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Runkel: "Mit Windkraft ein Stück Autarkie gewinnen"

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Projektentwickler Stefan Siegmund, hier bei der Runkeler Infoveranstaltung im September, beantwortete bei der aktuellen Videokonferenz viele Fragen.
Projektentwickler Stefan Siegmund, hier bei der Runkeler Infoveranstaltung im September, beantwortete bei der aktuellen Videokonferenz viele Fragen. © Kerstin Kaminsky

EQ-Vertreter berichten über Planungsstand

Runkel -Sieben Windkraftanlagen möchte die Firma Energiequelle (EQ) auf dem 152 Hektar großen Vorranggebiet rund um den 242 Meter hohen Steimelskopf errichten. Fünf Windräder würden sich demnach auf Runkeler Flächen und zwei auf Villmarer Gemarkung drehen. In der Summe sollen sie jährlich 82 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen - das entspricht dem Verbrauch von rund 20 500 Vier-Personen-Haushalten.

Über den aktuellen Planungsstand berichteten Vertreter der EQ bei einer Videokonferenz am Mittwochabend, zu der sich mehr als 90 Teilnehmer zugeschaltet hatten. Auch der Runkeler Bürgermeister Michel Kremer (parteilos) war anwesend. In seiner Begrüßung hob er die Bedeutung alternativer Energiequellen hervor. Gerade in dieser unsicheren Zeit, was die Lieferung von Gas und Öl betrifft, sei es wünschenswert, wenn Runkel ein Stück mehr Autarkie erreichen würde. Er versicherte, dass die Stadt keinesfalls im Privatbesitz befindliche Grundstücke enteignen würde. Wie die Stadt Einnahmen aus der Verpachtung eigener Feldwege verwenden würde, sei erst Gegenstand von Überlegungen, wenn das Geld tatsächlich komme. Eine Bürgerversammlung in Arfurt und weitere Sitzungen der Stadtverordneten um das Thema Windpark stünden noch an.

Julian Löscher, der EQ-Abteilungsleiter für den Standort Hessen, beschrieb die geplanten Windenergieanlagen (WEA) mit einer Nabenhöhe von 167 Metern, einem Rotordurchmesser von 164 Metern und einer Leistung von 6 MW. Ein Baubeginn sei ab 2024 angestrebt, Bauzeit sechs Monate. Mit verschiedenen Herstellern sei man im Gespräch.

Im Rahmen avifaunischer Untersuchungen seien 2021 ein Rotmilanbrutpaar im Bereich des Vorranggebiets entdeckt worden sowie weitere Großvögel im erweiterten Prüfbereich. Schwarzstörche waren allerdings nicht dabei, auch keine Fledermausquartiere oder deren Jagdhabitate. Weitere Gutachten seien in Arbeit. Geklärt werden soll dabei auch, ob Beeinträchtigungen für die FFH-Gebiete "Lahntal und seine Hänge" zu erwarten sind.

Beteiligung am Erlös

Aus allen umliegenden Ortschaften wurde die Sichtbarkeit des Windparks geprüft. Betroffen seien hier lediglich Arfurt und Seelbach. Löscher bedauerte, dass die Gemeinde Villmar der EQ noch keine Gelegenheit gegeben habe, das Projekt und die sich daraus ergebende regionale Wertschöpfung vorzustellen. So würden die Gemeinden am Erlös des Windparks entsprechend der anteiligen Gemarkungsfläche partizipieren, könnten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen beanspruchen und hätten absehbar Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Zudem flössen aus der EQ-Stiftung pro WEA 30 000 Euro zur freien Verwendung an einen vor Ort zu bildenden Beirat.

Dann ging er auf die Angst vor dem Wertverlust bestehender Immobilien in Sichtweite der Windräder ein, auf das geplante Baugebiet in Arfurt sowie auf Schall- und Schattenemissionen und Abschaltzeiten.

In der anschließenden Fragerunde spielten Aspekte des Naturschutzes eine große Rolle. Wie könnten die zeitweise im Vorranggebiet beobachteten 20 Rotmilane geschützt werden? Könnte die Wasserversorgung leiden?

Auch wollten Teilnehmer wissen, ob die Errichtung von Windrädern auf Villmarer Gebiet gegen den Beschluss der dortigen Gemeindevertreter durchgesetzt werden könnte, wie und wann man sich den Rückbau vorstellen müsse und ob Rücklagen dafür gebildet werden. Auch Fragen, ob die EQ bereits alle für den Windpark benötigten Flächen durch Vorverträge gesichert hätte, ob rund um die Anlagen Zäune gezogen würden und ob der Betrieb auch bei weniger als sieben WEAs wirtschaftlich sei, kamen auf.

Zum Schluss erklärte Kremer, dass die Stadt Runkel der EQ bislang keinerlei Zusagen gemacht habe - abgesehen davon, dass das Projekt öffentlich vorgestellt werden dürfe. kerstin kaminsky

Videokonferenz online

Die Videokonferenz wurde aufgezeichnet und kann auf der Homepage der EQ unter https://www.energiequelle.de/ arfurt-seelbach eingesehen werden.

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