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Runkel: Kochduell begeistert die Senioren

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Das Team Kartoffel wird von Küchenchef Michael Emmerich (hinten) angeleitet.
Das Team Kartoffel wird von Küchenchef Michael Emmerich (hinten) angeleitet. © Kaminsky

Bewohner der Seniorenwohnanlage der Doreafamilie bereiten "saurre Karduffel" zu.

Runkel -Beim Kochen von "saurre Karduffel", einem hessischen Eintopfgericht, traten in der Seniorenwohnanlage der Doreafamilie in Runkel zwei Teams mit Messer, Schäler und Kochlöffel gegeneinander an. Geleitet wurde das Duell von Küchenchef Michael Emmerich, der seit 2019 für das leibliche Wohl der Bewohner sorgt, und von seinem Mitarbeiter Yosef Solomon, Koch der Doreafamilie Runkel seit Juni 2021. Wer denkt, dass zwei aus identischen Zutaten bereitete Eintöpfe gleich schmecken, wurde eines besseren belehrt. "Jeder von uns hat seine eigene Art zu kochen und seinen eigenen Geschmackssinn", sagte Michael Emmerich.

Die Idee zu sauren Kartoffeln kam aus dem Kreis der Bewohner. Also hatten sich die Köche für das Kochduell ein passendes Rezept ausgesucht. Zwei Teams waren schnell zusammengestellt. Mit 47 Jahren war Frank Steinfurth vom Team Kartoffel der Jüngste. Auf stolze 101 Lebensjahre kann Else Krahulik zurückblicken, die sich im Team Apfel einbrachte.

Köche gehen unterschiedlich vor

Für die Zubereitung der Mahlzeit war eine Stunde eingeplant. Schon beim Schnippeln von Gemüse und Kartoffeln zeigte sich ein unterschiedliches Vorgehen der Köche. Während Michael Emmerich seine Leute anhielt, die Zutaten in ganz kleine Stückchen zu schneiden, damit sie sich beim Garen zu einer sämigen Konsistenz verbinden, war es dem Team Apfel unter Yosef Solomom lieber, dass die Zutaten im fertigen Gericht noch bissfest sind. Nach zwanzig Minuten machte der Duft von angebratenen Zwiebeln deutlich, dass Team Apfel zeitlich vorne liegt. "Aber wir sind dafür gründlicher", konterte der Chef von Team Kartoffel lachend.

Bald folgten die mehligen Kartoffelstücke und frisches Suppengemüse in den Topf. Brühe kam hinzu, das ganze wurde aufgekocht und weiter geköchelt. Nach der halben Kochzeit kamen saure Gurken und Mettwurststückchen hinzu. Zuletzt schmeckten die Köche den Eintopf mit Pfeffer, Salz und reichlich Apfelessig ab. Und wie ist das mit Maggi? "Keinesfalls", antwortete Michael Emmerich und verdrehte die Augen. "Aber Liebstöckel ist in Ordnung."

Nachdem alle Teammitglieder das Ergebnis ihrer Gemeinschaftsarbeit gekostet und für gut befunden hatten, war die Jury gefragt. Sie setzte sich zusammen aus Einrichtungsleiterin Maria Klur, Mitarbeiterin Vanessa Schmidt und zwei Bewohnerinnen. Spontan kam Jens Grieswald von der Berliner Doreazentrale hinzu. "Ich stamme aus dem Ruhrgebiet, für mich ist das kein typisches Gericht", sagte Jurymitglied Hedwig Bilitewski (90) skeptisch. Auch für die gebürtige Polin Ilona Heinrichs (53) war die Zubereitung ungewöhnlich. Zwar esse man auch in ihrer Heimat gern sauer, würze aber anders.

Doch kaum hatten die Preisrichter gekostet, zeigten sich strahlende Gesichter. "Vom Lesen des Rezeptes her hätte ich nie gedacht, dass das so lecker ist", schwärmte Maria Klur. Vanessa Schmidt war überrascht, wie sich die beiden Varianten optisch und geschmacklich unterscheiden.

Am Ende war das Ergebnis knapp. Das Team Kartoffel gewann mit 13 Punkten. Nur zwei Punkte weniger erhielt das Team Apfel. "Wir wissen, dass das Essen in einem Pflegeheim ein zentraler Punkt der Bewohnerzufriedenheit ist", sagt Maria Klur. Weil es den Bewohnern außerdem Spaß macht, sich zu messen, sei man auf die Idee des Kochduells gekommen und wolle dieses Konzept auch auf andere Bereiche übertragen. kerstin kaminsky

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