Imkerin Christiane Hummel kontrolliert derzeit regelmäßig die Waben ihrer Bienenvölker, wie hier an den Erdbeerfeldern in Oberweyer.
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Imkerin Christiane Hummel kontrolliert derzeit regelmäßig die Waben ihrer Bienenvölker, wie hier an den Erdbeerfeldern in Oberweyer.

Ein wichtiger Dienst

Steeden/Oberweyer: "Die Imkerei boomt"

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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Christiane Hummel (37) widmet sich der wichtigen Arbeit mit den Bienen

Steeden/Oberweyer -"Früher war die Imkerei vorwiegend ein Hobby von alten Männern mit Hüten", erinnert sich Hartmut Mayer, Vorsitzender des Imkerkreisvereins Oberlahn. Das habe sich seit einiger Zeit geändert. Immer häufiger ziehe es auch jüngere Menschen zu diesem anspruchsvollen Hobby raus in die Natur. So habe der Hessische Imkerverband seine Zahl von einst 6000 Mitgliedern mittlerweile sogar verdoppeln können. Und auch der Imkerkreisverein Oberlahn sei inzwischen auf fast 120 Mitglieder gewachsen. "Die Imkerei boomt", berichtet Mayer. Auch wenn sich das Halten von Bienenvölkern kommerziell sicher nicht lohne. Doch gehe es beim Imkern ohnehin nicht ums Geld, sondern vor allem um die Freude in der Natur und für manchen Hobby-Imker auch um ein höheres Sozialprestige. Vor allem aber leisteten die Bienen wichtige Dienste für die Landwirtschaft. "Von bestäubenden Insekten profitiert die ganze Gesellschaft", sagt Hartmut Mayer.

Zu denen, die erst kürzlich den Spaß an der Imkerei für sich entdeckt haben, gehört eine junge Frau, deren Name bereits für das Hobby mit den fliegenden Brummern prädestiniert scheint: Christiane Hummel (37) aus Steeden, von Beruf eigentlich Betriebswirtin, hat vor zwei Jahren nach der Babypause ihren Bürojob im Office-Management einer Frankfurter Firma an den Nagel gehängt, um sich ganz der Arbeit mit ihren mittlerweile 28 Bienenvölkern zu widmen. "Das macht mehr Spaß, als den ganzen Tag am PC zu sitzen", ist sie begeistert. Ein Ziel hat sie auch schon vor Augen: Sie möchte die Imkerei professionell betreiben.

Deutlich mehr Ertrag dank der Bienen

Erste Schritte auf diesem Weg ist Christiane Hummel bereits gegangen: Seit kurzem kooperiert die Steedenerin mit dem Gärtnerhof in Oberweyer. Vier Bienenvölker - das sind immerhin bis zu 200 000 Insekten - hat sie in der Nähe der Erdbeerfelder des Gärtnerhofs platziert, damit aus den großen, weißen Blüten der Erdbeerpflanzen möglichst große Erdbeeren werden. "In Feldversuchen wurde ermittelt, dass Erdbeeren ohne Wind und Insekten zu 53 Prozent bestäubt werden, durch Wind erhöht sich die Bestäubung auf 67 Prozent und bei Insektenbestäubung wächst die Bestäubungsrate auf 91 Prozent", berichtet Christiane Hummel. "Fremdbestäubung ist somit eine Voraussetzung für eine gute Erdbeerernte. Der Ertrag kann dadurch verdoppelt werden, weil die Früchte größer und schwerer werden, die Missbildungen abnehmen und weniger Früchte abfallen."

Auch Kristiane Korte vom Gärtnerhof Oberweyer freut sich über die Kooperation: "Wir sind schon gespannt, ob sich die Feldversuche auch in der Praxis bewahrheiten und freuen uns darauf, unseren Kunden bald wieder die süßen Früchte anbieten zu können."

Doch nicht nur Erdbeeren, auch Raps, Ackerbohnen, Erbsen, Soja, Sonnenblumen und Lupinen profitieren von der Bienenbestäubung ebenso wie der "Klassiker" unter den von Bienen bestäubten Nutzpflanzen schlechthin, die Obstbäume, berichtet der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, Jonas Bachmann. "Der Raps zum Beispiel ist auf die Bienenbestäubung angewiesen", sagt er. "Der Mehrertrag gegenüber der Windbestäubung liegt bei etwa 50 Prozent." Deshalb arbeiteten viele Bauern mit Imkern zusammen, um den Ertrag der gelben Blüten zu erhöhen. Allerdings, so Bachmann, seien manche Bienenhalter vorsichtig, weil nicht wenige Bauern ihre Rapsblüten gegen Pilzbefall spritzten.

