Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie es mit der Kita in Wirbelau weitergehen soll. Nun soll eine Machbarkeitsstudie bei der Entscheidung weiterhelfen.
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Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie es mit der Kita in Wirbelau weitergehen soll. Nun soll eine Machbarkeitsstudie bei der Entscheidung weiterhelfen.

Neubau der Kita oder nicht?

Runkel: Studie soll bei Entscheidung über Kita-Neubau helfen

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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Bürgerliste sieht keine Notwendigkeit für Überprüfung der baulichen Situation und stimmt gegen SPD-Antrag

Wirbelau -Ein Dauerbrenner der Runkeler Kommunalpolitik der vergangenen Jahre wird die Stadt auch in diesem Jahr beschäftigen: Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, 20 000 Euro für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie über den Neubau einer Kindertagesstätte in Wirbelau in den Haushaltsplan 2021 aufzunehmen. Antragsteller war die SPD-Fraktion, die das Projekt schon seit Jahren in Verbindung mit dem Neubau einer Stadthalle voranbringen möchte. Die CDU stimmte für die Machbarkeitsstudie, die Bürgerliste dagegen.

Unbestritten ist: Die Kita Wirbelau, die seit 1974 in der ehemaligen Schule des 1000-Seelen-Dorfes untergebracht ist, ist deutlich in die Jahre gekommen und entspricht nicht den modernen Standards. Hinzu kommen Missstände wie das Fehlen eines Turnraums und eines barrierefreien Zugangs. Auch die Tatsache, dass der Tischtennisverein nur durch das KitaGebäude in seinen Trainingsraum gelangen kann, gilt den Neubau-Befürwortern als Ärgernis.

Seit Jahren wird daher diskutiert, ob die Kita in einer ebenfalls neu zu bauenden Stadthalle untergebracht werden soll. Denn auch dieses Gebäude ist mittlerweile 80 Jahre alt und in mancher Hinsicht nicht mehr zeitgemäß. Dort fehlen zum Beispiel behindertengerechte Toiletten, deren Einbau ausgesetzt worden war, weil das Stadtparlament bereits 2018 einen Neubau der Halle in Erwägung gezogen hatte. Seitdem liegt das Thema Behindertentoiletten auf Eis, wie Bürgermeister Michel Kremer (parteilos) erläutert. Der Neubau einer Stadthalle mit integrierter Kindertagesstätte würde die Stadt Runkel mehr als drei Millionen Euro kosten - eine Summe, vor der das Parlament bisher zurückgeschreckt war.

Uneingeschränkte Nutzungserlaubnis

Konkreten Handlungsdruck für einen Kita-Neubau kann Bürgermeister Kremer derzeit allerdings nicht erkennen. Das Jugendamt, so Kremer, habe der Einrichtung in der alten Schule eine uneingeschränkte Nutzungserlaubnis erteilt und bisher keine Beanstandungen gesehen. Warum das Thema nun erneut ins Parlament und in den Haushalt 2021 gelangt ist, erklärt sich Kremer mit dem intensiven Werben seines Amtsvorgängers für einen Neubau. "Seitdem geistert das Thema durch die Stadtverordnetenversammlung", so Kremer. Ob eine Investition in der Größenordnung von drei bis vier Millionen Euro für eine neue Stadthalle mit Kita tatsächlich notwendig ist, erscheint auch Kremer fraglich.

Die Bürgerliste (BL) ist nach wie vor nicht von der Notwendigkeit eines Kita-Neubaus überzeugt. Selbst die mit den Stimmen von SPD und CDU beschlossene Machbarkeitsstudie hält der BL-Fraktionsvorsitzende Erhard Becker für überflüssig. "Ist das Gebäude etwa baufällig?", fragt er. "Uns sind keine Fakten bekannt, die einen Kita-Neubau notwendig machen", sagt er mit Blick auf die uneingeschränkte Freigabe durch das Jugendamt.

Becker erneuert außerdem die Forderung seiner Fraktion nach einem umfassenden Kindergarten-Konzept für Runkel. Dabei dürfe es aus seiner Sicht auch keine Tabus geben, zum Beispiel die Schließung der kleineren Kitas in Wirbelau und Arfurt.

"Fahrzeit wäre zu lang"

Schon jetzt müssten die Kinder aus Hofen und Eschenau zur Kita gefahren werden, so Becker. Dies sei auch den Wirbelauer Kindern zumutbar. Darüber müsse in Zeiten einer Verschuldung der Stadt Runkel mit 30 Millionen Euro zumindest nachgedacht werden.

Dagegen gilt für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Lothar Hautzel nach wie vor der Grundsatz, dass jeder Stadtteil eine eigene Kita haben sollte. Und die Machbarkeitsstudie ist aus seiner Sicht notwendig, "um zu überprüfen, ob mit der Wirbelauer Kindertagesstätte alles in Ordnung ist." Es gehe schlicht darum, die "Faktenbasis zu ermitteln", so Hautzel. Er könne daher nicht nachvollziehen, dass sich die Bürgerliste dagegen gesperrt habe. Sollte das Ergebnis sein, dass der Neubau einer Kita nicht notwendig ist, würde die SPD dies akzeptieren. "Wir fordern keinen Neubau, es geht uns nur um eine Analyse", beteuert er. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Armin Naß hält eine Überprüfung der baulichen Situation der Kita Wirbelau für geboten. Allerdings lehne die CDU nach wie vor jede Verbindung mit dem Neubau einer Stadthalle aus Kostengründen ab. "Das wäre für uns ein No-Go", so Naß. Von einer Schließung der Kita hält er ebenso wenig wie sein SPD-Kollege Hautzel. "Wirbelau ist der am weitesten von Runkel entfernte Ort, da wäre die Fahrzeit einfach zu groß", sagt er.

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