Behinderte künftig in Runkel einsteigen. Keine gute Werbung für die Bahn, wie Bremser findet. Denn wer sich einmal ins Auto setzen müsse, fahre dann vielleicht auch gleich mit dem Auto bis zu seinem Ziel.

Alicia Bockler meinte, dass es in Sachen Kerkerbacher Bahnhof ja nicht nur um behinderte Menschen gehe. Auch Eltern mit Kinderwagen oder Radfahrer mit E-Bikes kämen die Treppe nicht hoch.

Eckert erklärte, das sei wahrlich keine gute Werbung, um Menschen fürs Bahnfahren zu begeistern. Da sehe man mal, was die Worte der Grünen wert seien, die in Hessen ja den Verkehrsminister stellten.

Der SPD sei das Thema Bahnfahren für alle jedenfalls aus sozialen Aspekten ein wichtiges Anliegen. Es dürfe niemand durch bauliche Hindernisse vom Mitfahren ausgeschlossen werden. Runkels Erster Stadtrat Michael Uhl (SPD) sieht auch nicht ein, dass die Stadt Planungen auf eigene Kosten in Auftrag geben solle, um hier selbst zu überprüfen, ob ein barrierefreier Zugang zum Bahnhof möglich sei. Denn es gehe hier um ein Projekt der Bahn und die müsse ihre Vorgaben einhalten. Steedens Ortsvorsteher Hans-Karl Trog (SPD) ärgert sich zudem, dass die Bahn das Gelände am Kerkerbacher Bahnhof verwahrlosen lasse. Da könne man ja durchaus mal regelmäßig Leute hinschicken, um das Gestrüpp wegzumachen, so Trog.

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