1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Runkel

Runkel: Drängeln und Kollisionen sind erwünscht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Schäfer

Kommentare

Crashs, wie hier beim Rennen der Kastenwagen, sind ausdrücklich gewollt und erwünscht.
Crashs, wie hier beim Rennen der Kastenwagen, sind ausdrücklich gewollt und erwünscht. © Peter Schäfer

20. Stock-Car-Rennen: Längst kein Sport mehr nur für Männer

Steeden -Insgesamt rund 3000 Besucher zeigten sich begeistert vom 20. Stock-Car-Rennwochenende des Steeden Motor-Sport-Clubs (MSC) „Crazy Horses“ auf dem Hofener/Steedener Ring.

Neben den Wertungsläufen in den Kategorien Klasse 1: Fahrzeuge bis 1500 Kubikzentimeter, Klasse 2: Fahrzeuge bis 1900 Kubikzentimeter, Klasse 3: Fahrzeugklasse ohne Hubraumbeschränkung, Klasse 4 (Juniorklasse): Fahrzeuge bis 1500 Kubikzentimeter und Klasse 5 (Lady-Cup): Fahrzeuge bis 1900 Kubikzentimeter gab es auch wieder die beliebten Sonderläufe, wie das Kastenwagenrennen und den Ü-50-Lauf. Dabei konnten die „alten Hasen“ dieses verrückten Sports noch einmal beweisen, was sie draufhaben. Pro Runde erhielten die Fahrer fünf Punkte, für einen erzeugten Dreher eines anderen Fahrzeugs 25 Punkt und für einen Überschlag 50 Punkte.

Ein Stock-Car-Rennen bezeichnet eine etwa in den 1970er-Jahren im deutschsprachigen Raum Europas entstandene Art von Autorennen, bei der Drängeln und Kollisionen erlaubt und erwünscht sind. Dabei werden ältere Gebrauchtwagen eingesetzt. Nach den Vorläufen am Samstag, fanden am Sonntagnachmittag die Finalrennen statt. Den Abschluss bildete das sogenannte Auto Rodeo. Dabei wurden alle noch fahrtüchtigen Fahrzeuge aus allen Klassen noch einmal an den Start gebracht. Sieger dieses Laufs war dann der Besitzer des letzten fahrtüchtigen Fahrzeugs.

170 Fahrer waren am Start mit 185 Fahrzeugen von Rennteams weit über die Region hinaus. Stock-Car-Rennen sind schon lange keine Domäne der Männer, waren in Hofen auf dem riesigen Gelände, das Landwirte dem MSC zur Ausrichtung des Spektakels zur Verfügung gestellt hatten, auch zwölf Frauen mit dabei. Heike Nentwig aus Gutenacker ist eine der Rennfahrerinnen. Sie ist mit dem Motorsport groß geworden, war sie doch von klein auf schon bei Rennen mit ihrem Papa dabei, der sich als „Schrauber“ betätigte, also die Stock-Cars wieder zum Laufen gebracht hat. Und ihr Mann Mike kam dazu durch seinen Vater, der diesem aufsehenerregenden Sport ebenfalls nachging.

„Am Anfang hatte ich immer ein Auto, was mein Mann sozusagen übriggelassen hat. Jetzt hat sie auch ihre eigenen Fahrzeuge, an denen ihr Mann Mike, von Beruf Dackdecker, fast täglich in der eigens zu Hause eingerichteten Werkstatt rumschraubt. „Ich habe echt den besten Mann der Welt. Er kümmert sich, was die Technik betrifft, um alles.“ Und Mike fügt schmunzeln hinzu: „Wir wären nicht zusammen, wenn meine Frau nicht auch die Leidenschaft für Stock-Car-Rennen mit mir teilen würde.“

Heike ist Mitglied des Rennteams „crash company“, dem rund 30 Leute unterschiedlichsten Alters angehören. Mit dabei sind die ganze Familie, Freunde und Bekannte. Die Erzieherin ist in Hofen mit dem Fahrzeug, das ehemals ein Honda Civic war und die Startnummer 126 hatte, an den Start gegangen. „In den letzten Jahren war ich bei Rennen immer unter den ersten fünf. Wäre toll, wenn ich dieses Mal gewinnen könnte“, ist sie hoffnungsfroh gewesen. Wie das Rennen ausgegangen ist, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Vor großen Verletzungen ist sie über all die Jahre bisher „Gott sei Dank verschont geblieben“, sagt sie. Abgesichert ist sie mit einem Fünf-Punkte-Gurt, einem Überrollkäfig, einem Spezialhelm und einer Halskrause. „Denn es kann schon mal knacken, wenn du auf ein anderes Auto drauf fährst oder dich jemand anfährt“.

„Es ist schon ein geiles, aufregendes Gefühl - der Moment, kurz bevor es losgeht. Und beim Rennen heißt es dann voll konzentriert sein und dennoch viel Spaß dabeihaben“, so die begeisterte Motorsportlerin, die auch das gesellige Beisammensein mit vielen anderen Teams genießt. So gab es am Samstagabend im eigens aufgebauten Festzelt ein tolles Miteinander und eine Riesenparty aller Teams, Helfer und Gäste. Mia, die Nichte von Heike Nentwig, ist auch schon mit viel Begeisterung mit dabei. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, später auch mal an Stock-Car-Rennen teilzunehmen, folgte intensives Nicken.

MSC-Vorsitzender Uwe Scheu, Markus Kilb, der Pressesprecher des Stock-Car-Rennens des MSC Crazy Horses und Dirg Parhofer, der Moderator des Spektakels, zeigten sich sehr zufrieden über ihre 20. Veranstaltung. „Das Wetter hat mitgespielt, es ist nichts passiert und wir hatten viele begeisterte Zuschauer, die auch toll bewirtet wurden“, so Kilb. Und die drei wichtigen Vereinsakteure bedankten sich auch bei allen Vereinsmitgliedern, die bei der Vorbereitung und Durchführung mitgeholfen haben, aber auch bei den Runkeler Feuerwehren, die vor Ort für den Notfall ebenso mit dabei waren wie die Rettungswagenteams des Deutschen Roten Kreuzes.

Auch interessant

Kommentare