Winfried Klein zieht gerade in Aumenau 5000 Lachse auf.
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Winfried Klein zieht gerade in Aumenau 5000 Lachse auf.

Der Weg ist noch lang

Runkel/Aumenau: 5000 Lachse und 8000 Aale für die Lahn

  • vonRobin Klöppel
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Winfried Klein kämpft seit Jahrzehnten unermüdlich für den Fischbestand

Runkel/Aumenau -Seit 21 Jahren betreibt die Interessengemeinschaft (IG) Lahn in Aumenau eine Lachsaufzucht-Station. Derzeit zieht Vorsitzender Winfried Klein mit seinem Team dort wieder 5000 Junglachse auf. Sie sollen es später bis nach Grönland schaffen, wo sie sich im Meer vollfressen können, um nach zwei bis vier Jahren zum Ablaichen in ihre Ursprungsgewässer zurückzukehren.

Derzeit befinden sich die Tiere in abgedunkelten Becken mit zehn Grad kühlem Wasser, die von der nahen Grube Georg Joseph gespeist werden. "Die Lahn war früher ein Lachsgewässer", sagt der 75-jährige, pensionierte Oberstudienrat aus Runkel Klein. Im Weilburger Bergbaumuseum hängt noch ein Ölgemälde von 1862, auf dem ein in der Weil unter der Guntersau gestochener, 30 Pfund schwerer Lachs abgebildet ist. "Die Lachse waren damals in Massen in der Lahn", weiß der IG-Lahn-Chef.

Doch dann seien die Schleusen in den Flüssen gebaut worden, woraufhin die Wasserqualität wegen der Chemie unter anderem im Rhein immer schlechter wurde. "Als wir mit unserer Arbeit anfingen, gab es keinen Lachs in der Lahn mehr", erzählt der Chef der IG Lahn. Anfang der 1980er Jahre nahm der Verein seine Arbeit auf, mit dem obersten Ziel, die Lachse zurück in die Lahn zu bringen.

weit entfernt

Ein erster Erfolg von Klein war es damals, in Gesprächen mit dem Land Rheinland-Pfalz die Zusage zu bekommen, dass bis 1997 die Lahn auf rheinland-pfälzischer Seite für Fische wieder durchgängig passierbar sein werde. Euphorisch setzten die Aktiven um den Runkeler 1993 die ersten paar tausend junge Lachse wieder in die Gewässer der Region ein, in die Weil, Dill und den Mühlbach bei Nassau. Doch leider musste Winfried Klein schnell erfahren, dass politische Ankündigungen nicht immer Realität werden.

Noch heute ist die Lahn seinem Kenntnisstand nach weit davon entfernt, für Fische durchgängig passierbar zu sein. Darum müssen die Aktiven der IG Lahn, wenn die ersten Rückkehrer im Juni zu erwarten sind, mit einem Motorboot am ersten Wehr bei Lahnstein warten, um die nicht weiterkommenden Altlachse abzufischen. Wenn die Fische nicht weiterkämen, würden sie am Wehr notlaichen, weiß Klein. Eigentlich wollten sie aber zum Laichen dorthin zurück, wo sie eingesetzt wurden. Den Rückweg findet sie durch ihren Geruchsinn, wie der Runkeler berichtet.

Die größte Masse der Grönland-Rückkehrer ist im September und Oktober zu erwarten. Doch in den letzten drei Jahren habe die IG keine Rückkehrer mehr entdecken können. Die erwischten Rückkehrer - insgesamt seit Start des Projektes 124 - würden mit in die Aufzuchtstation genommen, wo die Eier von Hand abgestreift werden. Dann kommt Sperma der männlichen Lachse darüber. Die befruchteten Eier werden anschließend ausgebrütet.

Da der Lachsbestand sich aufgrund der vielen Durchgangshindernisse nicht von alleine in der Lahn halten könne, sei es für die IG Lahn nicht billig, die Population im Fluss zu erhalten. Folglich hat Klein vor vier Wochen beim Verein "Der atlantische Lachs" an der Hasper Talsperre wieder 5000 Junglachse geholt, die 5000 Euro gekostet haben und im September oder Oktober in die Weil gesetzt werden sollen.

Wenn sie 16 bis 18 Zentimeter groß sind, wandert ein Teil von ihnen im nächsten Frühjahr ab. Die kleineren Lachse bleiben noch ein bis zwei weitere Jahre hier, was laut Klein von der Natur bewusst so gewollt sei, damit es nicht zu Inzucht komme. Es habe auch seinen Sinn, dass die Lachse nach Grönland abwandern. Dort würden sie genügend kleine Krebse, sogenannten Krill, als Nahrung finden, von dem sie auch die rote Fleischfarbe bekämen.

Dass die Altfische nicht im offenen Meer ablaichen, wo viele Räuber warteten, sondern in ihren Ursprungsgebiet, habe, so Klein, damit zu tun, dass die Jungfische hier Steine zum Verstecken fänden.

keinen Tag bereut"

Zunächst hatte die IG Lahn, wie der Vorsitzende berichtet, für ihr Projekt Lachsstämme aus Frankreich gekauft, doch die hätten zu früh gelaicht. Darum habe man auf dänische Lachsstämme umgestellt, die dem Rheinlachs am nächsten kämen. Außerdem setzt die IG Lahn in der Region 8000 Kilo Jungaale aus. Die bleiben laut Klein 20 bis 25 Jahre in der Lahn, bis sie eine Metamorphose durchmachten und sich dann als sogenannte Blankaale auf den Weg zum Sargassosee im Atlantik östlich Floridas machten.

Auf der weiten Reise über den Rhein ins Meer müssen sie Energie sparen und ließen sich rückwärts von der Strömung treiben. Klein sagt, dass laut EU-Richtlinien eigentlich mindestens 40 Prozent der Aale auch das Meer erreichen müssten. Dies halte er aber für Lug und Trug, denn im Endeffekt kämen keine Aale an, weil sie in den Turbinen der Wasserkraftwerke an der Lahn zerfetzt würden. "Das nachzuweisen, fällt aber schwer", weiß Klein.

Warum tut der Runkeler sich den ständigen Ärger mit Behörden und Kraftwerksbetreibern über Jahrzehnte an sieben Tage pro Woche überhaupt an, wenn es fraglich ist, ob er eine komplett durchgängige Lahn in diesem Leben noch mal wird feiern können? "Ich habe noch keinen Tag bereut, dass ich das mache, was ich tue", sagt Klein kämpferisch: "Ich spüre eine Verantwortung, und das waren mir die abertausenden Stunden Arbeit wert - und jeder Auseinandersetzung". Robin M. Klöppel

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