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Der Siegerentwurf: Hier steht den Radfahrern eine separate Brücke für die Überquerung der Lahn zwischen Runkel und Steeden zur Verfügung. Grafik/foto: THM mittelhessen

Verkehr

Runkel: Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger

Studenten erarbeiten Konzept für Lahnbrücke - Umsetzung vorerst nicht geplant

Westlich des Runkeler Stadtzentrums, durch dessen historischen Stadtkern der Hessische Radfernweg R 7 verläuft, befindet sich die Lahnbrücke in Richtung Steeden. Dort teilen sich Fußgänger und Radfahrer einen schmalen Weg neben der Fahrbahn der Landesstraße 3063. Die aktuelle Führung des Radverkehrs auf der Brücke könnte daher optimiert werden.

Daher tüftelten nun im Sinne einer Machbarkeitsstudie 15 junge Köpfe des Fachbereichs Bau der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Zusammenarbeit mit Hessen Mobil bei einem Semesterprojektes an theoretischen Alternativlösungen, wie diese Situation verbessert und diese Engstelle beseitigt werden könnte.

Dies basiert zwar auf einer real existierenden Straßensituation. Es war aber ein reines Lehrprojekt, wie Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil mitteilt. Dies bleibe daher nur ein Gedankenspiel, auch wenn sich sicherlich viele Nutzer des Lahntalradwegs über eine breitere Querung an dieser Stelle freuen würden. Die Grundideen dieser Arbeiten könnten bei weiteren Planungen weiterverwendet werden.

Die Zusammenarbeit der Bauingenieure der Technischen Hochschule Mittelhessen mit Hessen Mobil fand im zweiten Jahr in Folge statt. Die Gelegenheit, an dem realen Projekt mitzuwirken, hatten die Masterstudierenden des Studiengangs "Bauingenieurwesen" aus dem Kurs von Professor Dr.-Ing. Bertram Kühn.

Mehrere Versionen erarbeitet

Das Szenario: In Zukunft soll man die Lahn als Radfahrer beim Verlassen der Stadt Runkel Richtung Westen nicht mehr auf dem Geh- und Radweg am Rande der Steedener Straße überqueren müssen. Vielmehr könnte dies auf einem gesonderten Radweg über eine der Brücken-Visionen der THM-Studierenden möglich sein. Jede Gruppe des Brückenbaukurses verfolgte dabei ihren ganz eigenen Ansatz und arbeitete an völlig unterschiedlichen Brückenmodellen. So schwebten unzählige Ideen im Raum: Von Konstruktionen, die den ursprünglichen Weg verbreitern sollen, über solche, die einen Radweg an die Bestandsbrücke anhängen wollen, bis hin zu einer völlig neuen, alleinstehenden Brücke.

Dass den jungen Bauingenieurinnen und Ingenieuren die Gelegenheit gegeben wurde, eine so echte, lokal angesiedelte und vor allem praxisrelevante Aufgabe zu übernehmen, weiß Kühn sehr zu schätzen: "Ich bin sehr dankbar für die wirklich tolle Unterstützung unserer Masterausbildung durch Hessen Mobil. Erst mit der Bereitstellung eines realen Projektes und der intensiven Begleitung unserer Projektarbeit kann es zu einer solch extrem praxisnahen Ausbildung kommen."

Jede Gruppe arbeitete ihre vielversprechendste Idee bis zum fertigen Entwurf aus. Dabei wurde bis ins kleinste Detail an alles gedacht. Vom Transport der Bauteile und den anfallenden Kosten über die schützenswerten tierischen Bewohner der Örtlichkeit bis hin zum Verkehr auf der Bundeswasserstraße Lahn mussten alle Aspekte berücksichtigt werden. Im Brückenbau wird eben nicht nur statisch ausgerechnet, ob das Bauwerk steht oder fällt.

Kosten fallen sehr unterschiedlich aus

Die Spanne bei den Kosten reicht dabei von Entwürfen mit Kostenschätzungen unter einer Million Euro bis zu aufwendigeren Entwürfen mit geschätzten Kosten von mehreren Millionen Euro. "Repräsentativ in Bezug auf eine eventuelle Machbarkeit sind diese geschätzten Kosten daher nicht", betont Lecher.

Den Studierenden zu vermitteln, dass in der Disziplin des Bauingenieurwesens viele sehr verschiedene Fachgebiete ineinandergreifen, ist Prof. Kühn ein besonderes Anliegen. So staunte mancher Student nicht schlecht, als er sich anstatt mit der Brückenstatik zunächst einmal mit dem Lebensraum der in der Nähe von Runkel heimischen Smaragdeidechse befassen musste.

Zufriedene Gesichter gab es nach der Präsentation der Entwürfe und der Preisverleihung.

Für die Tatsache, dass die Zusammenarbeit mit Hessen Mobil trotz der Corona-Pandemie so gut funktioniert hat, ist Prof. Kühn dankbar. Die Kursveranstaltungen fanden seit April 2020 als wöchentliche Videokonferenz statt, zu der sich auch zwei Vertreter von Hessen Mobil regelmäßig zugeschaltet haben. Die Begleitung des Kurses neben dem üblichen Tagesgeschäft, das einem in solch schwierigen Zeiten sowieso einiges abverlangt, sei schon sehr bemerkenswert, sagte Prof. Kühn.

Das wiederum spüren nach seiner Einschätzung auch alle Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer und seien entsprechend hoch motiviert - mit der Folge, dass tolle Ideen auf dem Tisch liegen, die aus der Sicht des Professors sehr fundiert und durchdacht sind, damit also auch in der Realität eine gute Chance hätten, umgesetzt zu werden. red

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