Claudia Lampe-Bullmann (von links), die Eheleute Manuela und Wilfried Orth sowie Ursula Hase bereiten die Lebensmittelspenden für den Verkauf vor. So viele frische Waren gab es im Runkeler Einkaufskorb selten.
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Claudia Lampe-Bullmann (von links), die Eheleute Manuela und Wilfried Orth sowie Ursula Hase bereiten die Lebensmittelspenden für den Verkauf vor. So viele frische Waren gab es im Runkeler Einkaufskorb selten.

Jeder mit kleinem Einkommen Willkommen

Runkel: Einkaufskorb profitiert von Großbrand

Laden für Bedürftige erhält frische Waren, weil Lidl zu bleiben musste. Trotz Corona war nie geschlossen.

"Eine so große Menge verschiedenster frischer Waren konnte ich schon lange nicht mehr abholen", strahlt Wilfried Orth (72) und schleppt Kiste für Kiste auf die Sortiertische im Lager des kleinen Lädchens in der Runkeler Fronstraße: Ananas, Weintrauben, Blumenkohl, Fenchel - und alles in prima Qualität.

Am Morgen hatte der vom Rauch des schlimmen Feuers auf dem Uriel-Betriebsgeländes betroffene Lidl-Markt angerufen und mitgeteilt, dass vieles aus der Frische-Abteilung nicht mehr verkaufbar sei und nun gern abgegeben würde. "Dass wir nicht mehr verkäufliches Obst und Gemüse in derart gutem Zustand bekommen, wie bei der heutigen Spende, ist natürlich eine Ausnahme", sagt Manuela Orth (65), Leiterin des Runkeler Einkaufskorbs. In der Regel würde das Aufbereiten der frischen Waren viel Zeit und Sorgfalt benötigen. "Da bräuchten wir dringend noch fleißige Hände, die immer montags für ein paar Stunden mit anpacken", sagt sie.

Stets nur eine Person

im Verkaufsraum

Der Laden für Bedürftige wurde von christlichen Hausfrauen gegründet und besteht im sechsten Jahr. Auch andere karitative Einrichtungen dieser Art wie die Tafel oder das Limburger Lädchen Corona-bedingt geschlossen hatten, machten die Eheleute Orth und ihr Team weiter. Selbst nachdem Manuela Orth nach einem Sturz mehrere Wochen auf Krücken ging, kümmerte sie sich weiterhin um die Wareneingänge, sortierte und putzte Obst und Gemüse oder fror Lebensmittelspenden ein, damit sie nicht verderben.

"Wir konnten offenlassen, weil wir ohnehin für unsere Kunden Termine vergeben. Um das Infektionsrisiko zu mindern, lassen wir nun stets nur eine Person in den Verkaufsraum hinein. Begleiter müssen draußen warten", erklärt die Chefin. Aus einem Umkreis von etwa 30 Kilometern holt Wilfried Orth die Lebensmittelspenden ab. Auch zwei Bäckereien geben ihre Reste an den Runkeler Einkaufskorb ab. Die Bedürftigen bekommen keine vorgepackten Tüten. Sie dürfen die Ware selbst aussuchen und werden wie im Tante-Emma-Laden bedient. Die Stückpreise der Lebensmittel bewegen sich im Cent-Bereich, Brot ist sogar kostenlos. Selbstverständlich wird auf Mundschutz und Händedesinfektion geachtet. "Zum Glück erhielten wir auch einige Desinfektionsmittel-Spenden", ist Manuela Orth dankbar.

Leider wurden durch die Corona-Beschränkungen und das über Wochen andauernde Verbot von gemeinsamen Gottesdiensten nur relativ wenige Lebensmittel in der Kirche gesammelt. In den Vorjahren seien bei der Aktion "Kauf eins mehr" der Katholischen Kirchengemeinde Dehrn kistenweise haltbare Waren wie Konserven, Nudeln oder Mehl gespendet worden. Leider habe man auch vom Rewe-Markt in Ennerich seit Februar nichts mehr gehört. Dort hatte ein anonymer Spender regelmäßig Geld hinterlegt, von dem Manuela Orth unverderbliche Grundnahrungsmittel zur Weitergabe an die Kundschaft besorgten durfte.

Das Team des Runkeler Einkaufskorbs weist darauf hin, dass man für Menschen jeden Alters, denen es finanziell nicht so gut geht, da ist. Auch Männer und Frauen in Kurzarbeit oder solche, die nur ein kleines Gehalt beziehen, sind willkommen. Neben dem Lebensmittelangebot gibt es auch eine Kleiderkammer. Dort zahlen Bedürftige den halben Preis. Kerstin Kaminsky

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