Um den Honigbienen und anderen Insekten mehr Nahrung zu verschaffen, beteiligt sich der Kreisbauernverband laut Bachmann seit Jahren an der Aktion "Bienenfreundliches Hessen - Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen". Wurden im vergangenen Jahr 2,5 Tonnen Saatgut für das Bepflanzen von sogenannten Blühstreifen an die Landwirte ausgegeben, so waren es in diesem Jahr bereits rund 1,4 Tonnen, berichtet der Verbandsgeschäftsführer. Darüber hinaus fördere der Kreisbauernverband gemeinsam mit den Landsenioren Limburg-Oberlahn die Aktion "Das Nassauer Land blüht auf". 60 Kilogramm zusätzliches Saatgut habe man zur Verfügung gestellt. "Der Insektenschutz", begründet Bachmann, "ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe; da muss jeder ran." Aber auch alle Gartenbesitzer können etwas tun, um das Nahrungsangebot für die Bienen zu verbessern, sagt Imkervereinsvorsitzender Mayer. Sein Appell: "Pflanzen Sie keine überzüchteten Pflanzen wie gefüllte Rosen oder Tulpen. Die sehen zwar toll aus, bieten Insekten aber nur wenig Nahrung."

Zu kalt: Sorge um die Frühjahrsernte

Die Bienen von Christiane Hummel haben in diesem Frühjahr "alle Hände voll zu tun", um Nahrung zu sammeln und Blüten zu bestäuben. Die Honigproduzentin lässt ihre Bienen nicht nur über die Erdbeerfelder bei Oberweyer fliegen, sondern auch über sieben Rapsfelder eines Bio-Landwirts bei Ahlbach. Weitere Standorte hat die 37-jährige Neu-Imkerin im Kerkerbachtal, an einem Stausee und an einem Feld in der Nähe des Kalkwerks.

Sorgenvoll blickt die Imkerin allerdings auf die verhältnismäßig niedrigen Temperaturen der vergangenen Wochen. "Die Frühjahrsernte wird möglicherweise komplett ausfallen", fürchtet sie. Etwa 30 Kilo Honig erzeugt jedes Volk pro Jahr - bei guten Bedingungen. Ihren Honig verkauft Christiane Hummel zu Hause in Steeden, wo sie die Verkaufsräume einer ehemaligen Metzgerei für ihr Hobby nutzt, in der Gärtnerei Vogler in Runkel und im Gärtnerhof in Oberweyer.

In den kommenden Wochen und Monaten ist Christiane Hummel nicht nur viel unterwegs, um regelmäßig - einmal pro Woche - ihre Bienenvölker zu kontrollieren. Sie kümmert sich außerdem um die Aufzucht neuer Königinnen, bildet Ableger, um neue Bienenvölker zu gründen, ist mit dem Schleudern der Honigwaben sowie dem Abfüllen des "flüssigen Golds" in Gläser beschäftigt. Ein schönes Nebenprodukt ist zudem das Bienenwachs, aus dem Christiane Hummel Kerzen zieht. Etwa ein Kilo pro Volk und Jahr fällt im Durchschnitt von diesem kostbaren Naturprodukt an, das sich vor allem in der Weihnachtszeit großer Beliebtheit erfreut.

Und wie ist das mit den Bienenstichen? "Am Anfang standen mir Schweißperlen auf der Stirn", gesteht Christiane Hummel. "Jetzt habe ich zwar keine Angst, aber Respekt, wenn es summt. Mit der Zeit wird man aber immer ruhiger."

Für Hartmut Mayer ist es ohnehin das Beste, dass sich Imker einem der Imkervereine im Nassauer Land anschließen, um bei ihrem aufwendigen Hobby die notwendige Unterstützung zu erhalten. Heimische Imkervereine gibt es in Hünfelden, Hadamar, Diez, im Laubustal, im Oberlahngebiet, im Goldenen Grund und im Wörsbachtal. Rolf Goeckel

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