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Die Umsetzung ist geschafft. Der "Wagen 19" ist vom Haken des Kranwagens.

Originalwagen der Kerkerbachbahn

Runkel: "Wagen 19" kommt zu neuen Ehren

Auf private Initiative wurde das alte Stück renoviert und nahe des einstigen Bahnhofs aufgestellt

Dehrn -Der vermutlich einzige noch vorhandene Originalwagen der ehemaligen Kerkerbachbahn steht jetzt, nach mehrjährigen aufwendigen Restaurierungsarbeiten durch Achim Mannes (Schadeck), auf Initiative des "Bündnis Ortsmittelpunkt Dehrn" (BOD), ganz in der Nähe des ehemaligen Dehrner Bahnhofs. Und dieser "Wagen 19" hat eine reiche Geschichte.

Man blickt häufig in ungläubige Gesichter, wenn von einem Bahnhof in Dehrn die Rede ist. Dennoch führte die erste Teilstrecke der Kerkerbachbahn, die am 1. Mai 1886 eröffnet wurde, von Kerkerbach nach Dehrn. Es handelte sich um eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 1000 Millimetern, die zunächst nur dem Güterverkehr diente. Vielen ist aber unbekannt, dass am 1. Juni 1888 auf dieser Strecke auch Personenverkehr eingerichtet wurde. Wer mit der Eisenbahn von Dehrn nach Limburg wollte, musste also zuerst mit der Schmalspurbahn nach Kerkerbach fahren, dort in die Lahntalbahn (Normalspur, 1435 Millimeter) umsteigen, um nach Limburg zu gelangen.

Das war natürlich sehr zeitraubend, zumal es ja schon seit 1882 das "Dehrner Schiffchen" gab, das deutlich schneller nach Limburg fuhr, allerdings wetterbedingt nicht ganzjährig. So darf es nicht verwundern, dass die Personenbeförderung durch die Kerkerbachbahn nicht sonderlich angenommen wurde, bis sie schließlich Ende 1929 gänzlich eingestellt werden musste.

1945 baute die Kerkerbachbahn den aus dem Jahr 1907 stammenden "Wagen 19" zu einem Behelfspersonenwagen mit 30 Sitzplätzen um. Er wurde in der damaligen Notzeit eingesetzt für die vielen "Hamsterkäufer" von Limburg - Kerkerbach - Westerwald.

Endgültig außer Betrieb gesetzt wurde der "Wagen 19" im Jahr 1960. Er gelangte 1961 in Privatbesitz nach Gaudernbach, wo er als Gartenlaube an einem Anglerteich stand, eingegraben ins Erdreich - mit entsprechenden Folgen.

Der Besitzer, Uwe Sanders, signalisierte dem Schadecker Achim Mannes, passionierter Modelleisenbahnbauer, dass der Wagen in Gaudernbach nach 53 Jahren nicht mehr benötigt werde. Für Mannes war klar: Diesen Wagen wollte er restaurieren. Auf eigene Kosten ließ er den Wagen am 7. Oktober 2017 abtransportieren zu einer vorübergehenden Bleibe in Dehrn, in einer Halle auf dem Casseler Hof von Bernd Schäfer. Hier verbrachte Mannes unzählige Wochenenden, und das bis 2019. Allein hätte er das Projekt, das er größtenteils selbst finanzierte, gar nicht stemmen können. Sein Team bestand mit Manfred Huth, Helmut Fink, Siegfried Boden, Elmar Schmidt und seinem beiden Söhnen, Michael und Raphael Mannes, aus tatkräftigen und sachkundigen Helfern.

Ursprüngliche Materialien erhalten

Viele Teile des Wagens waren im Laufe seiner langen Geschichte marode geworden und mussten mit einem unbeschreiblich hohen Arbeitsaufwand ersetzt werden. Wo möglich, wurden stets die ursprünglichen Materialien erhalten. Hilfreich bei der Restauration waren alte Fotos und Zeichnungen. Eine ausführliche Dokumentation findet sich unter www.kerkerbachbahn.de.

Eigentlich hätte der "Wagen 19" schon im vergangenen Jahr an historischer Stelle in Dehrn aufgestellt werden sollen; verschiedene administrative Hürden mussten aber erst noch genommen werden.

Manfred Seip (BOD) hatte schon vor längerer Zeit einen Plan erstellt für die Neugestaltung des Geländes im Umfeld des einstigen Bahnhofs in Dehrn. Da lag es natürlich nahe, den von Achim Mannes restaurierten Wagen in diese Planung mit einzubeziehen.

Infotafel geplant

Ende November wurde diese Planung nun mit der vorläufig noch provisorischen Aufstellung des "Wagen 19" in einem ersten Teil realisiert. Der Wagen soll aber noch näher an den Standort des 2004 abgerissenen Bahnhofs gerückt und, versehen mit einem nachgebauten Drehgestell, auf ein originales Drei-Schienen-Gleis gestellt werden. Dort soll auch ein altes Eisenbahn-Signal aufgestellt und eine Infotafel angebracht werden. Was künftige Nutzungsmöglichkeiten des "Wagen 19" anbelangt, ist daran gedacht, den Wagen zu bestimmten Anlässen für Ausstellungen, Vorführungen oder Vorträge zu öffnen.

Fazit: Ein hervorragendes Beispiel für eine Privatinitiative im Dienste der Gemeinschaft!

Günther Seip

Schaffner bei der Arbeit: So sah der "Wagen 19" der Kerkerbachbahn früher aus.

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