Die Hadamarer Erfolgsautorin Katja Bohnet ist bis Ende Oktober Stadtschreiberin in Runkel.
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Die Hadamarer Erfolgsautorin Katja Bohnet ist bis Ende Oktober Stadtschreiberin in Runkel.

Schreibend ins Stadtleben eintauchen

Runkel: Den Literatur-Funken in alle Stadtteile tragen

  • VonRobin Klöppel
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Autorin Katja Bohnet will als "Stadtschreiberin" das kulturelle Leben bereichern

Runkel -Die Wahl-Hadamarerin Katja Bohnet hat es als ehemalige WDR-Moderatorin und Autorin zu bundesweiter Bekanntheit gebracht. Viele Thriller-Fans lieben ihre Geschichten um das spezielle Berliner Ermittlerteam Viktor Saizew und Rosa Lopez, das vor sechs Jahren mit "Messertanz" begann und im März letzten Jahres mit dem vierten Teil "Fallen und Sterben" den vorläufigen Abschluss fand. Dann kam Corona - und plötzlich war Katja Bohnet "Vollzeitmutter und Lehrerin", wie sie sagt. Bis Ende Oktober ist die 50-Jährige nun "Stadtschreiberin" von Runkel.

Die Bezeichnung Stadtschreiberin legt nahe, dass Bohnet das Runkeler Stadtgeschehen zu Papier bringen soll. Doch im Stipendium "Land in Sicht" des Hessischen Kulturrates geht es für die Autorin vor allem darum, ins Runkeler Stadtleben einzutauchen, durch diverse Veranstaltungen das kulturelle Leben zu beleben und selbst wieder zum Schreiben zu kommen. Eine Publikation zu erstellen, ist, wie sie sagt, auch ein Ziel des Stipendiums. Allerdings möchte sie keine Ortschronistin sein, schon gar nicht reale Personen beschreiben, die sich dadurch möglicherweise vorgeführt fühlen könnten. Nein, sie möchte an ihrem begonnenen neuen Thriller weiterschreiben und als Publikation des Stipendiums eine fiktive Kurzgeschichte herausbringen, in die Einflüsse Runkels mit hineinspielen, aktuelle wie historische.

Um mehr über ihre neue Stadt zu erfahren, hat die studierte Philosophin und Theaterwissenschaftlerin sich bereits im Runkeler Stadtarchiv umgesehen. In einem Autoren-Newsletter hatte Katja Bohnet im Frühjahr zufällig erfahren, dass es seit 2017 das Programm "Land in Sicht" gibt. Sofort dachte sie: "Darauf bewerbe ich mich." Die Hadamarerin vermisst ihre drei Kinder und ihren Mann, der ihr gerade so gut es geht daheim den Rücken freihält. Aber ihre künstlerische Ader wäre allmählich verkümmert, wenn sie weitere Monate nur daheim gehockt, den Haushalt geschmissen und Unterricht mit den Kindern gemacht hätte, erzählt sie.

Um Ruhe zum Schreiben zu finden, verlangt das Stipendium, dass die Autorin für zwei Monate in Runkel leben muss. Sie soll voll und ganz ins Runkeler Stadtleben eintauchen und nicht bloß als Berufspendlerin Gast für ein paar Stunden täglich sein. Hätte es für Katja Bohnet da nicht noch mehr Sinn gehabt, das Stipendium in einer weiter entfernten Stadt mit mehr Abstand zu ihrem privaten Umfeld anzutreten? Die Schriftstellerin hätte sich auch noch für Bad Homburg bewerben können, "was sicherlich die meisten der Kollegen auch getan haben, weil das für sie spannender klingt". Doch die Hadamarerin wollte bewusst in der Nähe ihrer Heimatstadt bleiben, in Runkel, das sie schon von Freizeitaktivitäten wie Kanu-Ausflügen auf der Lahn kennt. "Ein hübsches Städtchen mit hohem Freizeitwert. Ein schönes Eckchen jagt das nächste"", sagt Bohnet.

Sie nutzt die Freizeit hier, um am Wasser zu entspannen oder zu joggen. Auch wenn sie von Runkel aus mit ihrer Familie Kontakt hält und bei wichtigen Problemen in wenigen Minuten zu Hause sein könnte, tun ihr zwei Monate Abstand auch einmal ganz gut, um Ruhe zum Schreiben, wieder zu sich selbst zu finden. Endlich kann Katja Bohnet mal wieder ohne häuslichen Alltag ihren Beruf ausüben. "Es ist ein spannendes Experiment, auf das ich mich da eingelassen habe", sagt sie.

