Das Orgateam des SVA-Festjahres muss sich noch gedulden (vorne, von links): Bernd Brahm, Manfred Hastrich, (hinten von links) Peter Hastrich, Tobias Neuhaus, Peter Schäfer und Hans-Günter Behr.
+
Das Orgateam des SVA-Festjahres muss sich noch gedulden (vorne, von links): Bernd Brahm, Manfred Hastrich, (hinten von links) Peter Hastrich, Tobias Neuhaus, Peter Schäfer und Hans-Günter Behr.

Blick zurück zum Jubiläum

Runkel: Die großen Zeiten der Kicker liegen hinter ihnen

Sportverein Arfurt blickt auf 75 Jahre zurück. In der Spielgemeinschaft mit Villmar und Aumenau ist man zufrieden

Runkel -In Arfurt kann man 2020 auf 100 Jahre Fußball im Dorf und 75 Jahre Sportverein Arfurt (SVA) zurückblicken. Die Feiern sind aufgrund der Corona-Pandemie erst einmal abgesagt. Eventuell soll dieses Jahr aber noch der Festkommers des 400 Mitglieder starken Vereins stattfinden. Die Verantwortlichen hoffen, kommendes Jahr auch das Freundschaftsspiel gegen das Traditionsteam des Bundesligisten FC Schalke 04 nachholen zu können.

Der Vorstand des SVA ist mit der momentanen Situation des Vereins zufrieden - obwohl die Fußballer weit von den Erfolgen der großen Zeiten entfernt sind und seit der abgebrochenen Saison 2019/20 keine eigene Mannschaft mehr stellen. "In der Spielgemeinschaft (SG) mit Villmar und Aumenau haben wir bei den ersten und zweiten Herren momentan acht Arfurter Spieler dabei, im Jugendbereich bei der JSG Lahntal 25", sagt Vorsitzender Bernd Brahm. "Auf die Dauer wäre das ohne SG ohne entsprechende Geldbörse im Erwachsenenbereich nicht mehr gegangen."

Kein Vergleich zu der großen Zeit der 1970er-Jahre, als die Arfurter in der Bezirksliga Wiesbaden starken Gegnern aus der Landeshauptstadt und dem Rheingau oft Paroli bieten konnten. Mehrfach erreichte der SVA auch das heimische Kreispokalfinale. "Leider haben wir das dann immer verloren", berichtet der frühere Vorsitzende Manfred Hastrich nach vier verlorenen Endspielen ernüchtert. Aber 16 Jahre insgesamt in der heutigen Gruppenliga kann dem SVA keiner nehmen.

"Ich bin aber nicht einer, der in der Vergangenheit lebt. Mich interessiert mehr die Zukunft des Vereins", sagt Hastrich. Brahm sagt, dass der SVA mit der Spielgemeinschaft den richtigen Weg gegangen sei. Es seien auch Gespräche mit der SG Runkel/Hofen/Schadeck/Eschenau geführt worden, doch mit den Runkeler Nachbarn habe es keine Einigung gegeben. Somit orientierte sich Arfurt in Richtung Villmar, auch wenn der Wunsch des SVA nach der neuen Spielgemeinschaft beim SV Villmar zunächst noch mehrheitlich gescheitert war.

"Da haben damals einige falsch gerechnet. Wenn wir ein Drittel der Kosten des Spielbetriebes übernehmen, hat Villmar am Ende mehr Geld in der Kasse, als wenn sie die Saison ein paar Heimspiele mehr mit 30 Zuschauern haben", sagt Hastrich. Sportliches Ziel der neuen SG ist laut Brahm, kommende Runde in die Kreisoberliga aufzusteigen.

Es waren noch Zeiten, als Arfurt durch gute Jugendarbeit und ein paar Auswärtige verstärkt locker zwei Mannschaften stellen konnte und bei spannenden Partien bis zu 400 Zuschauer die Elf unterstützten. "Heute ist es für die Leute leicht geworden, mit ihrer Familie mal in ein Bundesligastadion zu fahren", erklärt Hastrich, warum in der Region nicht mehr so viele Fans zu den Spielen der Amateurklassen kommen.

Viele Erklärungen

für Nachwuchsmangel

Dass die Zahl der Spieler und die Qualität des Teams immer mehr nach unten gingen, hat laut Hastrich mehrere Gründe: zum einen sind die Jahrgänge kleiner als früher, zum anderen zahlen andere Vereine heute gutes Geld. Das hat zur Folge, dass vielversprechende Talente schnell weg sind, auch weil viele junge Leute nach der Schule Arfurt aus beruflichen Gründen verlassen. Hinzu komme, dass die Jugend von heute viel mehr Freizeitmöglichkeiten als früher habe und somit längst nicht mehr jeder Bub eines Jahrgangs im Dorf Fußball spiele.

Früher war das anders, als Grundschullehrer Theo Stahl gleichzeitig auch Nachwuchstrainer des SVA war und mit dafür sorgte, dass die Kinder alle dem runden Leder hinterher jagten. Um vom Schulgebäude auf den Fußballplatz zu kommen, mussten sie nur einmal über die Straße gehen. "Damals gab es einen festen Stamm von treuen Spielern, neben denen die Jungen wie wir wachsen konnten", erzählt Hastrich. Damals seien in mehreren Jahrgängen nacheinander gute Jugendspieler gewesen, von denen viele lange geblieben seien. Das habe den Erfolg ausgemacht.

Manfred Hastrich kann sich noch an eine im Nachhinein doch lustige Geschichte erinnern, als das Team wieder einmal auswärts etwas zu feiern hatte und sein Vater Aloys die Spieler mit dem Anhänger in Wirbelau abholte. Der brach urplötzlich zusammen und die Spieler lagen auf der Straße. "Nur blutige Nasen, nichts passiert", soll Aloys Hastrich das nüchtern kommentiert haben.

Peter Schäfer erzählt, dass viele Gegner aus dem Raum Wiesbaden damals so ihre Probleme in Arfurt gehabt hätten - nicht nur aufgrund der Spielstärke, sondern weil viele fremde Busfahrer nicht daran dachten, dass Arfurt eine Sackgasse ist. So fuhren mehrere Busfahrer ihr Fahrzeuge auf dem engen Weg, der an der Lahn endet, fest. "Heute gibt es da für Busse aber mittlerweile einen Wendehammer", sagt der ehemalige SVA-Spieler.

Die Fußballer können seit neun Jahren auf einem angenehmeren Naturrasen statt wie vorher auf dem Hartplatz in Arfurt oder auf dem Kunstrasen in Aumenau spielen. Das SVA-Vereinsheim wurde vor 20 Jahren erweitert und bietet genug Platz für Vereinsaktivitäten und Privatfeiern.

Der SVA hat auch eine Tennis-Abteilung mit derzeit zwei Medenteams im Damen- und weiblichen Jugendbereich sowie eine Zumba-Gruppe mit aktuell 20 bis 30 Teilnehmern. Der Verein veranstaltet jährlich die Fastnachtsveranstaltungen und das Weihnachtssingen sowie im Wechsel mit den anderen Ortsvereinen die Kirmes.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare