Oberstleutnant Helmmar Schmidt aus Steeden ist derzeit in Mali im Einsatz.
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Oberstleutnant Helmmar Schmidt aus Steeden ist derzeit in Mali im Einsatz.

4400 Kilometer entfernt im Einsatz

Runkel: Von der Lahn an den Niger

Oberstleutnant Helmmar Schmidt berichtet von seinem Einsatz in Mali

Steeden/Koulikoro -Seit April ist der Steedener Helmmar Schmidt im rund 4400 Kilometer entfernten Koulikoro im Rahmen der European Union Training Mission Mali (EUTM) mit der Bundeswehr im Einsatz. In Koulikoro, 60 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt, ist ein Kontingent von fast 800 Soldaten aus rund 20 Ländern der Europäischen Union in einer Kaserne der malischen Armee stationiert, genannt Koulikoro Training-Center (KTC). Die Aufgabe der Soldaten im Rahmen der EUTM: Die nationalen Sicherheitskräfte des Landes, das von islamistischen Kämpfern terrorisiert wird, aus- und fortzubilden.

Als Presseoffizier ist Oberstleutnant Schmidt für die Zusammenarbeit mit Journalisten und die Berichterstattung in den Bundeswehr-Medien zuständig. Wenn beispielsweise die Deutsche Welle im Einsatzführungskommando in Deutschland nach einem Radiointerview mit dem Kontingentführer fragt, kümmert er sich um die Absprachen mit dem Sender und bereitet seinen Chef auf mögliche Fragen vor. Daneben berät er den Kontingentführer in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit und behält die Medienlandschaft im Blick.

Gerade im Einsatz sei es wichtig zu wissen, welche Themen aktuell die Medien bestimmen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Region in und um Mali. Schlagzeilen gab es, als im rund 1200 Kilometer von Bamako entfernten Gao ein Selbstmordattentat auf eine Bundeswehrpatrouille verübt wurde, bei dem zwölf Soldaten teilweise schwer verwundet wurden. Oder aber ein Beschuss des KTC am 18. Juli, der durch die malischen und spanischen Sicherungskräfte beantwortet wurde. "Gott sei Dank ist keinem Soldaten im KTC etwas passiert", berichtet Schmidt.

Da die Ausbildung der malischen Sicherheitskräfte nicht nur im KTC stattfindet, geht es immer wieder zu Ausbildungsorten außerhalb. Die Hauptstadt Bamako oder die Garnisonsstadt Kati sind auf gut ausgebauten Straßen vergleichsweise leicht zu erreichen - auch wenn der malische Straßenverkehr nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen ist. Fotos und Berichte sind immer dann gefragt, wenn deutsche Ausbilder in Aktion sind. Seit Mitte Juli wird die gesamte EU-Mission von einem deutschen General und der für Ausbildung zuständige Teil in Koulikoro von einem deutschen Oberst geführt. Wenn diese unterwegs sind oder an Veranstaltungen teilnehmen, ist die Begleitung auch ein Auftrag für den deutschen Presseoffizier. Aufgrund der Corona-Pandemie sind im Vergleich zu früheren Einsätzen (auch Mali) oder in Afghanistan wenige Besucher aus Deutschland und Europa zu begrüßen. Nennenswert sind der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell oder der Vorsitzende des EU-Militärausschusses Admiral Hervé Bléjean.

Gewohnt wird in Containern

Wie lebt es sich in solch einem Einsatz? Gewohnt wird zu zweit in etwa zwei mal sechs Meter großen Containern. Der Waschraum und Toiletten sind zwei weitere Container, die sich rund 60 deutschen Soldaten in einem abgegrenzten Bereich des KTC teilen. Gegessen wird in der internationalen Truppenküche.

Da außer dem Sonntagvormittag, an dem es die Möglichkeit zum Gottesdienst oder zum Ausschlafen gibt, sich die Tage sehr gleichen, müssen die Soldaten schon genau überlegen, welcher Wochentag gerade ist. "Bei diesem engen Zusammenleben ist eine gute Kameradschaft wichtig", so Schmidt. "Die Soldatinnen und Soldaten aus allen Teilen Deutschlands bilden hier die Ersatzfamilie." Mit der Familie zu Hause lässt es sich dank guter Internetverbindung heutzutage viel besser reden, wenn es Oberstleutnant Schmidt mit seinem ersten Einsatz 2003 in Bosnien vergleicht. Die Trennung von zu Hause bleibt natürlich trotzdem.

Ehefrau Katrin muss sich die Monate allein um die beiden Töchter und den Alltag kümmern. Das ist trotz der bereits gesammelten Erfahrungen nicht schöner, gehört bei der Bundeswehr aber dazu. Zum Glück hilft hier die restliche Familie wo sie kann.

Das Klima ist in Afrika ein belastender Faktor. In Gao am Rande der Sahara war es zwar um die 50 Grad im Schatten, aber sehr trocken. Im südlicheren Koulikoro waren es am Anfang des Einsatzes noch 42 Grad im Schatten, aber mit der beginnenden Regenzeit bleiben die Temperaturen unter 40 Grad. Stattdessen führen die oft sintflutartigen Gewitter zu einer drückenden Schwüle.

Mitte August endet für Helmmar Schmidt der Einsatz. Nachdem sein Nachfolger in seine Aufgaben eingewiesen ist, geht es zurück in die Heimat an der Lahn. Wie bei jedem Einsatz sind dann wieder viele neue Eindrücke im Gepäck. Dazu gehören auch im zweiten Mali-Einsatz wieder die Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt. "Trotz einfachster Lebensumstände sind sie fröhlich und freundlich. Am Ende steht die Freude auf die Heimkehr - und wie nach jedem Einsatz das Wissen, wie gut es uns in Deutschland geht", so Schmidt.

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