Coronavirus unerwünscht! Eleen und Leni gestalten in Anlehnung an den Film Ghostbusters ein Logo passend zu einer von vielen Theaterszenen des Projekts "Lebens(t)räume.
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Coronavirus unerwünscht! Eleen und Leni gestalten in Anlehnung an den Film Ghostbusters ein Logo passend zu einer von vielen Theaterszenen des Projekts "Lebens(t)räume.

Kinderwünsche werden wahr

Runkel: Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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70 Kinder nehmen an Theaterprojekt "Lebens(t)räume" des Jugendbildungswerks teil

Runkel -Die Dinge einfach mal nach Belieben vergrößern oder verkleinern können, die Elemente beherrschen, Süßigkeiten essen können, so viel man mag, oder auch die Traumschule der Zukunft besuchen - solche Kinderwünsche werden derzeit im Sommertheaterprojekt "Lebens(t)räume - wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt" an der Johann-Christian-Senckenberg-Schule in Runkel wahr.

Dort lernen seit Montag 70 Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Landkreis Limburg-Weilburg die ganze Welt des Theaters kennen, sowohl vor als auch hinter den Kulissen. Das fängt an mit Ankündigungsplakaten und Programmheften, geht über Bühnenbilder, Kostüme und Requisiten und reicht bis hin zu Film und Technik sowie der Schauspielerei. Veranstalter ist das Jugendbildungswerk Limburg-Weilburg in Kooperation mit den Jugendpflegen Runkel und Villmar. Mit einer Theateraufführung für die Eltern morgen, Samstag, 18 Uhr, in der Stadthalle Runkel geht das einwöchige Projekt zu Ende.

In sechs Workshops haben erfahrene Theaterleute den Kindern und Jugendlichen vermittelt, wie Theater entsteht. Und zwar ganz buchstäblich: "Wir haben ein komplett eigenes Stück entwickelt", berichtet die Theaterpädagogin Cara Basquitt, Referentin des Jugendbildungswerks, die zusammen mit ihrer Kollegin Dorothee Valentin das Projekt leitet.

Zu dem Stück gehören nicht nur eine Fülle von Szenen, die die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler entworfen haben und auf die Bühne bringen, sondern auch all das, was ebenfalls zum Theater gehört. Da wurden mit der Spraydose Bühnenbilder gemalt, Kostüme und Requisiten gebastelt oder auch die Ankündigungsplakate und ein Programmheft gestaltet und beschriftet. "Jeder, der ein Talent hat, wird hier gebraucht", sagt Cara Basquitt. "Der eine malt gerne, der andere hat Spaß an der Technik - alle können sich bei uns einbringen."

Umwelt ein wichtiges Thema

Der Kreativität der Kinder und Jugendlichen wurde dabei der größtmögliche Freiraum gewährt. "Nur das Thema Lebensträume war vorgegeben", sagt Basquitt. Alles andere entsprang der Fantasie der jungen Workshop-Teilnehmer. Und schnell stellte sich heraus, dass das Thema offenbar einen Nerv der Kinder und Jugendlichen getroffen hatte, denn Ideen gab es in Hülle und Fülle. Sei es der Traum davon, dass Süßigkeiten plötzlich gesund sind, ein Catwalk der Traumberufe oder auch der Traum von Umweltaktivisten, die sich eine Zukunft herbeiwünschen, die jugendlichen Vorstellungen entspricht. "Es war spannend, zu erleben, dass die Umwelt schon in diesem Alter ein solch wichtiges Thema ist", zeigt sich Cara Baquit beeindruckt.

Natürlich darf auch das Thema Corona nicht fehlen, das die Jugendlichen seit anderthalb Jahren begleitet und - Stichwort Homeschooling - auch ihren Alltag tief verändert hat. Da wundert nicht, dass sich die Kinder wünschten, dass das Coronavirus - zack, mal eben - einfach weg ist. Dieses Thema auch bildlich umzusetzen war, so Basquitt, zudem eine echte Herausforderung für die Kostümbastler. Sie stellten das Virus mit dem bekannten Logo des Films Ghostbusters so dar, dass an die Stelle des unerwünschten Gespenstes das Coronavirus tritt.

Ein Lehrer, der immer nur nett sein darf

Ein anderes Thema behandelt Briefe, die einen Lebenstraum auslösen können. So erhalten Kinder beispielsweise eine Einladung zum Besuch der Zauberschule Hogwart's aus dem Roman Harry Potter. Eine weitere Szene behandelt die Traumschule aus der Sicht von Kindern. Darin dürfen die Schüler nicht nur Tiere mit in die Schule bringen, sondern sie werden auch in so interessanten Fächern wie Fliegen, Zaubertränke herstellen, Karate, Reiten oder Schlittschuhlaufen unterrichtet. Und das Beste: Jedes Mal, wenn der Lehrer zum Schimpfen ansetzt, versagt ihm die Stimme, so dass er gezwungen ist, nett zu den Jugendlichen zu sein.

Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gruppen war gefragt bei dem Projekt. Denn mit der Entwicklung einer interessanten Theaterszene alleine war es nicht getan. Jede Idee musste auf den Prüfstand, ob sie auch mit Kostümen, Requisiten und Bühnenbildern realisierbar war. Und das ist einiges: Tanzende Cookies, Zebras, Astronauten, ein Einhorn, das Coronavirus oder auch riesige Lollies und Eistüten werden am Samstag die Bühne bevölkern.

Das Sommertheaterprojekt "Lebens(träume - Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt" wurde bereits im Herbst des vergangenen Jahres geboren, wie Cara Basquitt und Dorothee Valentin berichten. Gleich mehrere Ziele sollen damit erreicht werden. Zum einen gehe es darum, Kindern im Kreis Limburg-Weilburg das Thema Kultur näher zu bringen, vor dem Hintergrund, dass die kulturelle Dichte auf dem Lande nicht so groß ist wie in größeren Städten. Daran knüpft sich zugleich die Hoffnung, dass Kinder ihren Eltern gegenüber den Wunsch äußern, mal gemeinsam ins Theater zu gehen. Weitere Projektziele seien die aktive Teilhabe von Kindern an Kultur ("Partizipation"), aber auch die Gemeinschaftserfahrung, so Basquitt und Valentin.

Finanziell unterstützt wird das Sommertheaterprojekt vom Förderprogramm "Kulturkoffer" des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst mit 10 000 Euro. Als Sponsoren sind außerdem die Kreissparkassen Limburg und Weilburg im Boot. Sämtliche Workshops werden denn auch von Profis geleitet: Für das Schauspiel ist Cara Basquitt selbst verantwortlich, für die Gestaltung der Bühnenbilder die Graffiti-Künstler Scid und Harti, für Kostüme und Requisiten die Jugendpflegerinnen Cornelia Döhring (Villmar) und Solveig Richard (Runkel). Für die Sparte Film ist die Medienpädagogin Corinna Schaffranek, für Plakate und Programmheft die Designerin Liv Matthiesen und schließlich für die Technik der Tontechniker Michael Neffe verantwortlich. Ehrenamtlich wirken darüber hinaus Köche, drei Praktikantinnen und zwei weitere Kräfte in den Workshops mit.

Für die Kinder sei das Sommertheater eine willkommene Abwechslung nach der entbehrungsreichen Zeit des Corona-Lockdowns, meinen Cara Basquitt und Dorothee Valentin. "Wenn 70 Kinder eine tolle Sommerferienwoche erlebt haben, ist viel gewonnen."

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