Die Post vom eingeleiteten Parteiordnungsverfahren kam für Herbert Klos völlig überraschend. "Ich habe der Stadt doch genutzt", sagt der Ex-Bürgermeister, der von 1967 bis 1995 als Runkeler Rathauschef wirkte.
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Die Post vom eingeleiteten Parteiordnungsverfahren kam für Herbert Klos völlig überraschend. "Ich habe der Stadt doch genutzt", sagt der Ex-Bürgermeister, der von 1967 bis 1995 als Runkeler Rathauschef wirkte.

Ärger bei den Genossen

Runkel: SPD will Ex-Rathauschef aus Partei werfen

  • vonRobin Klöppel
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Parteiordnungsverfahren ist eingeleitet. Hintergrund ist Bürgermeisterwahl 2019, bei der Herbert Klos sich gegen den offiziellen Kandidaten seiner Partei aussprach.

Runkel -Der SPD-Ortsvereinsvorstand Runkel hat ein Parteiordnungsverfahren gegen den Genossen Herbert Klos eingeleitet. Grund ist, dass der Ex-Bürgermeister 2019 vor der Runkeler Bürgermeister-Stichwahl SPD-Amtsinhaber Friedhelm Bender öffentlich scharf kritisiert und eine Wahlempfehlung für den parteilosen Mitbewerber und späteren Sieger Michel Kremer abgegeben hatte.

Die dreiköpfige Schiedskommission des Unterbezirkes, die der Limburger Rechtsanwalt Thomas Weikert leitet, muss nun darüber befinden, ob sie deswegen Sanktionen gegen den früheren Runkeler Bürgermeister beschließt. Höchststrafe wäre, Klos nach 51 Jahren aus der SPD zu werfen. Dagegen könnte der Betroffene aber auf höherer Ebene noch Widerspruch einlegen.

Weikert erklärte, dass ein Termin für die Anhörung noch nicht feststehe, zu der er Herbert Klos und mindestens einen Vertreter des Runkeler SPD-Ortsvereins einladen werde. Diese Anhörung solle, so Weikert, zeitnah erfolgen. Ziel der Kommission sei es, eine gütliche Einigung zwischen den Parteien zu erreichen. Falls diese nicht möglich sei, müsse die Kommission eine Entscheidung treffen.

Bender-Bruder

stellt den Antrag

Reiner Bender, einer der Brüder von Friedhelm Bender, hat laut Ortsvereinsvorsitzendem Heiner Etzold fristgerecht vor der letzten Mitgliederversammlung den Antrag gestellt, gegen Klos ein Verfahren einzuleiten. Bender begründete dies damit, dass die verlorene Bürgermeisterwahl sich negativ auf das Kommunalwahlergebnis der SPD 2021 auswirken werde und Klos somit der Partei geschadet habe.

Der Betroffene sieht das dagegen völlig anders. Er fragt sich, ob in der Mitgliederversammlung überhaupt abschließend über den Antrag hätte befunden werden dürfen. Klos, Rathauschef von 1967 bis 1995, war nach eigener Aussage vorher nämlich nicht über den Antrag informiert, so dass er keine Gelegenheit gehabt habe, bei der Versammlung persönlich Stellung zu nehmen. Herbert Klos ergänzt, dass er sich von anderen nicht vorschreiben lassen müsse, wen er bei einer Wahl als freier Bürger zu unterstützen habe.

Er argumentiert, dass es sich bei dem Kandidaten Michel Kremer um keinen parteifremden Kandidaten gehandelt habe. Michel Kremer sei zwar als Parteiloser ins Rennen gegangen, sei aber über die SPD-Liste ins Stadtparlament gekommen und Mitglied der SPD-Fraktion gewesen. Auch in den Ortsbeirat und damit ins Amt des Ortsvorstehers sei Kremer über die SPD gekommen, erinnerte Klos. Von daher handele es sich bei dem von der deutlichen Mehrheit der Bürger gewählten Bürgermeister um einen der SPD nahe stehenden jungen Menschen, der ihn bei der NNP-Podiumsdiskussion in der Runkeler Stadthalle mit seinen Ideen voll überzeugt habe.

Klos: "Es ging mir um

das Wohl der Stadt"

Herbert Klos betont, dass er nach wie vor Sozialdemokrat aus Leidenschaft sei und sich seine Mitgliedschaft nicht wegnehmen lasse. Die Friedenspolitik Willy Brandts sei für ihn der Grund gewesen, genau in diese Partei zu gehen. Vor der Bürgermeister-Stichwahl habe er seine Meinung öffentlich geäußert, weil es ihm um das Wohl der Stadt Runkel und auch der SPD gegangen sei.

Klos findet, dass es der SPD Runkel gut getan hätte, einen jungen, talentierten Menschen aus den eigenen Reihen wie Michel Kremer zu fördern und bei seiner Kandidatur zu unterstützen. Er erinnert daran, dass die Situation unter Friedhelm Bender, wie SPD-intern ja bekannt, derart festgefahren gewesen sei, dass seine Wiederwahl unbestreitbar zu sechs Jahren Stillstand in Runkel geführt hätte. Er finde es schade, dass dann ausgerechnet Reiner Bender, der ja in der Region "öffentlich auch nicht gerade durch Diplomatie" auffalle, gegen ihn dieses Parteiordnungsverfahren initiiert habe.

SPD-Ortsvereinschef Etzold bedauert, dass es so weit gekommen sei. Er selbst und sein Stellvertreter Rainer Hautzel hätten bei der Versammlung gegen die Einleitung des Verfahrens gestimmt. Doch die restlichen sieben anwesenden Mitglieder seien dafür gewesen. Der SPD-Ortsvereinsvorstand habe sich gegen die eigene Überzeugung laut Satzung nach der Mehrheitsmeinung richten und das Verfahren eröffnen müssen. "Ich selbst bin wirklich keiner, der sofort bei unterschiedlichen Meinungen in einem Verein nach Ausschluss schreit", betont Etzold.

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