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"Schau Mama, das ist unser Baum"

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Julius Klier und sein Papa Stefan waren mit viel Spaß bei der Baumpflanzaktion im Runkeler Stadtwald dabei.
Julius Klier und sein Papa Stefan waren mit viel Spaß bei der Baumpflanzaktion im Runkeler Stadtwald dabei. © Kerstin Kaminsky

500 Esskastanien, Wildkirschen und Baumhasel für den Stadtwald gepflanzt

Runkel -"Unser Aufruf hatte eine so gewaltige Resonanz, dass wir die Pflanzaktion nächste Woche wiederholen", freute sich Revierförster Ralf Heukelbach. 500 junge Bäumen waren in einer öffentlichen Mitmachaktion für Jung und Alt am Samstag im Runkeler Stadtwald unter seiner Anleitung gepflanzt worden.

Und der von Trockenheit, Sturm und Käferbefall geschädigte Wald brauche jede Unterstützung, sagte der Förster. Nachdem die Fichten im Runkeler Wald binnen der vergangenen Jahre fast alle abgestorben sind, mache er sich nun Sorgen um die Buchen. Zwar sei der Wald in der Lage, auf den entstandenen Freiflächen von alleine nachzuwachsen, aber das dauere zu lange. Außerdem müsse man schauen, welche alternativen Baumarten mit den veränderten Gegebenheiten klarkommen. Dabei spielten Nährstoffgehalt und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens genauso eine Rolle, wie die klimatische Wasserbilanz der Region.

In 20 Jahren wird

Maronenfest gefeiert

Damit ein Baum mit dem veränderten Klima gut klarkommt, müsse er tief wurzeln, erklärte Heukelbach. Bei der Esskastanie sei dies der Fall. Diese Baumart sei schon von den Römern nach Deutschland gebracht worden und zeichne sich durch besonders dauerhaftes Holz aus. Bei der Pflanzaktion im Runkeler Wald kamen 150 Esskastanien-Setzlinge in die Erde. "In 20 Jahren können wir hier Maronenfest feiern", sagte der Förster schmunzelnd.

Eine weitere Baumart, die bei der Aktion gepflanzt wurde, ist die Baumhasel, 100 Setzlinge kamen am Samstag in die Erde. Die Baumhasel zeichne sich ebenfalls durch sehr stabiles Holz aus, erklärte Heukelbach. Für besonders schönes Holz sei die Wildkirsche bekannt. Zudem erfreue sie das Auge mit ihrer Blütenpracht und biete Nahrung für Insekten. 150 kleine Bäumchen dieser Art können nun ebenfalls im Runkeler Wald heranwachsen.

In 100 Jahren

reif zum Ernten

Ob diese drei Baumarten tatsächlich mit dem prognostizierten Klimawandel der nächsten Jahrzehnte zurechtkommen, bleibt abzuwarten. In 30 oder 40 Jahren werde man damit beginnen, sie zu vereinzeln, sagt der Förster. Bis sie unter forstwirtschaftlichen Aspekten erntereif sind, vergingen aber 100 bis 120 Jahre.

Bei der Pflanzaktion machten sich, ausgestattet mit Hohlspaten, Schaufeln und Ramme, die freiwilligen Helfer an die Arbeit. Die Flächen auf denen die Bäume gepflanzt werden sollten, waren frisch gemulcht, farbige Punkte markierten die Stellen, wo die Setzlinge in den Boden kommen sollen. "Damit wir es bei der Pflege einfacher haben, achten Sie bitte auf gerade Reihen", forderte der Förster und erklärte die einzelnen Arbeitsschritte: Zuerst müsse man die obere Mulchschicht beiseiteschieben, dann mit dem Spaten erst senkrecht und anschließend schräg einstechen. Bei Setzen der kleinen Bäumchen sei darauf zu achten, dass sie bis zum Wurzelhals in das Loch kommen. Dann werde die lose Erde wieder eingefüllt und festgetreten. Zehn Zentimeter neben der Pflanze sei ein Stab in den Boden zu rammen und über beides eine Freiwuchshülle zu ziehen. "Die Plastikhülle ist nicht hübsch, aber nützlich", versicherte Heukelbach. Sie schütze die Pflanze vor Wildschäden und späten Frösten und sorge für das Höhenwachstum.

"Schau Mama, das ist unser Baum", strahlte die vierjährige Mathilda. Ihr Papa Martin Hummel freute sich über die Begeisterung der Kleinen. "Wir wollen, dass unsere Tochter die Natur erlebt und auch in zwanzig Jahren noch von unserem Baum sprechen kann", sagte er.

Auch Julius Klier (6) aus Villmar half bei der Pflanzaktion. "Wir sind gern dabei, wenn etwas Gutes für die Zukunft gemacht wird", sagte Papa Stefan.

Die Brüder Mika (6) und Philip (8) Stöppler waren ebenfalls mit Eifer bei der Sache. "Wenn sie heute Spaß haben, ist das doch ein guter Anfang, auch weiterhin etwas für die Natur zu machen", sagte ihr Vater Christian.

"Ich hab noch nie zuvor einen Baum gepflanzt", freute sich Brigitte Stahl aus Hofen. Aber dank der guten Anleitung sei es kein Problem. Toll sei auch der Zustand es Bodens. "Ich hatte nämlich Sorge, dass wir im Matsch arbeiten müssen". Kerstin Kaminsky

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