Luft zum Atmen

und Schreiben

Wer über Monate mit seinen Kindern pandemiebedingt gelegentlich bis 17 Uhr unterrichten musste, einen durchgetakteten Tag erlebt hatte, kann froh sein, wenn er plötzlich mal wieder Luft zum Atmen und zum Schreiben hat. Und dennoch war es für Bohnet nicht leicht, für so lange Zeit mal loszulassen, weil sie natürlich auch gerne Zeit mit ihrem Mann und den Kindern verbringt.

Katja Bohnet hat über die Jahre immer mal wieder die Ausschreibungen von Stipendien an interessanten Orten im Ausland gelesen und davon geträumt, wie es wäre, dort gerade als Autorin zu sein. Doch die Realität hat sie dann immer wieder eingeholt. Über Monate als Stipendiatin ins Ausland zu gehen, sei als Mutter nur schwer umzusetzen. In Runkel hat sie schnell Anschluss gefunden, Menschen, die sie bei ihrer Eingewöhnung und ihren Veranstaltungsplänen unterstützen. Zu ihnen gehören der belesene Bürgermeister Michel Kremer und der Macher des Runkeler Kultursommers Dieter Buroch. Beide passen perfekt zusammen. Denn auch Bohnet ist sehr diszipliniert und passt nicht zum Klischeebild von Künstlern, die in den Tag hineinleben und nur nachts unter dem Einfluss alkoholischer Substanzen zu kreativer Höchstform auflaufen.

Der Hadamarer Autorin war von Anfang an klar, dass sie die Zeit als Stadtschreiberin auch nutzen will, um hier auf dem Land an interessanten Locations kulturelle Angebote zu machen. Bohnet und ihre Ennericher Autoren-Freundin Bärbel Kunrath werden ebenso auftreten wie andere Künstler. Dabei hat die Stadtschreiberin, wie sie selbst sagt, unterschätzt, welcher Aufwand hinter der Organisation einer solchen Veranstaltungsreihe steckt. Jetzt will sie das Projekt in Runkel aber durchziehen und trotzdem den Spagat schaffen, die Stadt näher zu entdecken und diszipliniert in ihrer Wohnung zu schreiben.

Sie sei eine Perfektionistin, verrät sie, für ihre Kunst benötige sie Zeit. Katja Bohnet fände es schön, wenn ihre Veranstaltungsinitiativen zu einer dauerhaften Reihe würden, auch wenn sie ihr Stipendium Ende Oktober beenden muss. Bis dahin will sie Menschen begeistern und zusammenbringen. Ziel sei auch, dass der Literatur-Funke von der Kernstadt in andere Runkeler Stadtteile überspringt. Sie selbst möchte als Künstlerin greifbar sein und mit den heimischen Kulturfreunden gemeinsam erleben, wie viele interessante Kreative es in der Region noch gibt.

Literarischer Herbst in Runkel

Dienstag, 5. Oktober, 16 bis 17 Uhr, Signierstunde auf dem Wochenmarkt (an der Stadthalle) mit Barbara Kunrath und Katja Bohnet. Die Autorinnen signieren fast alles: T-Shirts, Motorhauben, Fan-Artikel, sogar Bücher.

Donnerstag, 7. Oktober, 19 Uhr, und Sonntag, 10. Oktober, 11 Uhr, in den "Katakomben" der RunkeLahner e.V. (Borngasse 2a). "Ein Buch für Runkel" - die Stadt liest ein Buch. "Identitti" von Mithu Sanyal steht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Jeder ist herzlich eingeladen, sich das Buch anzuschaffen oder in der Bibliothek zu leihen. Die Teilnehmer möchten in kleiner Runde über das Buch sprechen. Der Eintritt ist frei.

Freitag, 8. Oktober, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr), Lesung im Rathaus (Burgstraße 4). Die Runkeler Stadtschreiberin Katja Bohnet liest aus dem Roman "Fallen und Sterben" im Rahmen des Literarischen Herbstes. Tickets gibt es im Vorverkauf bei der Touristeninformation (Burgstraße 23, 0 64 82 91 61 60) und an der Abendkasse.

Samstag, 30. Oktober, 14 bis 17 Uhr, im Haus der Vereine in Schadeck "Hessisch Hällowien" - ein Lyrik-Workshop für Erwachsene ab vier Jahre, Erwachsene und Kinder sind herzlich willkommen. Um Voranmeldung in der Touristeninformation Runkel (Burgstraße 23, 0 64 82 91 61 60) wird gebeten. Oder einfach am Tag selbst vorbeischauen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Teilnahme am Workshop ist gratis. Material wird gestellt.

Sonntag, 31. Oktober, 11 bis 13 Uhr, Bürgerhaus Ennerich (Am Schlösschen 7), Lesung mit Künstlerinnen aus der Region. Daniella Baumeister von hr2 wird moderieren. Tickets gibt es im Vorverkauf bei der Touristeninformation (Burgstraße 23, 0 64 82 91 61 60) und an der Abendkasse.

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