Mit einem gemeinsamen Foto vor dem Blühfeld des Hofs Ponto endete der Rundgang zum Bienen-Projekt in Arfurt.
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Mit einem gemeinsamen Foto vor dem Blühfeld des Hofs Ponto endete der Rundgang zum Bienen-Projekt in Arfurt.

Für den Demografie-Preis 2021 nominiert

Runkel: "Botschafter der Gemeinschaft und des Landlebens"

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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Staatsminister Wintermeyer besichtigt das Projekt "Honigbienen, Wildbienen und Blühstreifen" des Dekanats Runkel

Arfurt -Die kleinen "Heizbienchen" sorgen dafür, dass es warm bleibt im Bienenstock, während die "Tankstellenbienen" die Energieversorgung sicherstellen und die Wächterbienen aufpassen. Anschaulich zeigten die Mädchen und Jungen der Arfurter Grundschule, wie es zugeht in der Wabe eines Bienenstocks und warum die Insekten Honig brauchen. "Bienen", das stellte der hessische Staatsminister und Demografie-Beauftragte Axel Wintermeyer (CDU) bei einem Besuch gestern Vormittag in Arfurt fest, "sind soziale Lebewesen und darin dem Menschen vergleichbar." Ein Aspekt, den auch das Projekt "Honigbienen, Wildbienen und Blühstreifen" des Dekanats Runkel aufgegriffen hat. Es ist eine von sechs Initiativen, die für den mit insgesamt 24 000 Euro dotierten hessischen Demografie-Preis 2021 nominiert sind, der am 20. September in Wiesbaden verliehen wird.

Während seiner diesjährigen Sommerreise ließ sich Axel Wintermeyer die vielfältigen Aspekte des Bienenprojekts erläutern. Seit 2013 lässt das Dekanat unter der Federführung des Gemeindepädagogen und Hobbyimkers Dr. Stefan Tron ein Bienenvolk durch den Landkreis wandern. Zu Jahresbeginn werden Vereine, Schulen, Kirchengemeinden, Kindergärten oder andere Gruppen als Kooperationspartner ausgewählt, an die die Bienen für jeweils sechs bis acht Wochen ausgeliehen werden.

Jeder der insgesamt vier Partner bemalt eine Seite des Bienenstocks und gestaltet eine Seite des mitreisenden Bienen-Tagebuchs. Gemeinsam mit Landwirten und den Kindern der Grundschulen und Kindergärten werden Blühstreifen gesät oder Bienenhotels gebastelt, Honig aus den Waben gepresst und aus dem Bienenwachs Kerzen und Lippenpflegestifte hergestellt.

Durch die Aktionen wandern nicht nur die Bienen, sondern auch das Wissen um das Leben der Tiere. Aber nicht nur Kinder sind an dem Projekt beteiligt. Ein Rentner legte Blühstreifen neben dem Bienenstand am Evangelischen Gemeindehaus Aumenau an, und in Arfurt bereitet Landwirt Bernd Brahm seit Jahren Blühstreifen vor.

"Den Wildbienen geht es schlecht"

Staatsminister Wintermeyer sprach von einem "innovativen Projekt, das Generationen verbindet, den Gedanken der Nachhaltigkeit stärkt und zu einer aktiven und lebendigen Dorfgemeinschaft beiträgt". Er betonte, wie wichtig es sei, mit Initiativen wie dieser den ländlichen Raum zu stärken, in dem immerhin rund die Hälfte der Menschen in Hessen lebe. Mit dem Demografie-Preis wolle das Land Hessen Projekte auszeichnen, die mit kreativen Ideen dem demografischen Wandel entgegenwirkten. Ziel müsse sein, funktionierende Gemeinschaften wie in Arfurt zu erhalten, damit die dort lebenden Menschen bleiben und neue hinzukommen. Das Bienenprojekt, lobte Wintermeyer, sei ein "Botschafter der Gemeinschaft, der Nachhaltigkeit und des Landlebens". Es fördere den gesellschaftlichen Zusammenhalt - von den Kindern bis zu den Senioren.

Auch der ebenfalls angereiste Bundestagsabgeordnete Markus Koob (CDU) hob die Bedeutung des Bienenprojekts hervor. Es sei wichtig, dass der Bienen- und Insektenschutz immer stärker in der Gesellschaft verankert wird.

Warum, das machte Initiator Stefan Tron deutlich: "Den Wildbienen geht es schlecht", sagte er. Ursache für das Sterben vieler Völker sei das Verschwinden ihrer Nahrungsquellen, die Blumenwiesen. Wildbienen, so Tron, seien häufig auf spezielle Blüten angewiesen, beispielsweise die Glockenblume. Wenn diese in ihrem Lebensraum nicht mehr vorhanden seien, müssten sie verhungern. Deshalb sei es so wichtig, Blühstreifen anzulegen und Blumenwiesen zu erhalten, sagte Tron.

Bei einem Rundgang ließen sich Wintermeyer und die übrigen Gäste - unter ihnen auch Dekan Manfred Pollex, Bürgermeister Michel Kremer (parteilos) und Ortsvorsteher Marten Cornel Fuchs (CDU) - das Bienenprojekt erläutern. Dies fing an mit dem Bemalen der Bienenkästen durch Kindergartenkinder und setzte sich fort mit einer kleinen Schau-Einlage von Grundschülern. Gemeinsam mit Projekt-Mitbegründerin Sabine Jost-Schmitt durfte Axel Wintermeyer Honig aus einer Wabe kratzen und durch ein Sieb pressen. Lippenstifte aus Bienenwachs präsentierten am Tennisheim Daniela Weber aus Aumenau und Martina Tron aus Arfurt. Nebenan stellten Kinder duftende Bienenwachskerzen her. Zum Abschluss besichtigte Wintermeyer eine Wiese auf dem Pontohof, wo die Sonnenblumen prächtig blühen.

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